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Geldfresser Auto:

Carsharing als Alternative zum Wagen(ver)kauf?

Dienstag, 4. Okt. 2022

Was sich bereits seit Jahren angebahnt hat und immer wieder angemahnt wurde, wird jetzt für die meisten Verbraucher zur bitteren Realität: Ein eigenes Auto ist purer Luxus. Die Spritpreise sind hoch und wer das Glück hat, arbeiten gehen (beziehungsweise fahren) zu können, ist seine paar Euro ganz schnell los.

Autor — Ehricke

Was nach dem Kauf von ein paar Lebensmitteln übrig bleibt, müsste spätestens jetzt für die Heiz- und Energiekosten auf die hohe Kante gelegt werden. Dieses Vorhaben findet dann oft an der nächsten Tankstelle ein jähes Ende, denn dann ist oft schon Ebbe in der Kasse.

Carsharing
Carsharing Foto: Image by kenny2332-560642

Man könnte nun behaupten, dass es sich um Luxusprobleme handelt, denn wir leben in Zeiten, in denen der Krieg schon wieder bis fast vor die Haustür gerückt, in denen der Welthunger immer noch Realität und die gesamte Menschheit von diversen Krisen gebeutelt ist. Immerhin sitzen wir in Deutschland immer noch in unserem gemütlichen Zuhause, auf das keine Bomben fallen. Wir hatten einen großartigen Sommer, wir haben Zeit für Hobbys gefunden und Casino mit 1 Euro Einzahlung gespielt. Wir haben es gut - jedenfalls viele. Für den Otto-Normal-Bürger in Deutschland ist aber die Lebensrealität auch so, dass ein eigenes Auto vor der Tür nicht etwas ist, womit man sein Image aufpoliert. Vielmehr ist es das, was die Existenz ein Stück zu sichern scheint. Ohne Mobilität keine Arbeit!

Warum viele Menschen ihr Auto nicht verkaufen können

Der Blick auf die Kontoauszüge und ins Haushaltsbuch, das als spießig galt, aber jetzt auch von vielen jungen Menschen wieder geführt wird, bringt die Wahrheit ans Licht: Es muss gespart werden, egal wie! Der größte Kostenfaktor ist und bleibt häufig das Auto. Wir reden hier nicht von einem großen Van, von einem Ferrari oder Porsche, sondern einfach nur von einem alltagstauglichen Gefährt, wie wir es lange für unverzichtbar hielten.

Nun werden viele Stadtmenschen unter Ihnen nicken und der Aussage beipflichten, dass der Privatbesitz von Autos ein Kostenfaktor ist, der sich leicht wegrationalisieren lässt. Sie haben aus Ihrer Perspektive auch völlig recht. Sie steigen in den Bus oder in die S-Bahn, denn vor Ihrer Haustür befindet sich die Infrastruktur. Vielleicht sind Sie sportlich und nutzen das Fahrrad, um auf gesunde Weise an Ihren Arbeitsplatz zu gelangen. Wenn es erforderlich ist, wird Ihnen sogar Ihre 6-Euro-Butter per Lieferservice an die Haustüre gebracht.

Nur sehen die Lebensumstände vieler Ihrer Mitmenschen völlig anders aus. Sind Sie jemand, der auf dem Land lebt und sich mühsam einen Arbeitsplatz in der nächsten Kleinstadt gesucht hat, mit einer einfachen Wegstrecke von 50 Kilometern? Ihr Dorf ist idyllisch, und zwar so sehr, dass an der einzigen Bushaltestelle nur zweimal täglich ein Bus kommt? Dann befinden Sie sich tatsächlich in der Situation, dass Ihnen niemand ernstlich unterstellen kann, dass Sie Ihr Auto nur aus Bequemlichkeit oder Prestige-Gründen nicht entbehren können.

Carsharing als Eigentümer, lohnt sich das?

Inzwischen rückt Carsharing immer mehr in das Licht der Öffentlichkeit, denn das Konzept ist richtig gut. Auto-Eigentümer behalten ihren Wagen und können durch die Einnahmen einer privaten Autovermietung die Kosten zumindest teilweise auffangen. Wer im Alltag kein Auto benötigt, aber gelegentlich schon gern eines nutzen würde, geht auf die Plattform, auf der die entsprechende Autovermietung stattfindet. Das ist billiger als ein Taxi, komfortabler als die öffentlichen Verkehrsmittel und allemal günstiger als eine kommerzielle Autovermietung oder langfristiges Leasing. Die Einzelheiten zu den Konditionen sind auf den Sharing-Plattformen festgelegt, die unterschiedliche Gebühren verlangen.

Versicherungstechnisch wird ebenfalls alles deutlich geregelt. Wer auf sein Auto also zeitweise verzichten kann, findet hier wahrscheinlich einen Kompromiss, um die steigenden Kosten weiterhin auffangen zu können. Wer kein eigenes Auto besitzt und es nicht unbedingt muss, wird wahrscheinlich aktuell dankend auf die Anschaffung verzichten. Das Anmieten eines Wagens für einzelne Stunden oder Tage bleibt dann als mögliche Lösung, um bei Gelegenheit doch einmal zu überschaubaren Tarifen selbst am Steuer zu sitzen.

Wagen verkaufen oder um jeden Preis behalten und teilen?

Hier stellt sich vielmehr die Frage, ob Ihnen als Wagenbesitzer überhaupt die Wahl bleibt. Wenn Sie daran interessiert sind, sich von Zeit zu Zeit ein Auto zu leihen, kommt es selbstverständlich auf Ihre finanzielle Situation an. Auch die günstigen Sharing-Tarife sind von vielen Bürgern momentan einfach nicht zu stemmen. Die meisten Menschen sind bereits froh, wenn sie sich ein Bus-Ticket leisten können.

Sind Sie Wageneigentümer, wird Sie die Not und ein drohender Jobverlust durch fehlende Mobilität vielleicht zur Entscheidung zwingen, Ihr Auto leihweise anderen Nutzern zu überlassen. Dann stellt sich die Frage, ob und wann in Ihrer Region Nachfrage besteht. Sie sollten auf Ihren Wagen immer dann verzichten, wenn er tatsächlich nicht unbedingt benötigt wird, beispielsweise an den arbeitsfreien Tagen. Dann fahren Sie selbst mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, während der Sharing-Partner in Ihrem Privatfahrzeug unterwegs ist. So schön und praktisch das Car-Sharing-Konzept auch ist, für die Mehrheit der Menschen wird es eine Lösung sein, zu der sie durch die äußeren Umstände gezwungen sind - aber seien wir froh, dass in diesen verrückten Zeiten fast jedes Problem auch eine passende Lösung bietet!