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Ganzjahres- oder Winterreifen

Unterschiede, Eignung, Vor- & Nachteile

Freitag, 2. Nov. 2018

Zwei Mal im Jahr bekommt das Fahrzeug eines jeden Besitzers vier neue Begleiter: Der Wechsel von Sommer- zu Winterreifen oder andersherum findet in der Regel um Ostern und im Oktober statt. Jedenfalls lautet so die bekannte Faustregel. In Deutschland gibt es keine festgelegte Winterreifenpflicht, lediglich eine sogenannte situative Regelung. Diese besagt, dass es nicht erlaubt ist, bei winterlichen Umgebungsbedingungen – sprich Glätte, Eis und Schnee – ohne Winterreifen zu fahren.

Hinzu kommt, dass diese Winterreifen laut einer neuen Bestimmung nicht nur mit der „M + S“-Kennung, sondern auch mit dem gezackten Bergpiktogramm und den Schneeflocken ausgestattet sein müssen.

Die Profilstruktur der Winterreifen ist nicht das einzige Unterscheidungsmerkmal. Zudem bestehen Ganzjahresreifen aus einer anderen Gummimischung.
Die Profilstruktur der Winterreifen ist nicht das einzige Unterscheidungsmerkmal. Zudem bestehen Ganzjahresreifen aus einer anderen Gummimischung.Foto: pixabay.com © manfredrichter (CC0 Creative Commons)

Mittlerweile zeichnet sich in der Reifenszene jedoch ein weiterer Trend ab, denn nicht mehr alle Autobesitzer wechseln zwei Mal im Jahr ihre Reifen. Wer das gesamte Jahr mit derselben Bereifung unterwegs ist, besitzt Ganzjahresreifen, die auch als Allwetterpneus bekannt sind. Diese Modelle sind sowohl von Oktober bis Ostern als auch darüber hinaus fahrbar. Zugelassen sind die Allwetterreifen für den Winter allerdings nur mit der gleichen Kennzeichnung wie die klassischen Winterreifen. Neben dem „M + S“-Symbol dürfen Bergpiktogramm und Schneeflocken nicht fehlen. Welche Unterschiede, Vor- und Nachteile diese Reifenarten aufweisen, erklärt folgender Artikel.

Unterschiede zwischen Ganzjahres- und Winterreifen

Winterreifen bestehen aus einer weichen Gummimischung. Allwetterpneus sind aus einem Materialmix gefertigt, der bestimmte Eigenschaften von Sommer- und Winterreifen aufgreift, um bei unterschiedlichen Temperaturen und Umgebungen zu funktionieren. Das Problem ist, dass dies in der Regel nicht so kompromisslos klappt wie mit der speziell für die Jahreszeit geeigneten Reifenart. Bei aktuellen Tests unter Extrembedingungen haben sich die Unterschiede zwischen Ganzjahres- und Winterreifen gezeigt, sodass die klassischen Winterreifen weiterhin überzeugender waren – jedenfalls in extremen Wintersituationen auf Schnee bei hohen Minustemperaturen. Hier sind besonders die Reifen ContiWinterContact TS 850P von Continental sowie der Dunlop Winter Sport 5 zu nennen (beide kosten ab 60€ ungefähr)

In diesem Zusammenhang ist ein weiterer großer Unterschied zu nennen. Das jährliche zweimalige Wechseln entfällt natürlich mit Ganzjahresreifen. Deshalb sind diese in Lagerung und Gebrauch natürlich kostengünstiger, da sie weder Platz im eigenen Heim wegnehmen, bei der Werkstatt oder beim Händler eingelagert und nicht professionell zwei Mal jährlich gegen Entgelt ausgewechselt werden müssen.

Winterreifen sind mit zusätzlichen tiefen Rillen im Profil ausgerüstet. Wer viel im Gelände unterwegs ist, schätzt diesen Vorteil.
Winterreifen sind mit zusätzlichen tiefen Rillen im Profil ausgerüstet. Wer viel im Gelände unterwegs ist, schätzt diesen Vorteil.Foto: pixabay.com © newsanek (CC0 Creative Commons)

Durch das Materialgemisch ergibt sich allerdings vor allem im Sommer ein höherer Verschleiß, der demnach zur schnelleren Abnutzung und dadurch wiederum zum Kauf neuer Allwetterreifen führt – und zwar um ein Vielfaches schneller, als es bei normalen Sommer- oder Winterreifen der Fall ist.

Eignung von Ganzjahres- und Winterreifen

Allwetterpneus eignen sich im Winter vor allem für Gegenden, in denen es nicht viel schneit und wo Autofahrer auf flachem Gelände unterwegs sind. Des Weiteren kommt es maßgeblich auf die Nutzung des Autos sowie die Fahrgewohnheit des Autobesitzers an. Fährt dieser ausschließlich in Stadtgebieten und ist er im Winter teilweise gar nicht mit dem Auto unterwegs, sind Ganzjahresreifen eine Überlegung wert.

Vielfahrer, Pendler oder Gelände-Fans greifen hingegen sowohl im Sommer als auch im Winter besser auf das jeweilige Pendant zurück. Insbesondere für alle, die es lieben, im winterlichen Gelände bei Schnee, Match und Eis zu fahren, sind klassische Winterreifen Pflicht. Bei sehr extremen Winterbedingungen empfehlen sich sogar zusätzlich Schneeketten. Winterreifen sind bei solch starken Wetterverhältnissen stets vorzuziehen, um Unfälle zu vermeiden.

Reifenwechsel? Bei Ganzjahresreifen ist diese jährliche Arbeit, die mindestens zwei Mal anfällt, Fehlanzeige, denn die Ganzjahresreifen bleiben von O bis O und darüber hinaus.
Reifenwechsel? Bei Ganzjahresreifen ist diese jährliche Arbeit, die mindestens zwei Mal anfällt, Fehlanzeige, denn die Ganzjahresreifen bleiben von O bis O und darüber hinaus.Foto: pixabay.com © Grizzlybear-se (CC0 Creative Commons)

Vor- und Nachteile von Winterreifen

Wie bereits erwähnt, bestehen Winterreifen aus einer weicheren Gummimischung. Das ist sehr wichtig, damit die Reifen bei eisiger Kälte elastisch bleiben. Dadurch bieten die speziellen Reifen für den Winter auch bei sehr hohen Minusgraden mehr Fahrstabilität und ermöglichen kurze Bremswege. Insbesondere Letztere sind bei extremen Wetterbedingungen, Schnee und Eis von Vorteil. Ein weiterer Pluspunkt der winterlichen Modelle sind die tiefen Lamellen oder Rillen im Profil. Dabei handelt es sich um spezielle wellenförmige Einschnitte, die dafür sorgen, dass das Auto auch bei Schnee, Matsch und Eis einen hohen Halt hat. Nachteile sind natürlich der jährliche Wechsel sowie der damit verbundene Zeit- sowie Geldaufwand.

Wichtig für alle Autofahrer ist, auf Winterreifen mit neuer Kennzeichnung zu achten. Das „Alpine“-Symbol (Bergpiktogramm und Schneeflocken) ist Pflicht bei winterlichen Straßenbedingungen sowohl bei Winter- als auch bei Ganzjahresreifen. Andernfalls erhalten Autofahrer einen Punkt in Flensburg und müssen ein Bußgeld in Höhe von 60 Euro zahlen.

Vor- und Nachteile von Ganzjahresreifen

Die große Herausforderung, vor welcher Hersteller und Marken seit jeher in puncto Ganzjahresreifen stehen, ist die Tatsache, dass diese Reifenart verschiedene und entgegengesetzte Eigenschaften verbinden soll. Im Sommer ist der Allwetterpneu ein Begleiter auf trockenen und nassen Straßen, wo er eine sichere Fahrt gewährleisten soll, während er im Winter bei extremen Bedingungen wie Schnee, Kälte und Eis ganz anderen Anforderungen gerecht werden muss, allerdings ebenfalls für Sicherheit sorgen soll. Dennoch wechseln immer mehr Autofahrer zu Ganzjahresreifen.

Auch der TÜV SÜD sieht die Allwetterpneus als echte Alternative, insbesondere für Fahrer, die wenig Kilometer im Stadtbereich bei mäßigen Winterbedingungen fahren. In der Reifenbranche allgemein herrscht noch Uneinigkeit zum Thema Ganzjahresreifen, wie eine Pressemitteilung des Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk e.V. zeigt. Hierbei geht es vor allem um Testergebnisse, die scheinbar nicht unter sachgemäßen Bedingungen erfolgt sind, weshalb der Reifenfachverband bereits letztes Jahr mehr Sachlichkeit bei Allwetterpneus forderte. Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass die Ganzjahresreifen in Qualität, Ausführung und Eigenschaften besser werden. Dennoch eignen sie sich bei extremen Wetterbedingungen nicht besser als klassische Winterreifen. Vorteilhaft ist jedoch auf jeden Fall der entfallende Reifenwechsel. Dadurch sparen Verbraucher Zeit, Geld und Platz.

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