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Genfer Autosalon wirft Schatten voraus

Concept-Car Skoda Vision X

Gas geben statt Abgas

Donnerstag, 1. Mär. 2018

In Genf gibt Skoda einen Ausblick auf sein kleinstes SUV. Das Concept-Car Vision X zeigt typische Tugenden der tschechischen VW-Tochter. Die größte Neuheit steckt dabei unterm Blech.

Martin Hrdlicka weiß: Es wird richtig teuer, wenn er als Herr über Motoren und Antriebe bei Skoda nicht kräftig Gas gibt. “Schon übernächstes Jahr verhängt die EU hohe Strafen, wenn wir nicht den Schadstoffausstoß aller verkauften Autos im Schnitt auf 95 Gramm drücken.” Jedes Gramm mehr kostet 95 Euro - pro Auto, das Skoda in Europa verkauft. Es drohen also gewaltige Millionenstrafen.

Der Skoda Vision X
Der Skoda Vision XFoto: Skoda

Das Concept-Car Vision X, das Skoda auf der Automesse in Genf (8.-18. März) zeigt, hat für diese Herausforderung eine Lösung. Und ein erster Einblick in die Technik zeigt: das mit dem “Gas geben” darf der Betrachter wörtlich nehmen.

Zunächst mal steckt die neuartige Technik auch in einer neuen Außenhaut - der des kommenden Mini-SUV Polar nämlich. Der Verwandte zu Seats Arona und dem kommenden Polo-SUV ist Skoda-typisch eine Ecke größer. Statt auf 4,10 Metern wie der Spanier, darf sich der tschechische Ableger der Konzern-Plattform MQB A0 auf 4,25 Meter lang machen, der Radstand beträgt mit 2,65 Metern auch elf mehr als beim Seat. 1,50 Meter Höhe und 1,80 Meter Breite zeigen allerdings, dass der Skoda eher  hochgelegter Kombi als echter SUV ist. Dazu passt, dass es auf der kleinsten Plattform des Konzerns keinen Allradantrieb geben wird.

Das ist beim Concept-Car für Genf noch anders. Dort werkelt nämlich ein Elektromotor mit 20 kW/27 PS und 70 Newtonmetern Drehmoment an der Hinterachse, der seine Energie aus einem 48-Volt-Batteriesystem bezieht. Über ein Planetengetriebe fließen bis zu 1.000 Newtonmeter bei Bedarf an die Hinterräder, per Differenzial auch gezielt je nach Traktion.

Ein Blick auf den Antriebsstrang
Ein Blick auf den AntriebsstrangFoto: Skoda

Das E-Aggregat sorgt im Zusammenspiel mit dem 1,5-Liter-Verbrenner (95 kW/130 PS, maximales Drehmoment 250 Newtonmeter), der über einen riemengetriebenen Startergenerator (RSG) verfügt, für kontinuierlichen Allradantrieb. Die Systemleistung der beiden Antriebseinheiten ermöglicht dem Skoda eine Beschleunigung von null auf 100 in 9,3 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 200 km/h. “Eine Alternative für kleinere Modelle, bei denen der mechanische Allradantrieb zu teuer ist oder für die reine Traktion im Normalbetrieb gar nicht nötig”, erklärt Hrdlicka.

Der elektrifizierte Allradantrieb wird wohl erst einmal im kommenden Polar nicht zu sehen sein - aber für die niedriger motorisierten Modelle eine Klasse darüber könnte es eine günstige Alternative zum mechanisch aufwändigeren Haldex-Allrad sein. Der Polar hat aber auch ohne die Elektro-Hinterachse einiges zu bieten – vor allem Platz. In der  Klasse ab 16.000 Euro ist das ein Argument, mit dem sich typische Skoda-Käufer anfreunden werden.

Verpackt ist das Ganze in einem stylischen Äußeren. Chefdesigner Oliver Stefani ist besonders stolz auf die neue Front. Die Lichtgeometrie schaut ein bisschen nach Hyundai Kona oder Citroen C3 Aircross aus. Allerdings verstecken sich in den schmalen Lichtschlitzen oben Tagfahrlicht und Blinker, deren oranges Licht sich nach Audi-Art pulsierend in Abbiegerichtung bewegt. Drunter schauen die LED-Scheinwerfer in kristallinem Glasdesign auf die Straße. Und auch der schwarze Grill des Vision X ist aus böhmischem Glas modelliert.

Die elektrische Hinterachse des Vision X
Die elektrische Hinterachse des Vision XFoto: Skoda

Die Seite sieht dem Konzernbruder von Seat mit der markanten C-Säule und dem dunklen Dach schon ähnlicher. Hinten zeigen zum C geschwungene Rücklichter und der Hüftknick die Familienähnlichkeit zum größeren Karoq. Und hinter der Heckklappe liegen im Genfer Unikat zwei Elektro-Skateboards für die letzte Meile durch die Fußgängerzone zum Ziel.

Ernster wird es dagegen wieder bei der zweiten großen Neuigkeit unterm Blech: das Gegenstück zum Elektromotörchen ist nämlich im Vision X ein CNG-Aggregat. Es lässt sich also mit Gas betreiben - und hilft Hrdlicka damit beträchtlich beim Erreichen seiner Abgasvorgaben. Die Gasflaschen mit 14 Litern Inhalt drücken den Vision X beim CO2-Ausstoß auf 89 Gramm – für diese Größenklasse von SUV ein prima Wert.

Überhaupt hofft Hrdlicka auf einen Boom der schadstoffarmen Gasaggregate – die könnten nämlich relativ preiswert die Umweltbilanz deutlich verbessern. “Vor allem, wenn das Gas künstlich aus Sonnen- oder Windenergie erzeugt würde”, sagt der Ingenieur. Dadurch würde der Umwelt bei der Produktion nämlich sogar CO2 entzogen. In der Gesamtbilanz wären Verbrenner mit solchen sogenannten e-Fuels sogar umweltfreundlicher als Elektroautos, “besonders wenn deren Strom aus Kohlekraftwerken kommt”, so Hrdlicka. Weiterer Vorteil: Das Öko-Gas ließe sich wie ähnlich erzeugte Diesel- oder Benzin-Kraftstoffe in fast allen existierenden Fahrzeugen einsetzen. Eine nachhaltige CO2-Revolution.

Der Vision X ist dafür ein beispielhafter Technologieträger. Schade, dass es ihn so nur auf dem Messestand geben wird. Der tatsächliche Polar indes wird wohl auch mit CNG-Antrieb (90 PS) zu haben sein - neben Benzinern mit 95, 115 und 150 PS. Zwei Diesel mit 95 und 115 PS kommen dazu. Ganz konventionelle Antriebe - die Revolution ist eben noch Vision.

Peter Weißenberg/SP-X