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VW Passat CC - Angriff ohne Gegner

Donnerstag, 19. Mär. 2015

Angriff ohne Gegner - Von Martin Woldt - Volkswagen will emotionaler werden. Eine Aufgabe, die insbesondere dem gerade vorgestellten viertürigen Passat Coupe zufällt und das Auto nicht schlecht aussehen lässt. Seit der VfL-Wolfsburg ein paar Plätze in der Bundesliga nach oben gestiegen ist, hört man von den VW-Gewaltigen Töne, als würden sie bald im Championsleague-Finale stehen.

Komfortabler Zustieg in die zweite Reihe
Komfortabler Zustieg in die zweite ReiheFoto: VW
V6 mit 300PS
V6 mit 300PSFoto: VW
Viel Aluminium an Cockpit und Türen
Viel Aluminium an Cockpit und TürenFoto: VW
Knackiges Heck
Knackiges HeckFoto: VW
VW Passat CC
VW Passat CCFoto: VW

Angriff ohne Gegner

Von Martin Woldt

Volkswagen will emotionaler werden. Eine Aufgabe, die insbesondere dem gerade vorgestellten viertürigen Passat Coupe zufällt und das Auto nicht schlecht aussehen lässt. Seit der VfL-Wolfsburg ein paar Plätze in der Bundesliga nach oben gestiegen ist, hört man von den VW-Gewaltigen Töne, als würden sie bald im Championsleague-Finale stehen.

«Wir wollen jetzt voll auf Angriff spielen», wiederholte Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg die Worte seines Chefs Martin Winterkorn, den man vor dem geistigen Augen schon im VfL-Trikot den lieben langen Tag Flanken und Abseits mit der Belegschaft üben sieht. Hackenberg blies zum Angriff als er gerade das neueste Modell, den Passt CC vorstellte. Was unwillkürlich die Frage aufwirft, wen er damit eigentlich angreifen will? Der unbekannte Gegner Es gibt gar kein anderes viertüriges Coupe um die 4,80 Meter Länge, das bei 30.000 Euro einsteigt. Könnte eher sein, er hat die Barschaft der Kunden im Auge. Defensivtaktik ist es jedenfalls nicht, wenn man für ein bisschen gebürstetes Aluminium im Cockpit gleich 450 Euro extra verlangt. Aber einen direkten Wettbewerber? Bezogen auf die Länge gibt es das 407 Coupe von Peugeot, aber nur mit zwei Türen. Vier hätte der Mercedes CLS, aber der ist zwölf Zentimeter länger und gut 25.000 Euro teurer.

Der Mercedes CLS als Spiritus Rector

Und doch deutet manches auf den CLS hin. Allerdings eher im Sinne eines Ideengebers. CLS bedeutet soviel wie Coupe-Limousine und trifft auch das Selbstverständnis des neuen Wolfsburgers, sagen wir eine Klasse tiefer. Auch VW geht es es darum, an der Spitze einer Modellreihe das traditionell eher nüchterne Design des Passat mit einem emotional und technologisch aufgerüsteten Grenzgänger zu erweitern. Damit in Europa Kunden zu halten, die sich sonst woanders umsehen und in den USA, wo man über 50 Prozent des Absatzes erwartet, dringend benötigte Achtungserfolge zu erzielen. Auch dem CC fällt die Aufgabe zu, einer gewissen Biederkeit in der traditionellen Baureihe zu begegnen, ohne beim Komfort in der zweiten Reihe all zu deutlich einzubüßen.

Der Technologieträger

Außerdem: kein anderer VW kommt mit derart vielen Fahrassistenten daher und beansprucht auf diese Weise. Zu den Premieren gehören etwa die Fahrspurhilfe «Lane Assist», die für einen wirklich kaum spürbaren Eingriff in das Lenkverhalten sorgt, sollte man unbeabsichtigt über die Mittellinie oder den Randstreifen geraten. Das Gegenlenken erfolgt so dezent, dass der Fahrer nur einen leichten Widerstand spürt, der Beifahrer von dem Manöver gar nichts mitbekommt. Der Effekt aber kann lebensrettend sein, wenn man abgelenkt für Sekundenbruchteile die Richtung nicht hält. Weniger dramatisch, aber sehr komfortabel ist die adaptive Fahrwerksregulierung DCC. Auf Knopfdruck in der Mittelkonsole stimmen sich die Dämpfer nach den Kategorien sportlich, komfortabel oder normal ab. Mag sein, dass die Normalposition für 90 Prozent aller Fahrsituationen ausreicht. Aber beim Belagwechsel von Asphalt auf Kopfsteinpflaster die Komforttaste drücken zu können, macht nicht nur einen akustischen Unterschied. Der Wagen wird viel sanfter aufgefangen. Weniger komfortabel ist allerdings, dass VW den Umschaltknopf schlecht einsehbar hinter der Gangschaltung platziert hat.

Zunächst drei Motorisierungen

Drei Motorisierungen hat VW zunächst im Angebot. Für den Grundpreis von 30.300 Euro gibt es einen 1,8 Liter TSI-Benziner, der 118kW/160 PS leistet. Ein seidenweicher Motor, der jederzeit druckvoll in den Sprint übergehen kann und 7,6 Liter auf 100 Kilometern verbraucht. Den Sprintspargedanken hält eher der103 kW/140 PS starke 2,0 Liter TDI CR hoch, der mit 5,8 Liter angegeben ist. Er hat einen eher gutmütigen Charakter und liebt die Reisegeschwindigkeit. Der Einstiegspreis beträgt hier 30.775 Euro. Beide Motorvarianten sind mit einem manuellen Sechsganggetriebe erhältlich. Und wohl eher Amerika und Fahrspaß tauglich ist Variante Nummer drei, ein Sechszylinder FSI-Benziner mit 220 kW/300 PS, der 10,1 Liter über die 100 Kilometerdistanz verbraucht und an ein Doppelkupplungsgetriebe gebunden ist. Der Preis beträgt hier mindestens 40.800 Euro.

Lange Optionsliste

Wie immer bei VW kann man per Optionsliste in ganz andere Kategorien aufsteigen. Günstig erscheint fast noch der Fahrspurassistent mit 515 Euro. Das adaptive Fahrwerk verlangt dann schon 1025 Euro. Aber auch schon für die simple Anschlussmöglichkeit externer MP3-Spieler werden 165 Euro fällig.