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Volkswagen Crafter

Der Club der 69

Freitag, 9. Dez. 2016

Ein Fahrbericht von unserem Automobilredakteur Dietmar Stanka

69 Varianten. Plus ungezählte Versionen von Firmen, die sich den Aufbauten von Nutzfahrzeugen verschrieben haben. Mit dem neuen Volkswagen Crafter ist ein Fahrzeug entstanden, das den Mitbewerbern die berühmte Nasenlänge voraus ist. Mit einer Vielzahl von Innovationen, die in diesem Segment noch einmalig sind. Der neue Crafter ist laut Volkswagen Nutzfahrzeuge zukunftsfähig. Was beispielsweise auf der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover im September 2016 mit dem E-Crafter bewiesen wurde.

Foto: Volkswagen AG

Form und Funktion 

Wir werden jetzt nicht die 69 Varianten des neuen Volkwagen Crafter darstellen. Es soll ein Einblick sein in die große Welt des neuen Transporters von Volkswagen. Eigenständig entwickelt im Gegensatz zum Vorgänger, der auf der Basis der Mercedes Sprinter lief. Gebaut wird der neue Crafter in einem ebenso nagelneuen Werk im polnischen Wrzesnia.

Legen wir los mit den sechs Grundvarianten, mit drei verschiedenen Längen- wie Höhenmaßen. Der kürzeste Crafter streckt sich 5.986 mm, der zweite 6.836 mm, der längste 7.391 mm. Oben hinaus geht es los ab 2.355 mm, gefolgt von 2.590 mm und 2.788 mm. Daraus entstehen beim Kastenaufbau Ladenvolumen von 9,9 m³, 11,3 m³, 14,3 m³, 16,0 m³, 16,3 m³ und 18,4 m³.

In der Praxis schluckt der kürzeste Crafter eine Zuladung von bis zu vier Euro-Paletten oder sechs Rollcontainern. Dazu kommen die drei Antriebsvarianten. Front, Haldex-Allrad und Heck. Die beiden erstgenannten lassen eine Zuladung von 3,5 - 4 Tonnen zu, letztgenannte 3,5 - 5,5 Tonnen.

Die Einsatzzwecke des neuen Volkswagen Crafter sind genauso vielfältig, wie die möglichen Varianten. Mobile Werkstätten und Services, Kurier- Express- und Paketdienste sowie Handwerker werden bei gängigen Anbietern von Einbauten wie Sortimo, Aluca, Bott und Würth fündig. Dazu kommen Spezialfahrzeuge für die Feuerwehr, die Polizei und Rettungsdienste.

Foto: Volkswagen AG

Neben der Einzelkabine mit drei Sitzplätzen wird der Crafter ab Werk auch mit Doppelkabine und sechs Sitzplätzen ausgeliefert. Des Weiteren steht die Wahl zwischen Kombi oder Kastenwagen an. Also der Transport von Personen und Gütern mit verglasten Flächen im hinteren Bereich oder die geschlossene, reine Gütertransportvariante. Zudem mit Pritsche, entweder mit Einzel- oder Doppelkabine.

Weg von der gerade im Frontbereich sehr modernen Formensprache mit optionalen LED-Hauptscheinwerfern und hinein ins Vergnügen der Fahrgastzelle des neuen Volkswagen Crafter. Einmal hochgeklettert fühlt man sich sofort zuhause. Dieunnachahmliche Ergonomievon Volkswagen ist kombiniert mit hoher Qualität und bester Übersichtlichkeit.

Dazu Stauräume bis zum Abwinken. Das Telefon findet seinen USB-Anschluss links neben dem Lenkrad in den Ablagefächern im oberen Bereich des Armaturenträgers. Ins Handschuhfach passt ein DIN-A4-Ordner, in die Türeinlässe locker 1,5-Liter-Flaschen. Dazu viel Platz für alle möglichen Utensilien, angefangen von der Sonnenbrille über Scanner bis hin zu der Schachtel Zigaretten, dem Warndreieck, der Warnweste und dem Eiskratzer. Nicht zu vergessen die Cupholder für den Kaffee aus Togo.

Fahrverhalten

Bei unserer ersten Ausfahrt im Süden Spaniens rund um die Hafenstadt Almeria waren wir einmal handgeschaltet und einmal automatisch unterwegs. Aber zunächst ein kleiner Ausflug hin zu den verfügbaren Motoren. Es sind tatsächlich nur drei Leistungsstufen des Zweiliter-Diesel-Motors. Zwei Mono-Turbos mit 75 kW (102 PS) bzw. 103 kW (140 PS). An der Spitze steht der 130 kW (177 PS) starke Bi-Turbo.

Relevant für die nach EU-6 zertifizierten und mit Dieselpartikelfilter, SCR-Katalysator sowie Start-Stopp-System ausgerüsteten Triebwerke, ist der Verbrauch. Der soll nach vorläufigen Messungen, der neue Crafter wird ab März 2017 ausgeliefert, beispielsweise beim von uns gefahrenen Crafter mit kürzester Länge und mittlerer Dachhöhe, oder auch L3H3 genannt, mit dem 140-PS-Motor 6,9 Liter auf 100 km betragen.

Foto: Volkswagen AG

Uns standen zwei Kombis mit genau diesem Motor inkl. manuellem Sechsgang-Getriebe beziehungsweise der neuen Achtgang-Automatik zur Verfügung. Bevor wir wieder zu den Verbrauchswerten zurückkehren, ein Blick auf das unglaublich handliche und einfach zu beherrschende Fahrverhalten des neuen Volkswagen Crafter.

vw-crafter-Im Fokus steht in erster Linie das Lenkverhalten mittels der neuen elektromechanischen Lenkung. Diese arbeitet geschwindigkeitsabhängig und ermöglicht ein Bündel von Assistenzsystemen, die sie bis dato nur aus dem Pkw-Bereich bekannt waren. Dazu gehören unter anderem die Müdigkeitserkennung, der aktive Spurhalte-Assistent mit sanften Eingriffen eines Gegenlenkens, der Park-Lenk-Assistent oder der vom Passat und Tiguan bekannte Trailer-Assist, der auch das Rangieren eines Anhängers zum Kinderspiel mutieren lässt.

Rangieren ist auch ein gutes Stichwort, um einen Abschnitt unserer Testfahrten durch die engen Gassen von Almeria zu beschreiben. Mit knapp sechs Metern Länge und einer Breite inklusive Spiegeln von über 2,42 Metern, darf sich selbst der kürzeste Volkswagen Crafter schon als reichlich groß bezeichnen. Trotz dieser Maße bewegten wir uns nicht wie der Elefant im Porzellanladen sondern eher wie eine Ballerina.

Um Kollisionen mit Pollern oder hohen Gehsteigkanten zu vermeiden, spendierte Volkswagen Nutzfahrzeuge dem neuen Crafter den sensorgesteuerten Flankenschutz. Ultraschallsensoren an der Front, dem Heck und den Seiten überwachen die Fahrzeugumgebung im Stand und langsamer Fahrt, sodass Fahrzeugschäden aufgrund des toten Winkels oder schlechter Einsehbarkeit nicht mehr passieren.

Foto: D. Stanka

Ein weiteres Beispiel aus der großen Kiste der vielen sinnvollen Helferlein im und am neuen Volkswagen Crafter ist der serienmäßige Seitenwindassistent. Dieser unterstützt den Fahrzeuglenker im Falle von starkem Seitenwind durch automatische Bremseingriffe beim Halten in der Spur. Selbst erlebt auf einer Autobahn nach dem Überholen eines Lastkraftwagen.

So fein die manuelle Schaltung arbeitet, so angenehm war die Fahrt mit der Achtgang-Wandler- Automatik von dem japanischen Zulieferer Aisin. Komfort auf höchstem Niveau und eindeutig weniger Spritverbrauch, vor allem in urbanen und suburbanen Gebieten mit Geschwindigkeitsbegrenzungen.

In diesen kamen wir mit einem Verbrauch laut Bordcomputer von knapp acht Litern den Werten von Volkswagen relativ nahe. Anders auf der Autobahn, auf der wir mit unserer fahrenden Schrankwand und Geschwindigkeiten bis zu 140 km/h in Richtung 11 Liter marschierten.

Ausstattung

Dieses Kapitel könnte ebenso umfangreich beschrieben werden, wie die Varianten des neuen Volkswagen Crafter. Deshalb auch hier nur ein kleiner Ausschnitt der Ausstattungs-Details. Drei Radios bzw. Radio-Navigationssysteme stehen zur Auswahl. Die Basis bildet Composition Audio inklusive SD-Kartenleser, USB- sowie AUX-IN-Anschluss und Bluetooth.

Mit dem Composition Media hält ein acht Zoll großer Touchscreen mit Näherungssensor Einzug in den Crafter. Dieses Radio kann mit der Rückfahrkamera kombiniert werden, die bei jeglichem Rangieren eine große Hilfe darstellt. Mit dem Discover Media, eingebaut in unseren Testwagen, sind Kartendaten für Europa vorinstalliert und zudem WLAN an Bord.

Foto: Volkswagen AG

Einige der Assistenzsysteme haben wir bereits genannt, weitere sind mehr als nur erwähnenswert. Beispielsweise der Auspark-Assistent, der vor rückwärtig querenden Verkehr warnt. Oder auch der Spurwechsel-Assistent, auch Toter-Winkel-Warner genannt. Zudem die elektronische Gespann-Stabilisierung, der Bergabfahr-Assistent für den 4Motion-Antrieb und die Verkehrszeichenerkennung.

Will man sich selbst oder seinen Angestellten wirklich Gutes tun, sollte der Ergo-Comfort-Sitz auf der Optionsliste ganz oben stehen. Der erste Autositz in leichten Nutzfahrzeugen, der das Gütesiegel der Aktion Gesunder Rücken e.V. trägt, ist ein Schwingsitz mit Gewichtseinstellung. Sanft schwebend über welligen Fahrbahnen hätten wir problemlos von Almeria nach Deutschland düsen können.

Fazit

Wenn dieser Volkswagen Crafter kein Erfolg wird, kann etwas nicht mit rechten Dingen zugehen. Argumente für den Erwerb des Crafter gibt es viele. Die umfangreiche Liste von Alleinstellungsmerkmalen wie den Front Assist mit City-Notbremsfunktion, der elektromechanischen Servolenkung bis hin zum Ergo-Comfort-Sitz.

Oder die sogenannten „Best in Class“-Vorzüge wie der Allrad-Antrieb 4Motion, das Achtgang-Automatikgetriebe und die adaptive Geschwindigkeitsregelung ACC. Dazu Telematik-Services für den optimalen Betrieb des Crafter innerhalb von Fahrzeugflotten oder Lieferdiensten. Last but not least ein mit 28.300 Euro um 2.390 Euro günstigeres Einstiegsmodell des Volkswagen Crafter.

Technische Daten: Volkswagen Crafter Kastenwagen L3H3 (Referenzmodell)

Motor 4-Zylinder-Diesel
Getriebe Sechsgang-Schaltung
Hubraum 1.968 ccm
Leistung in kW/PS bei xy U/min 103 kW (140 PS)/3.500 – 3.600
Max. Drehmoment 340 Nm von 1.600 – 2.250 Umdrehungen pro Minute
Länge/Breite/Höhe 5.986/2.425/2.590 in mm
Radstand 3.640 in mm
Leergewicht 2.146 kg
Zuladung 3,5 – 4 Tonnen
Ladevolumen 11,3 m³
Bereifung 235/65 R16
Felgen 6,5 x 17″ Leichtmetall
Höchstgeschwindigkeit 155 km/h
Tankinhalt 66 l
Kraftstoffverbrauch kombiniert 8,3 Liter auf 100 km
Preis 37.974,09 Euro inkl. MwSt.

Fotos: © Volkswagen (4) / D.Stanka (1)

Dietmar Stanka Aribonenstraße 1 b D-81669 München