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Alfa Romeo Giulia - die Legende

Die Legende kehrt zurück

Donnerstag, 7. Jul. 2016

Ein Fahrbericht von unserem Autoredakteur Dietmar Stanka

1962 erblickte die Giulia das Licht der Welt. 54 Jahre mussten ins Land ziehen und Alfa Romeo zu Fiat, oh Pardon, zu Fiat Chrysler Automobile (FCA) gehören, damit diese Legende an automobiler Leidenschaft zurückkehrt. Der königliche Park von Monza mit seiner legendären Rennstrecke war anno dazumal der Ort der Präsentation der Giulia 1600 TI. Die neue Giulia wurde Mitte Juni am Nürburgring, einer nicht minder berühmt-berüchtigten Rennstrecke, vorgestellt.

Form und Funktion

Kernelement der neuen Giulia ist zweifelsfrei der trapezförmige und für Alfa Romeo so typische Kühlergrill namens Scudetto. Darüber strebt die lange Motorhaube ansatzlos mit zwei fließenden Linien in Richtung der weit nach hinten gesetzten Fahrgastzelle. Die Seitenlinie betont sich mit einer erst nach unten und dann wieder nach leicht nach oben laufenden Sicke, die in die mächtig gewölbten hinteren Kotflügel mündet. Das Heck wird durch die serienmäßigen LED-Rückleuchten betont und unter dem Kofferraumdeckel befindet sich ein 480 Liter fassendes Abteil.

In tiefen Höhlen versenkt die beiden Rundinstrumente des Drehzahlmessers und des Tachometers. Eine weitere Reminiszenz an die Tradition des Mailänder Automobilbauers. Rund auch der rechte und linke Luftausströmer, die in einem geschwungenen Armaturenbrett eingebettet sind. Mittig ist ab der Version Super der 7 Zoll große Touchscreen beherrschendes Element.

Foto: R. Deisenhofer

Dieser beherbergt nahezu alle Bedienfunktionen und ist zudem für die Eliminierung vieler Schalter und Knöpfe im Cockpit verantwortlich. So funktionierte der erste Kontakt mit der neuen Giulia wie mit einer alten Bekannten. Das in den 1960er Jahren verbaute Holzlenkrad mit Alukranz verschwand zugunsten eines Multifunktionslenkrads, das je nach Ausstattung mit echtem oder PVC-Leder bezogen ist.

Besonderes Augenmerk legten die Entwickler der Alfa Romeo Giulia auf das Gewicht. War der Vorgänger 159 ein richtig schwerer Brocken, kann die Giulia als ein Leichtgewicht innerhalb des gesamten Segments betrachtet werden. Das Trockengewicht des 180-PS-Diesels liegt bei 1.374 kg, das des 510-PS-Kleeblatts bei 1.524 kg.

Fahrverhalten

Für den Markstart, der Mitte Juni in Deutschland begann, hat Alfa Romeo für die Giulia drei Diesel-Varianten sowie die Top-Version Quadrifoglio im Angebot. Basis der Selbstzünder ist jeweils der 2,2-Liter-Turbo mit drei Leistungsstufen. Die Einstiegsversion für 33.100 Euro leistet 100 kW (136 PS), 1.000 Euro teurer ist die Variante mit 110 kW (150 PS).

Foto: R. Deisenhofer

Der 132 kW (180 PS) leistende Diesel wird nur in der gehobenen Ausstattung Super angeboten und kostet 37.400 Euro. Die beiden stärkeren Diesel können zudem mit einer Achtgang-Automatik von ZF bestückt werden. Der Aufpreis liegt bei jeweils 2.250 Euro.

Auf der ersten Testrunde in der Eifel stand ausschließlich die 180 PS leistende Giulia mit dem manuellen Sechsgang-Getriebe zur Verfügung. Nach dem Druck auf den am Lenkrad befindlichen Starterknopf - Ferrari lässt grüßen - meldete sich der recht leise vor sich hin grummelnde Motor zu Wort.

Ordentlich zügig, 380 Nm an Drehmoment sei Dank, düsten wir entlang der Nordschleife über die Hohe Acht runter nach Adenau und vorbei an Fuchsröhre und Flugplatz wieder zurück Richtung Boxengasse.

Foto: R. Deisenhofer

Dort wartete bereits Rennfahrer Christian Menzel und der stärkste bis dato in Serie gebaute Alfa Romeo auf uns. Die Giulia Quadrifoglio – das Kleeblatt - mit 375 kW (510 PS). Eine heckangetriebene Sportlimousine, die mit einem adäquaten Preis von 71.800 Euro ihre Gegner in weit höheren Preiskategorien alt aussehen lässt.

Los ging es hinter Christian direkt im Dynamik-Modus. Die DNA-Struktur von Alfa Romeo stellt zudem noch Natural, Advanced Efficiency sowie in der Pro-Variante des Kleeblatts den Race-Modus zur Wahl. Neben der Motorschärfung wird das Chassis durch die Alfa Chassis Domain Control sowie das Fahrwerk mit der Alfa Active Suspension für heiße Ritte optimiert.

Foto: R. Deisenhofer

Solchermaßen bestens präpariert flogen wir über die Start-Ziel-Gerade auf die erste scharfe Rechts zu. Die optionalen Keramik-Bremsen von Brembo lassen unglaublich späte Bremspunkte zu und mit dem elektronisch gesteuerten Sperrdifferenzial auf der Hinterachse folgten wir Christian und seiner Ideallinie.

Fünf Runden später bogen wir mit einem breiten Grinsen in die Boxengasse ein. Der von Ferrari adaptierte und von den Alfa-Ingenieuren um zwei Zylinder von acht auf sechs reduzierte 2,9-Liter-Turbo ist ein fantastisches Triebwerk. Ohne zu messen, glauben wir Alfa Romeo die Höchstgeschwindigkeit von 309 km/h und die 3,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h.

Ausstattung

Die Giulia heißt entweder nur Giulia oder Super und in der Spitze Quadrifoglio. Bereits in der Basisausstattung punktet dieser Alfa Romeo mit einem nennenswerten Serienumfang. Dazu gehören unter anderem 16 Zoll große Leichtmetallfelgen, eine Zweizonen-Klimaautomatik, Regen- und Lichtsensor, die Fahrdynamikregelung Alfa DNA sowie der Tempomat an Bord.

Foto: R. Deisenhofer

Super wird es eine Stufe weiter mit 17 Zoll großen Leichtmetallfelgen, Einparkhilfe hinten, dem individuell programmierbaren 7 Zoll großen Touchscreen sowie dem Handschuhfach mit Kühlmöglichkeit. Anstatt reinen Stoffpolstern bringt der Super zudem eine Kombination mit Leder mit ins Spiel.

Die Aspekte der Sicherheit kommen bei der Giulia auch nicht zu kurz. Serienmäßig sind sechs Airbags, ein Kollisionswarnsystem mit Notbremsfunktion und Fußgängerkennung, ein integriertes Bremssystem sowie der Spurhalteassistent.

Fazit

Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn mit der neuen Giulia der Neustart von Alfa Romeo nicht gelingt. Neben den wichtigsten europäischen Märkten wie Italien, Frankreich Großbritannien und Deutschland, steht zudem Nordamerika auf dem Programm. Dort sind noch über 80 Alfa-Clubs aktiv, deren Mitglieder als mögliche Kunden bereits in den Startlöchern stehen.

Technische Daten: Alfa Romeo Giulia 2.2 Diesel Super

Motor 4-Zylinder-Diesel
Getriebe Sechsgang-Getriebe
Hubraum 2.143 ccm
Leistung in kW/PS bei xy U/min 132 kW (180 PS)/3.750
Max. Drehmoment 380 Nm bei 1.750 Umdrehungen pro Minute
Länge/Breite/Höhe 4.643/1.860/1.436 in mm
Radstand 2.820 in mm
Leergewicht 1.449 kg
Zul. Gesamtgewicht n.n. kg
Kofferrauminhalt 480 l
Bereifung 225/50 R17
Felgen 7,5 x 17″ Leichtmetall
Beschleunigung 7,2 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 230 km/h
Tankinhalt 52 l
Kraftstoffverbrauch kombinierter Verkehr 4,2 l auf 100 km
Preis 37.400 Euro inkl. MwSt.

Dietmar Stanka Aribonenstraße 1 b D-81669 München