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Ford Focus RS – Hecklastiger Quertreiber

Montag, 26. Dez. 2016

Ein Fahrbericht von unserem Autoredakteur Dietmar Stanka

Es war einmal ein Ford Focus RS 500. 350 PS auf der Vorderachse, die perfekt gesperrt war, damit überhaupt an ein Anfahren zu denken war. Ein Spaßmobil der besonderen Art, mit mattschwarzer Folie bezogen und nur 500mal gebaut. Nun ist alles anders beim neuen Focus RS.

Foto: D. Stanka

Er ist ein Allradler geworden und hat anstelle des Fünfzylinders den 2,3-Liter, der auch den Mustang antreibt und ebenfalls 257 kw (350 PS) leistet. Zudem gibt es ihn nur als Fünftürer. Was aber dem Modell geschuldet ist, das es neben dieser Variante nur noch als Kombi gibt.

Form und Funktion

Nun gut. Mit den zwei Türen auf jeder Seite müssen wir uns anfreunden. Macht optisch nicht so viel her, als wenn es nur eine wäre. Die dann auch noch sehr groß wäre und den Focus eher Richtung eines Coupés katapultieren würde. Aber was soll es mit den ganzen Konjunktiven. Die beiden hinteren Türen haben den Vorteil, einfach mal schnell und bequem jemanden ein- oder aussteigen zu lassen oder einfach mal die Tasche und die Jacke auf den Rücksitz zu schmeißen.

Foto: D. Stanka

Bleiben wir einen Moment noch bei den Dingen, die nicht so viel Spaß machen. Das mächtige ins Wageninnere ragende Armaturenbrett mit der fetten Mittelkonsole ist einfach zu viel Plastik und noch viel mehr verschenktes Raumgefühl. Ford gelobte aber nach dieser bereits persönlich geäußerten Kritik für das kommende Modell Besserung. Weniger ist oftmals mehr, bei der Entrümpelung der vielen Schalter hat es ja auch funktioniert.

In unserem Testwagen war, wie soll es auch anders sein, das RS-Performance-Paket verbaut. Anstatt 19-Zöllern sind dann 20-Zöller-Leichtmetallfelgen aufgezogen, das Ford Navi inkl. SYNC2 sowie das Sony Soundsystem und am wichtigsten, Recaro-Schalensitze mit Teilleder enthalten. Kostenpunkt 2.000 Euro und unbedingt empfehlenswert.

Fahrverhalten

Es ist nahezu unglaublich, welche Leichtfüßigkeit der mehr als 1,5 Tonnen schwere Ford Focus RS an den Tag legt. Den magischen Sprint aus dem Stand schafft der Focus RS in 4,7 Sekunden. Solchermaßen gepfeffert und mit der sensationellen Traktion eines Allradlers gesegnet, hat der Focus RS ganz klar die Nase vorne und das nicht nur in der Liga der kompakten Sportler.

Foto: D. Stanka

Der RS fliegt um die Ecken, nahezu genauso wie ein auf Rabatz getrimmter Hecktriebler. Diese sensationelle Antriebsverteilung, die bis zu 70 Prozent der Kraft an die Hinterachse leitet, verdrängt jeden Gedanken an Untersteuern. Der Focus RS geht mit dem Arscherl um die Kurven, dass es einem die Tränen der Freude aus den Augen drückt. Wir sind sicher, dass auch ein Walter Röhrl Spaß an diesem Gerät hätte.

Dass dabei der Alltagsnutzen nicht im Hintergrund steht, zeichnet den Ford Focus RS zudem aus. Im Normal-Modus morgens zur Arbeit stauen, nachmittags mal schnell hoch ins Mittelgebirge, die Alpen oder einfach nur die Küste entlangfegen. Egal wo man als glücklich zu schätzender Lenker eines Focus RS wohnt, der Spagat zwischen Cruiser und Supersportler ist den Ingenieuren von Ford bestens gelungen.

Foto: D. Stanka

Möglicherweise ist beim Focus RS dem ein oder anderen zumindest der Sound zu schwach. Kein böses Röcheln aus fünf Zylindern von früher, sondern ein eher braves Säuseln mit ab und an bassigen Tönen. Einzig die Insassen werden gut versorgt. Aber nicht synthetisch, sondern tatsächlich aus dem Motor produziert. Ganz auf einen coolen Sound müssen die Außenstehenden dennoch nicht verzichten. Es knattert und brazzelt schon ab und an aus den beiden fetten Rohren. Es dürfte aber noch ein bisserl mehr sein.

Es sollte jedem bekannt sein, dass der jeweilige Winkel des Gasfußes in Abhängigkeit der Straßenverkehrsordnung und des fahrerischen Könnens für den jeweiligen Verbrauch eine elementar ausschlaggebende Rolle spielt. Das gilt auch für den 2,3-Liter des Focus RS mit seinen brachialen 350 PS. 7,7 Liter erzählt uns Ford. Im Schwarzwald waren es bergauf und bergab gut 9 Liter. Die von uns auf der Teststrecke des LUK Driving Center am Baden-Airpark erzielten Werte lagen jenseits der 20-Liter-Marke. Volle Pulle fordert eben seinen Tribut.

Für die optimale Haftung auf der Straße hat Michelin zusammen mit Ford den Pilot Super Sport speziell für den Focus RS abgestimmt. Für die Freunde der Nordschleife hält Ford noch ein besonderes Schmankerl bereit. Den Michelin Pilot Sport Cup 2, einen Semislick-Reifen, der noch agilere Fahrmanöver zulässt, als der bereits herausragend konzipierte Serienreifen.

Foto: D. Stanka

Ausstattung

Die wichtigste Option haben wir weiter oben bereits erwähnt. Das RS-Performance-Paket, das den Focus RS auf immer noch günstige 42.000 Euro hebt. Luxus und Annehmlichkeiten bieten zudem das Easy-Driver-Paket für 540 Euro (Active City Stop, elektrisch anklappbare Außenspiegel mit Umfeldbeleuchtung und Einparksensoren hinten) sowie das RS-Komfort-Paket. Dieses umfasst schlüssellosen Zugang, Tempomat sowie eine Rückfahrkamera und fordert weitere 500 Euro.

Ob man sich die Brembo-Bremssättel für 150 Euro blau lackiert liefern lässt, ist Geschmackssache. Das gilt wohl ebenso für das 785 Euro teure Schiebe-/Hubdach. Da macht dann der Satz Semislicks auf 19-Zöllern für günstige 1.700 Euro schon mehr Sinn. Hin zum Ring, Reifen gewechselt, rauf auf die Nordschleife und danach mit den Straßenreifen wieder heimdonnern.

Fazit

Mit seinem hecklastig ausgelegten Allradsystem war das Driften mit vier angetriebenen Rädern noch nie so cool. Schließlich sitzen wir ja nicht in einem Supersportwagen á la Audi R8 oder Lamborghini Huracán, sondern in einem Kompaktwagen, der nur einen Bruchteil der genannten Flitzer kostet. Der abgelegte Werbespruch „Ford, die tun was“, könnte beim Ford Focus RS locker wieder aufgewärmt werden. Oder vielleicht, „Ford, die zeigen es den anderen und lehren ihnen das Fürchten.“

Technische Daten: Ford Focus RS

Motor 4-Zylinder-Benziner
Getriebe Sechsgang-Schaltung
Hubraum 2.261 ccm
Leistung in kW/PS bei xy U/min 257 kW (350 PS)/6.000
Max. Drehmoment 440 Nm bei 2.000 – 4.500 Umdrehungen pro Minute
Länge/Breite/Höhe 4.390/1.858/1.470 in mm
Radstand 2.648 in mm Leergewicht: 1.529 kg
Zul. Gesamtgewicht 2.025 kg
Kofferrauminhalt 260 – 1.045 l
Bereifung 235/35 R19
Felgen 8 x 19″ Leichtmetall
Beschleunigung 4,7 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 266 km/h
Tankinhalt 62 l
Kraftstoffverbrauch kombinierter Verkehr 7,7 l auf 100 km
Preis 40.000 Euro inkl. MwSt.

Dietmar Stanka Aribonenstraße 1 b D-81669 München