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Jeep Cherokee – Aufstieg in die Oberliga

Samstag, 30. Jan. 2016

Blicken wir zurück in die 1970er Jahre. 1974 stellte die American Motors Corporation (AMC) den ersten Cherokee vor. 10 Jahre später, AMC übernahm 1970 Kaiser-Jeep sowie damit das in diesem Jahr 75-jähriges Jubiläum feiernde Traditionsunternehmen Jeep und brachte die Marke mit den sieben Streben im Kühlergrill den Cherokee XJ auf den Markt. Dieser kantig-knochige Jeep wurde in der ersten Generation 12 Jahre gebaut und von 1997 – 2001 in einer überarbeiteten zweiten Generation angeboten.

Ein Fahrbericht von unserem Autoredakteur Dietmar Stanka

Mit dem von 2001 bis 2008 KJ und den von 2008 bis 2012 änderte sich die Typbezeichnung in Nordamerika. Während beide Modellvarianten in Europa weiterhin als Cherokee firmieren, werden sie jenseits des großen Teichs Liberty genannt. Mit der Einführung des heutigen Cherokee 2013 herrscht wieder Namensgleichheit. 2015 war der Cherokee zudem mit 295.081 Einheiten vor seinem großen Bruder Grand Cherokee mit 277.236 Einheiten der meistverkaufte Jeep. Ein Erfolg, den wir in unserem Test ergründen wollten.

Jeep Cherokee Tacho
Jeep Cherokee TachoFoto: Jeep

Form und Funktion

Puristen finden ihn viel zu progressiv. Viel zu modern. Zu weit weg vom Urgedanken des Jeep. Vielleicht haben diese Personen ja vergessen, wie es in früheren Jahren mit diesem Typ war. Wir finden den neuen Cherokee, vor allem mit der neuen Antriebsgeneration, sehr gut gelungen. Der Kühlergrill ist weiterhin siebenfach unterteilt, spricht aber eine ganz andere Sprache als noch beim Vorgänger.

Spitz zulaufend die Front, die von schmal geschnittenen LED-Tagfahrlichtern und den jeweils eine Etage tiefer angeordneten Haupt- bzw. Nebelscheinwerfern beherrscht wird. Die Seitenlinie läuft betont nach oben und endet in einem knackigen Heck mit LED-Rückleuchten.

Das Interieur erreicht mit den verwendeten Materialien und der hohen Verarbeitungsqualität mittlerweile ein Niveau, das US-Fahrzeugherstellern noch vor wenigen Jahren nicht zugetraut wurde. Dazu passend ein ergonomisches Cockpit, das mittig von dem 8,4 Zoll großen Touchscreen beherrscht wird.

Jeep Cherokee Seite
Jeep Cherokee SeiteFoto: D. Stanka

Über dieses Display können kann auf viele Fahrzeug- und Klimaeinstellungen sowie Sitzheizung und –belüftung und die Lenkradheizung zugegriffen werden. Zudem werden die Navigationskarte, Audio- und Telefonfeatures und uConnect Apps dargestellt. Die Bedienung erfolgt entweder manuell oder per Sprachsteuerung.

Mittels USB-Anschluss, SD-Kartenleser, AUX-Schnittstelle und Bluetooth werden Smartphone und Co. mit uConnect gekoppelt. Die ebenfalls sprachgesteuerte Telefon-Freisprechanlage verfügt außerdem über eine SMS-Vorlesefunktion.

Fahrverhalten

440 Nm Drehmoment und eine Leistung von 147 kW (200 PS) verwandeln den Jeep Cherokee Limited in einen sportlich-agilen Geländewagen. Der 2,2-Liter-Diesel aus dem italienischen Stammhaus von Fiat ist an ein absolut herausragendes Neungang-Automatikgetriebe von ZF gekoppelt. Kaum ein Schaltvorgang ist tatsächlich spürbar, es scheint eher ein stufenloses Getriebe zu sein.

Solchermaßen perfekt abgestimmt, bereitet der Jeep Cherokee mit seiner neuen Antriebseinheit viel Freude auf asphaltierten Wegen. Aber ein Jeep wäre kein Jeep, wenn er denn nicht auch das Gelände meistern könnte. Unser Testwagen war mit dem Jeep Active Drive II System ausgestattet, das neben den Modi Auto, Snow, Sport, Sand und Matsch auch noch eine Geländeuntersetzung integriert hat.

Jeep Cherokee Ladefläche um umgeklappter Rückbank
Jeep Cherokee Ladefläche um umgeklappter RückbankFoto: Jeep

Also ab mit dem Jeep Cherokee auf losen Untergrund und in matschiges Gelände. Locker und lässig sind wir unterwegs, der Jeep kann das, was man von ihm erwartet und macht abseits befestigter Routen richtig viel gute Laune. Um die von Jeep angegebene Wattiefe von 48 cm zu testen, ließen wir den Cherokee zudem ein bisschen baden. Eine gut 20 m lange Wasserfurt war das Objekt der Begierde, die der Jeep mit Bravour durchquerte.

Doch eines muss bei all den tollen Gelände-Programmen gesagt sein. Der Jeep Cherokee ist eher ein Salonlöwe, als ein echter Offroader im klassischen Sinne. Da sind seine Kumpels namens Wrangler und Wrangler Unlimited definitiv unschlagbar. Dennoch lässt es sich auch mal mit diesem Jeep abseits befestigter Straßen gut wühlen.

Eine weitere Alternative ist der Cherokee Trailhawk mit spezieller Front- und Heckschürze zur Steigerung der Böschungswinkel, verstärktem Unterfahrschutz und erhöhter Bodenfreiheit. Allerdings ist diese Variante des Jeep Cherokee ausschließlich mit dem 3,2-Liter-V6-Benziner mit 200 kW (272 PS) zu bekommen. Kostenpunkt 48.000 Euro.

Jeep Cherokee Seitenlinie
Jeep Cherokee SeitenlinieFoto: D. Stanka

Weitere Versionen des Cherokee sind das Einstiegsmodell Sport mit dem 2-Liter-Diesel und einer Leistung von 103 kW (140 PS) für 32.990 Euro und Frontantrieb. Diese Kombination ist auch in den Ausstattungslinien Longitude und Limited zu erwerben. Zudem steht der 2,2-Liter-Diesel auch mit 136 kW (185 PS) zur Wahl. Während die 2-Liter ausschließlich mit manuellem Sechsgang-Getriebe ausgeliefert werden, kommen die stärkeren Vertreter nur mit der herausragenden Neungang-Automatik.

Ausstattung

Limited ist ein bisschen irreführend, dennoch bezeichnend für bestens ausgestattete Modelle des Hauses Jeep. Denn limitiert ist anders, wie in unserer Einleitung bezüglich der hohen Stückzahlen des Cherokee zu lesen ist. Für den Einstandspreis von 47.600 Euro ist in diesem Jeep so gut wie alles drin, was gut und teuer ist.

Dennoch lässt sich der Preis weiter in die Höhe schrauben, wie es unser Testwagen bewiesen hat. Mit der Metallic-Lackierung sind es weitere 790 Euro, das Reserverad wird mit 190 Euro veranschlagt und das große Glasdach verschlingt weitere 1.450 Euro.

Während diese Features nicht zwingend notwendig sind, haben wir uns mit einem Gutteil der im Technologie-Paket enthaltenen Assistenzsysteme und Annehmlichkeiten sehr wohl angefreundet. Das 2.250 Euro teure Paket beinhaltet den Spurhalteassistenten, ein Auffahrwarnsystem mit Notbremsfunktion, Geschwindigkeitsregelanlage, Totwinkel-, Park- sowie Fernlichtassistent und die Pfoten wärmende Lenkradheizung.

Jeep Cherokee Kofferraum
Jeep Cherokee KofferraumFoto: D. Stanka

Aber wehe es schneit, wie an manchen unserer Testtage Mitte Januar. Dann verschmutzen die Sensoren und die Fehlermeldungen im Cockpit überschlagen sich wie wild. Dann heißt es entweder wieder einmal selbst aufpassen und die Verantwortung für das eigene Verhalten übernehmen oder alle paar Meter aussteigen und Sensoren putzen. Wir haben uns für die Eigenverantwortung entschieden. Zur Ehrenrettung des Jeep Cherokee sei gesagt, dass solche Fehlermeldungen auch bei all den anderen Fahrzeugen auftauchen.

Fazit

Die Kombination aus einem kräftigen und dennoch nicht allzu durstigen Dieselmotor aus Italien und einem mittleren Verbrauch bei winterlichen Temperaturen unter 8 Litern, sowie einem perfekt darauf abgestimmten Neungang-Automaten von ZF aus Friedrichshafen, puschen den Jeep Cherokee in seinem Segment ganz weit nach vorne. Dieser Cherokee ist tatsächlich in der automobilen Oberliga angekommen und muss sich ganz und gar nicht hinter den deutschen Premium-Modellen verstecken. Aber Qualität hat auch ihren Preis und der ist mit den über 52.000 Euro unseres Testwagens ebenfalls ganz weit oben angesiedelt.

Technische Daten: Jeep Cherokee 2.2 MultiJet Limited

Motor 4-Zylinder-Diesel
Getriebe Neungang-Automatik
Hubraum 2.184 ccm
Leistung in kW/PS bei xy U/min 147 kW (200 PS)/3.500
Max. Drehmoment 440 Nm bei 2.500 Umdrehungen pro Minute
Länge/Breite/Höhe 4.624/1.859/1.670 in mm
Radstand 2.700 in mm
Leergewicht 1.985 kg
Zul. Gesamtgewicht 2.495 kg
Kofferrauminhalt 412 –1.267 l
Bereifung 225/55 R18
Felgen 8 x 18″Leichtmetall
Beschleunigung 6,1 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 203 km/h
Tankinhalt 66 l
Kraftstoffverbrauch kombinierter Verkehr 5,7 l auf 100 km
Preis 47.600 Euro inkl. MwSt.

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Fotos: © Dietmar Stanka (4) , © Jeep (2)

Dietmar Stanka Aribonenstraße 1 b D-81669 München