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McLaren 570S - British Downsizing

Samstag, 7. Nov. 2015

Respekt. Den sollte man den Jungs und Mädels aus dem englischen Woking sehr wohl zollen. Anerkennung sollte von den etablierten Sportwagenbauern aus Italien, Deutschland und den USA kommen. Oder ist es eher ein unterdrückt neidvoller Blick auf die Insel? McLaren hat die Welt der Supersportwagen erheblich durcheinander geschüttelt. Mit einer Palette, die innerhalb weniger Jahren auf drei Produktreihen gewachsen ist. Die über allem schwebende Ultimate Series mit dem P1, in der Mitte die Super Series mit dem 650 und dem 675LT und ganz neu die Sport Series mit dem 570S und dem 540C. Das Einsteigersegment von McLaren in das automobile Paradies.

Ein Fahrbericht von unserem Autoredakteur Dietmar Stanka

Form und Funktion

Die Gesichter ähneln sich. McLaren besitzen eine klare Designsprache mit einer DNA, die das besondere herausstellt. Weit nach unten gezogen die freundlich grinsend scheinende Frontpartie. Aerodynamischer Feinschliff an allen Ecken und Kanten bis zu einem kraftvollen Heck. Vorne betonen die Leuchten die Herkunft mit einem Taglicht-LED-Bogen, der das Logo von McLaren nachzeichnet.

Foto: McLaren

Die weit nach oben aufschwingenden Türen öffnen den Blick in das luftig gestaltete Cockpit. Die Mittelkonsole der früheren McLaren ist nahezu verschwunden, was eindeutig mehr Raum schafft. Die Bedienbarkeit erfordert kein stundenlanges Wälzen einer Bedienungsanleitung. Die wenigen Schalter sind ergonomisch angeordnet und über den senkrecht montierten Touchscreen können so gut wie alle Funktionen gesteuert werden.

Drei verschiedene Sitze stehen zur Wahl, wobei wir definitiv den schmal geschnittenen Sportsitzen mit Alcantara-Bezug und Aussparungen für Sechspunkt-Gurte den Vorzug geben. Die anderen beiden Gestühl-Varianten sind ein weiter geschnittener Sportsitz und die weich gepolsterte Luxusversion, die mit hochwertigen Leder bezogen sein muss.

Foto: McLaren

Perfekt die Sitzposition, deren Einrichtung von einem elektrisch vertikal und horizontal verstellbaren Lenkrad unterstützt wird. Eine der Herausforderungen, die sich McLaren ins Lastenheft geschrieben hat, ist die Aussicht aus dem 570S. Was im Motorsport essentielle Bedeutung hat, ist für den klassischen Straßenverkehr ebenso notwendig. Eine für einen Supersportwagen herausragende Aussicht, die selbst nach hinten kaum Fragen offen lässt.

Fahrverhalten

Das Triebwerk des McLaren 570S scheint bekannt. 3,8 Liter, acht in V-Form angeordnete Zylinder, angeflanscht an eine Siebengang-Automatik. “The same procedure as in every McLaren” würde ein gewisser Butler vor sich hinstammeln. Eine vernünftige Basis muss halt nicht bei jeder Neuauflage aus Woking verändert werden. Dennoch versicherte uns Ben Gulliver, Chef der technischen Entwicklung, dass mehr als 40 Prozent der Teile gegenüber dem 650S-Motor ausgetauscht wurden.

Eine Art britischen Downsizing erfuhr das Triebwerk allemal. Anstatt 650 PS sind es nur noch 570. Genug, um den 570S in 3,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h und eine Spitzengeschwindigkeit von 328 km/h zu katapultieren. Unsere erste Ausfahrt führte uns von Almancil an der Algarve durch das Hinterland auf kurvenreichen Landstraßen zur Rennstrecke von Portimao.

Foto: McLaren

Um die anderen Hotelgäste nicht unnötig aufzuschrecken, startete die Testfahrt in der Tiefgarage. In dem Betongewölbe durfte der 570S nach dem Druck auf den Starterknopf einmal laut aufbrüllen, um gleich danach in ein sonores Säuseln zu verfallen. Im Normalmodus fuhren wir aus der dichten Besiedelung in die bergige Landschaft im Norden der Algarve. Dort wechselten wir in den Sportmodus, der das für einen Sportwagen dieser Leistungsklasse leise Triebwerk nur unwesentlich präsenter gestaltet.

Nach den ersten Kurven und dem ersten Eingewöhnen spürten wir die unglaubliche Präzision und Direktheit der hydraulischen Lenkung. Winzige Bewegungen am Volant wurden eins zu eins auf die Vorderachse geschickt, was den ohnehin extrem hohen Fahrspaß weiter toppte.

Mit deutlich hörbarer Rückmeldung agieren die aus Carbon gefertigten Schaltpaddels am Lenkrad. Klick, klick, klick und ruckzuck flutschen die Gänge des Siebengang-Automaten in die gewählte Position. Wichtiger auf der Rennstrecke, bestens zudem für schnelle Überholvorgänge geeignet. Ansonsten ist der Automatik-Modus je nach gewähltem Modus perfekt für eine zügige Fortbewegung geeignet.

Foto: D. Stanka

Die mit blinden Kurven und Kuppen äußerst anspruchsvolle Rennstrecke in der Nähe von Portimao ist das geeignete Revier für den McLaren 570S. Im dritten zur Verfügung stehenden Modus namens Track unterwegs, flitzten wir mit einem Instruktor als Beifahrer an Bord wie an einer unsichtbaren Schnur gezogen, um den Parcours. Die Leichtigkeit des McLaren, dessen komplette Sitzschale aus Carbon gefertigt ist, verwandelt den absolut alltagstauglichen Sportwagen in einen reinrassigen Racer.

Ausstattung

Carbon wird in drei verschiedenen Paketen angeboten. Carbon Fibre Exterior Pack 1 für 6.860 Euro inkludiert die Außenspiegel, die seitlichen Lufteinlässe sowie die Türeinlagen. Pack 2 für 9.730 Euro die Aero Blades der Frontschürze, die Seitenschürzen sowie den Heckdiffusor. Pack 3 für 6.450 Euro sorgt im Innenleben des McLaren 570S für die teuren Kohlefasereinlagen.

Serienmäßig ist solch ein McLaren 570S mit einigen Annehmlichkeiten versehen. Dazu gehören unter anderem eine Klimaautomatik, Bi-Xenon-Scheinwerfer und sogar Warndreieck und Verbandkasten.

Foto: D. Stanka

Als sinnvoll erachten wir das 4.950 Euro kostende Security Pack, dass den Fahrzeug-Lift für die Überwindung steiler An- und Abfahrten, Parksensoren vorne, hinten und Heckkamera sowie eine Abdeckhaube und eine Alarmanlage beinhaltet.

Fazit

Schuster bleib bei deinen Leisten. McLaren wird auch künftig nur Sportwagen bauen. Und nicht wie andere Hersteller das SUV-Segment penetrieren. Die Sport Series ist der Einstieg in eine Welt faszinierender Automobile, die mit höchster Präzision und deutscher Qualitätssicherung gefertigt werden. Andreas Bareis verantwortet dieses Resort und orientiert sich mit seinen Vorgaben an seinem ehemaligen Arbeitgeber mit dem Stern. Der McLaren 570S wird noch in diesem Jahr ausgeliefert, als Spider soll er 2017 die Open-Air-Fans erfreuen. 2016 wird zudem der 540C vorgestellt, der als zweites Modell die Sport Series nach unten abrundet und der Überschrift „British Downsizing“ noch mehr entspricht.

 

Technische Daten: McLaren 570S

Motor V8-Benziner
Getriebe Siebengang-Automatik
Hubraum 3.799 ccm
Leistung in kW/PS bei xy U/min 478 kW (570 PS)/7.400
Max. Drehmoment 600 Nm bei 5.000 – 6.500 Umdrehungen pro Minute
Länge/Breite/Höhe 4.530/2.095/1.202 in mm
Radstand 2.670 in mm
Leergewicht 1.313 kg
Zul. Gesamtgewicht n.n.
Kofferraumvolumen 144 l
Bereifung 225/35 R 19 vorne, 285/35 R 20 hinten
Felgen 8 x 19″ vorne, 10 x 20″ hinten, Alu geschmiedet
Beschleunigung 3,2 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 328 km/h
Tankinhalt 72 l
Kraftstoffverbrauch Kombinierter Verkehr 10,7 l auf 100 km
Preis 181.750 Euro inkl. MwSt.

Fotos: © McLaren ( 3 ) , © D. Stanka ( 3 )

Dietmar Stanka Aribonenstraße 1 b D-81669 München