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So muss Porsche

Porsche Cayman GT4

Dienstag, 11. Aug. 2015

Es war lange Zeit ein no go. Den Motor eines 911er in den Cayman zu pflanzen. Nun hat er es in den GT4 geschafft. In diesen ultimativen und reichlich puristischen Porsche brabbelt hinter der Passagierkabine der 3,8-Liter-Boxer und leistet kraftvolle 283 kW (385 PS). Knackige 35 PS mehr als der 911 Carrera und nur 15 PS weniger als der Carrera S. Dafür aber 1.340 kg leicht und damit so sauschnell, dass nur der riesige Heckspoiler die Leistung auf die Straße drücken kann. Und mit knapp unter 86.000 Euro für Zuffenhausener Verhältnisse nahezu ein Schnäppchen.

Ein Fahrbericht von unserem Autoredakteur Dietmar Stanka

Form und Funktion

Das Statement des GT4 ist eindeutig. „Ich bin ein reinrassiger Rennwagen und habe es dank der Feinarbeit meiner Entwickler geschafft, eine Zulassung für den Straßenverkehr zu bekommen.“ Gegenüber dem Cayman GTS ist der GT4 34 mm länger und mit 1.266 m Höhe zudem 18 mm tiefer. Was uns zur Bug-Ansicht bringt, die mit schwarzvergitterten Lufteinlässen für die Kühlung der Aggregate Sorge trägt.

Foto: D. Stanka

Vor der Kofferraumhaube dient ein weiterer Luftauslass für perfekten Abtrieb. Die weit nach vorne gezogene und schwarz abgesetzte Spoilerlippe duckt den GT4 noch tiefer auf die Straße und muss bei steilen Ab- oder Auffahrten leiden. Herausragend ist dagegen der fulminant wirkende Heckflügel aus leichtem kohlefaserverstärktem Kunststoff. Zusammen mit dem darunterliegenden und in die Karosserie eingearbeiteten Spoiler ist er für den Abtrieb an der Hinterachse verantwortlich.

Für den Einsatz auf der Rennstrecke kann der Flügel noch abtriebsorientierter eingestellt werden und außerdem können spezielle Einzelteile an den Vorderachs-Diffusorkanälen entfernt werden.

Das Gesamtbild des Porsche Cayman GT4 ähnelt damit mehr einem der unwahrscheinlich teuren Supersportwagen á la 918 Spyder als dem des klassischen Cayman. Perfekt dazu passend die silberne Lackierung unseres Testwagens, die den Auftritt des GT4 damit nochmals positiv verstärkt.

Foto: D. Stanka

Mit dem Interieur des GT4 wurden keine Experimente veranstaltet. Einzig die Textilschlaufe, die anstatt eines Türöffners montiert wurde, zeugt von den sportlichen Genen. Ansonsten ist alles wie gewohnt, nur das wir seit vielen Jahren auf eine Klimaautomatik verzichten mussten und eine klassische Klimaanlage unser thermisches Wohl herstellte.

Fahrverhalten

Die Boxsters, Caymans und 911er der aktuellen Generationen fahren sich, gemeinerweise ausgedrückt, nahezu wie stark motorisierte Kompaktsportler aus der Kategorie Golf R oder Civic Type R. Das müssen sie auch, sollen diese Automobile einem nicht zwingend Rennsport-erfahrenen Publikum zugänglich gemacht werden. Der GT4 stammt dagegen aus der Ecke der ganz bösen Buben. Natürlich reicht zum tagtäglichen mitschwimmen im Verkehr die ganz normale Kenntnis, ein Fahrzeug zu lenken.

Um aber ansatzweise an die Möglichkeiten des GT4 zu kommen, sollte mehr als nur ein Führerschein vorhanden sein. Aber erst einmal zurück auf Anfang. Hineinschlupfen in die in unserem Testwagen montierten Vollschalensitze des 918 Spyder. Die natürlich mit den entsprechenden Öffnungen für die Montage von Sechspunkt-Gurten präpariert sind. 2.802,45 Euro teuer, sind sie eine der Optionen, die wir nachdrücklich empfehlen können.

Foto: D. Stanka

Schlüssel wie gewohnt links eingeführt und den Motor gestartet. Eine Klangwelle durchströmt die Karosse, dringt ungefiltert in den Passagierraum und schmeißt die Mundwinkel der Insassen nach oben. Vielleicht sollte unsere Bundeskanzlerin einige Soundproben im GT4 absolvieren, schaden könnte es nicht.

Ganghebel manuell (!) auf 1 und nicht vergessen den Knopf mit den stilisierten Auspuffendrohren zu drücken. Auch wenn die Klappen nach dem Start offen sind, das Gewitter dieses Motors muss uns ständig begleiten. Die Gänge hochziehen, die kurzen und äußerst knackigen Schaltwege genießen, geht es auf die Straße. Der Weg führt erst durch die Stadt und mithilfe der Schaltpunktanzeige tuckern wir im sechsten Gang bei Tempo 60 mit niedrigsten Drehzahlen dahin.

Noch eine Kreuzung und die freie Autobahn schreit nach uns. Beim Ausdrehen des 3,8-Liters bis zu 7.400 U/min jubiliert unser Sportfahrerherz in höchsten Tönen. Nahezu nebensächlich erscheinen dann die Spurtdaten, die Porsche mit 4,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h beziffert. Oder auch die Höchstgeschwindigkeit von 295 km/h. Diese wird zwar so schnell erzielt, wie ein Kieselstein mit einer Zwille geschossen wird, aber das echte Heizen macht eher abseits der Autobahnen richtig viel Spaß.

Foto: D. Stanka

Also runter und rauf die kurvenreiche und verkehrsarme Straßen im Voralpenland. Neben der Nürburgring-Nordschleife, die der GT4 in 7 Minuten und 40 Sekunden durcheilt hat, das perfekte Revier. Nun kommt dem GT4 die weitgehend aus dem 911 GT3 stammende Technik wie Chassis und Bremsanlage zugute. Im Detail sind es die fahrdynamisch relevanten Regelsysteme wie das Porsche Stability Management (PSM), das Porsche Torque Vectoring (PTV) mit mechanischer Hinterachs-Sperre und die dynamischen Getriebelager. Dazu kommt das aktive Dämpfersystem Porsche Active Suspension Management (PASM) mit einer Tieferlegung von 30 mm.

Vier weitere Schalter auf der Mittelkonsole müssen noch in die Betrachtung einfließen. Der mit einem stilisierten Dämpfer braucht nur aktiviert werden, wenn eine modern gestaltete Rennstrecke befahren wird. Im Normal-Modus ist der GT4 auf die Nordschleife abgestimmt und schluckt damit kurvige Landstraßen viel besser weg. Die aktive Schalthilfe, will heißen automatisches Zwischengas bei Rückschaltungen, ist ein echtes Plus um zügiges Fahren perfekt zu optimieren.

ESC OFF und ESC-TC OFF sollten dagegen nur mit Bedacht gewählt werden. Wird das ESC ausgeschaltet kann der Fahrer das Heck des GT4 über Lenkung und Gaspedal destabilisieren und wunderbare Drifts auch auf trockenen Straßen hinlegen. Mit der weiteren Abschaltung TC OFF sind bis auf das ABS alle fahrdynamischen Regelsysteme deaktiviert und damit nur auf abgesperrten Straßen zu nutzen!

Foto: D. Stanka

Ausstattung

Was braucht es in einem Rennwagen für die Straße? Nun gut, eine Klimaanlage ist automatisch an Bord, kann aber auch abbestellt werden. Über die serienmäßigen Technik-Höhepunkte haben wir geschrieben, die Schalensitze sind bereits erwähnt. Bi-Xenon-Scheinwerfer für 702,10 Euro sollten ebenso rein wie das Paket aus Regensensor und automatisch abblendenden Innen- und Außenspiegeln für 487,90 Euro.

Das mehr an Sicherheit auf Rennstrecken oder auch im normalen Straßenverkehr bringt das 3.927 Euro kostende Clubsportpaket mit. Mit dabei Überrollkäfig, 2-kg-Feuerlöscher und der Sechspunkt-Gurt für den Fahrer. Weitere 416,50 Euro werden für den auf der Beifahrerseite fällig. Wenn wir schon beim Rennsport sind, packen wir noch die Keramikbremsen obendrauf und für die Orientierung das Porsche Communication Management (PSM) inkl. Navi für 3.147,55 Euro. Und obwohl Communication draufsteht, müssen leider noch weitere 654,50 Euro für Bluetooth und Freisprecheinrichtung ausgegeben werden.

Last but not least steht noch das Sport Chrono Paket für 1.594,60 Euro auf der Wunschliste, das inklusive Porsche Track Precision App und Vorrüstung Laptrigger ausgeliefert wird. Klassisch die analoge Stoppuhr auf der Schalttafel sowie die digitale Stoppuhrfunktion im Kombiinstrument, neu die App für die exakte Erfassung von Rundenzeiten und entsprechenden Aufzeichnungen. In der Summe bleibt der GT4 dann immer noch unter 100.000 Euro, kommt aber dem Fahrspaß von mehr als doppelt so teuren Sportwagen verdammt nahe.

Fazit

Das ist der Porsche, auf den wir lange gewartet haben. Noch dazu in einer Preiskategorie, die deutlich unter dem 911 Carrera liegt. Und mit genau der Performance unterm Hintern, die sukzessive aus den Porsches verschwunden ist. Böse Buben haben Spaß mit dem GT4, genauso wie die frechen Mädels, die es gerne krachen lassen. Außerdem lässt es sich mit dem GT4 auch zu zweit problemlos verreisen. Vorne die Mulde, hinten die Ladefläche unter der weit aufschwingenden Haube. Genauso muss ein Porsche für uns sein.

Technische Daten: Porsche Cayman GT4

Motor 6-Zylinder-Boxer

Getriebe Siebengang-PDK
Hubraum 3.800 ccm

Leistung in kW/PS bei xy U/min 283 kW (385 PS)/7.400

Max. Drehmoment 420 Nm bei 4.750 – 6.000 Umdrehungen pro Minute
Länge/Breite/Höhe 4.438/1.817/1.266 in mm

Radstand 2.484 in mm
Leergewicht 1.340 kg

Zul. Gesamtgewicht 1.640 kg
Kofferrauminhalt vorne 150 l, hinten 184 l

Bereifung 245/35 R 20 vorne, 295/30 R 20 hinten
Felgen 8,5 x 20″ vorne, 11 x 20″ hinten Alu-Schmiederäder
Beschleunigung 4,7 Sekunden

Höchstgeschwindigkeit 281 km/h

Tankinhalt 54 l

Kraftstoffverbrauch kombiniert 10,3 Liter auf 100 km

Preis 85.776 Euro inkl. MwSt.
Dietmar Stanka Aribonenstraße 1 b D-81669 München