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McLaren 675 LT - Die Kraft der Schönheit

Montag, 17. Aug. 2015

In der Formel 1 läuft es für die Jungs von McLaren aus Woking im Moment nicht so gut. Voll auf Erfolgskurs ist dagegen die Mannschaft der Supersportwagen-Sparte. Bei einer exklusiven Ausfahrt mit dem am Genfer Autosalon 2015 vorgestellten McLaren 675 LT konnten wir uns Mitte Juli in der Nähe von Silverstone von der Schlagkraft des Unternehmens im Automobilbau überzeugen. Der 3,8-Liter-V8-Twinturbo-Mittelmotor leistet 496 kW (675 PS) und verfügt über ein Drehmoment von 700 Nm.

Ein Fahrbericht von unserem Autoredakteur Dietmar Stanka

Form und Funktion

Der 675 LT ist die konsequente Weiterentwicklung des McLaren 650 S. LT, oder auch Longtail hat Tradition bei McLaren, wie uns Mike Flewitt, Vorstand von McLaren Automotive, erläutert. „Der Longtail ist ein berühmter Name in der Geschichte von McLaren, erstmals verwendet für die schnellste Version des legendären McLaren F1. Der McLaren F1 GTR Longtail war die letzte, höchst erfolgreiche Version des F1. Es ist ein angemessener Name für das aufregendste und fahrerorientierteste Modell der Super Series. Der 675LT ist das Reinste von dem, wofür McLaren steht – pures Fahrvergnügen“.

Foto: Dean Smith

Der wesentliche Fokus des McLaren 675 LT ist klar. Er soll ein Maximum an Performance liefern und das neben der brutalen Leistung von 675 PS und der ausgefeilten Aerodynamik über das Gewicht erzielen. So fällt das Trockengewicht von 1.240 kg um 100 kg leichter aus, als das des ebenfalls nicht übergewichtigen 650 S. Und das, obwohl der 675 LT in der Länge um immerhin 34 mm gewachsen ist.

Das Cockpit ist in allen Konsequenzen auf den Fahrer ausgerichtet. Im direkten Blick die auf wenige Details reduzierte Informationseinheit mit dem alles überstrahlendem Drehzahlmesser. Rechts und links die Anzeigen des Bordcomputers sowie der Betriebstemperaturen.

Foto: Dean Smith

Die nach oben gezogene und nach hinten offene Mittelkonsole beherbergt den senkrecht stehenden Navigationsbildschirm. Auf unseren Testfahrten beeindruckte das System mit extrem schnellen Rechenvorgängen, wenn wir mal wieder falsch abgebogen waren.

Neben dem Navi werden über diesen Touchscreen unter anderem die Zweizonen-Klimaautomatik, Radio und Medieninhalte sowie weitere Fahrzeugeinstellungen. So bleibt nur eine geringe Anzahl von Schaltern und Drehknöpfen, wie beispielsweise für die Fensterheber, die Einstellung der Spiegel und die Wahl der jeweiligen Fahrmodi.

Foto: D. Stanka

Die ultraleichten Carbon-Schalensitze stammen eins zu eins aus dem McLaren P1 und passen sich wie maßgeschneidert an die Passagiere an. Nahezu sämtliche Flächen sind mit Alcantara überzogen. Gleiches gilt für das Lenkrad, das horizontal und vertikal verstellbar ist.

Fahrverhalten

Schade, schade, schade. Uns fehlte für das ultimative Fahrerlebnis die German Autobahn oder aber auch die Rennstrecke von Silverstone. Will heißen, dass wir die fulminante Kraft des McLaren 675 LT nur im Rahmen der strengen Verkehrsregeln der Nordseeinsel antesten konnten. Klar ging mal eine kurze Orgie der Beschleunigung, die den 675 LT innerhalb von Sekundenbruchteilen auf 80 bis über 100 Meilen sprinten ließ. Ansonsten bewies dieser McLaren durchaus Alltagstauglichkeit auf den traumhaft engen und winkligen Landstraßen Englands.

Foto: Dean Smith

Ruhig und lässig dahin cruisen oder mal den extremen Beschleunigungswert von 0 auf 100 km/h in 2,9 Sekunden testen. Noch beeindruckender der Wert von 7,9 Sekunden, in der der McLaren 675 LT die Grenze von 200 km/h durchbricht. Bis zur Höchstgeschwindigkeit von 330 km/h sind es nur wenige Wimpernschläge mehr. Dumpf grollend brodelt es hinter der mit Alcantara ausgeschlagenen Fahrerkabine aus acht Töpfen. Es braucht keinen zusätzlichen Schalter um die Auspuffklappen zu öffnen.

Den Tritt auf Gaspedal quittiert der Twinturbo mit heiserem Fauchen und bei den Schaltvorgängen hoch wie runter mit einem dramatisch wirksamen Knall. Die dahinter steckende Ignition Cut Technology ist aus der Formel 1 übernommen und kappt bei einem Gangwechsel kurzzeitig den Zündfunken und lässt diesen dadurch noch schneller erfolgen.

Foto: Dean Smith

Ausstattung

Mit dem Preis von 309.750 Euro bewegt sich der McLaren 675 LT in den gehobenen Regionen seiner Zunft. Dennoch lässt sich dieser Betrag mit ein paar netten Features problemlos steigern. Die teuerste Option ist das Chris Goodwin Pack für 26.230 Euro, das unter anderem das Carbon Exterior Upgrade Pack sowie das Club Sport Back inkl. Überrollkäfig, Vier-Punkt-Gurte und Feuerlöscher enthält.

Wer nun voller lauter Entzücken den Geldbeutel zücken möchte, dem sei gesagt, dass die 500 Exemplare des 675 LT längst ausverkauft sind.

Foto: Dean Smith

Fazit

So wenig wie Ferrari, Mercedes und Co. momentan in der Formel 1 Angst vor McLaren haben müssen, so viel Respekt sollten die Supersportwagen-Hersteller aus Deutschland und Italien den Produkten aus Woking zollen. Die sensationelle Performance des 675 LT erstickt schlechte Laune im Keim.

Die konsequente Weiterentwicklung der McLaren Super Series zeigt die Wege auf, die in der nahen Zukunft noch weitere Höhepunkte aus Woking erwarten lässt.

Technische Daten: McLaren 675 LT

Motor V8-Benziner
Getriebe Siebengang-Automatik
Hubraum 3.799 ccm
Leistung in kW/PS bei xy U/min 496 kW (675 PS)/7.100
Max. Drehmoment 700 Nm bei 5.500 - 6.500 Umdrehungen pro Minute
Länge/Breite/Höhe 4.546/2.095/1.188 in mm
Radstand 2.670 in mm
Leergewicht 1.240 kg
Zul. Gesamtgewicht 1.695 kg
Kofferraumvolumen 144 l
Bereifung 235/35 R 19 vorne, 305/30 R 20 hinten
Felgen 8,5 x 19″ vorne, 11 x 20″ hinten, Alu geschmiedet
Beschleunigung 2,9 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 330 km/h
Tankinhalt 72 l
Kraftstoffverbrauch Kombinierter Verkehr 11,7 l auf 100 km
Preis 309.750 Euro inkl. MwSt.

Fotos:

  © Dean Smith (5)   /   © D.Stanka (1)

Dietmar Stanka Aribonenstraße 1 b D-81669 München