Facebook Pixel

Audi RS7 piloted driving concept

Mittwoch, 7. Jan. 2015

Ein Fahrbericht von Dietmar Stanka

"Mit dem Audi RS 7 piloted driving concept zeigen wir, dass ein Automobil komplett autark fahren kann, erläutert Thomas Müller, Leiter Entwicklung Brems- Lenk- und Fahrerassistenzsysteme bei Audi." Es ist der 1.12.2014 auf dem Ascari Race Resort in der Nähe von Ronda.

Foto: Marcus Werner

Um die Leistung eines selbstfahrenden Fahrzeugs tatsächlich zu erleben, dürfen wir mit einem Audi RS 7 mit 560 PS zwei Einführungsrunden hinter dem dreimaligen Le Mans Gewinner Marco Werner im Pacecar fahren.

Dann heißt es Feuer frei für eine gezeitete Runde, bevor der Umstieg in den „Bobby“ genannten Audi RS 7 piloted driving concept erfolgt. Am Steuer, ohne es zu berühren, der Entwicklungsingenieur Klaus Schmiedhofer. Auf dem Beifahrersitz der Autor dieses Berichtes. Der RS 7 schießt los wie von der Tarantel gestochen, um vor der Schikane nach der Start und Ziel-Gerade scharf abzubremsen und der Ideallinie folgend, einlenkt. Die gesamte Rennstrecke mit einer Länge von rund 4 km bewegt sich dieser Audi wie ein von einem Profi-Rennfahrer pilotiertes Automobil.

Foto: Marcus Werner

Faszinierend die Präzision dieses RS 7, der sich nahezu am Limit bewegt. Diese hohe Qualität erreicht dieser Technikträger mit einem Bündel an Sensoren, speziell korrigierten GPS-Signalen und Echtzeit 3D-Kamerabildern. Dabei sucht das System in jedem der zahllosen Einzelbilder nach mehreren hundert bekannten Merkmalen, beispielsweise nach Bebauungsmustern hinter der Strecke. Diese dienen dann als zusätzliche Ortungsfunktion.

Das Messergebnis nach den gezeiteten Runden war ein klein wenig überraschend, auch wenn der Autor dieses Berichts auf dem Ascari-Race-Resort schon einige Runden gedreht hat. Mit 2:09.874 Sekunden über sieben Sekunden schneller als der pilotierte Audi RS7 (2:17.148), kamen wir mit stolz geschwellter Brust in die Box zurück.

Foto: D. Stanka

Ganz und gar fahrerlos auf einer öffentlichen Straße unterwegs, würde (noch) nicht funktionieren. Es fehlt eine Vielzahl von Daten und zudem sind auch weitere Verkehrsteilnehmer unterwegs. Dennoch können einzelne Bausteine dieses Projekts zügig in die Serienfertigung einfließen.

Per Laserscanner plus Radarsystem für die Vorfeldüberwachung eines Autos sowie die Überwachung des Nahbereichs von bis zu zwölf Ultraschall-Sensoren funktioniert der Staupilot, der pilotiertes Fahren bei zähfließenden Verkehr zwischen 0 - 60 km/h ermöglicht. Er übernimmt die Lenkfunktion und beschleunigt und verzögert selbstständig und kann dadurch die in solchen Situationen typischen Auffahrunfälle vermeiden. Verändert sich der Verkehrsfluss, wird der Fahrzeuglenker aufgefordert, das Auto wieder zu übernehmen. Sämtliche Eingriffe erwirken zudem ein abschalten des Staupiloten.

Foto: D. Stanka

Leidgeprüfte Parkplatzsucher werden das pilotierte Fahren für Parkvorgänge in engen Parklücken oder Garagen zu schätzen lernen. Mit der gleichen Sensorik wie der Staupilot ausgestattet, erkennt der Parkpilot eine geeignete Lücke. Der Fahrer steigt bequem aus und startet den Einparkvorgang per Funkschlüssel oder Smartphone-App. Ebenso funktioniert das Ausparken.

"Automatisiertes Fahren ist der nächste logische Schritt nach der Entwicklung von Fahrassistenzsystemen", sagt Thomas Müller und stellt als nächste Generation die Teilautomatisierung in den Raum, bei dem der Fahrer die sofortige Übernahme des Fahrzeugs garantieren muss.

Foto: Marcus Werner

In der weiteren Zukunft ist das hochautomatisierte Fahren á la Staupilot möglich. Beim vollautomatisierten Fahren übernimmt der Lenker das Automobil nur beim Verlassen eines definierten Bereichs. So geschehen auch beim Abbiegen von der Rennstrecke in die Boxengasse. Komplett ohne Fahrer ist die nächste Vision, die aber noch mehr Maßnahmen von gesetzlicher und vor allem infrastruktureller Seite erfordern.

Fotos:  © Marcus Werner ( 3 )  © Dietmar Stanka ( 2 )

Dietmar Stanka Aribonenstraße 1 b D-81669 München