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Sonstige

Rheinbach Classics 2019

Freitag, 30. Aug. 2019

Willkommen zu den Rheinbach Classics 2019. Ein Wochenende lang übernehmen Oldtimer aller Couleur das Regiment in der kleinen Stadt in der Nähe von Bonn. Es ist bereits die 14. Ausgabe dieses Klassik-Treffens. Rund 700 Oldtimer Besitzer präsentieren knapp 25000 Besuchern ihre Fahrzeuge.

Auch Zweiräder vergangener Tage sind mit von der Partie. Ein Highlight der Veranstaltung ist der Oldtimer-Korso mit knapp über 300 Autos durch die Innenstadt. Benzin liegt in der Luft und Stefan Raetz, seit 20 Jahren Bürgermeister von Rheinbach, freut sich über die bunte Vielfalt in seiner Stadt.

Stefan Raetz, Bürgermeister von Rheinbach

„Sie müssen Oldtimer sein, aber egal von welcher Marke, egal aus welchem Baujahr. Alle sind bei uns gerne gesehen. Und viele sind auch dabei, da erinnert man sich selber noch dran. Die hat man im Straßenverkehr oft gesehen und wundert sich manchmal auch, dass die schon Oldtimer sind. Oder wundert sich, warum gibt es da gar nicht mehr so viele von. Die richtig alten sind ja eigentlich erhalten geblieben. Aber zwischendurch sind auch einige, die Millionen-fach gebaut wurden, einfach nicht mehr da. Und so ein Renault R14, da gibt es nur noch fünf Stück in Deutschland, die fahren, das sind dann Raritäten, die wir auch hier bei den Rheinbach Classics haben, und das macht das besondere aus.“

Wertvolle Zeitzeugen der Geschichte reihen sich hier an liebevoll geschmückte Exemplare.

Doch so manches Auto hat auch wechselvolle Zeiten hinter sich; wie die Borgward Isabella von Kfz-Meister Willi Johaentges, der dem nackten Blech gewissermaßen ein zweites Leben einhauchte.

Willi Johaentges, Borgward Isabella Besitzer

„Hier das war eine Rohkarosse, die war total verrostet. Die war geschlachtet bis aufs letzte. Und die Sachen habe ich alle zusammengesucht. Ich habe mehrere Borgwards schon restauriert und einen eigenen Besitz [eigene Sammlung]. Und jeder ist anders. Der hier wurde auch von mir umgebaut, als Cabrio. Und den gab es nur 20 Stück damals.“

Für Marc Zwiener erfüllte sich mit seinem T2 Bulli von 1974 gleich doppeltes Liebesglück. In Holland hat er den VW-Bus vor rund 10 Jahren bei einem Händler entdeckt und ist mit ihm und Frau Anja auf Hochzeitsreise durch Frankreich gestartet. Weitere Touren durch Europa folgten. Verreisen in neueren Versionen? Für Marc undenkbar:

Marc Zwiener, VW T2 Besitzer

Die neueren Bullis haben keinen Charme mehr. Die sehen nicht mehr so schön aus. Reisen sollte auch die Ruhe sein. Auch wenn man im Stau steht ist das überhaupt kein Problem. Im Bulli fühlt man sich wohl. Man kann den schmücken, der hat ne schöne Farbe, der sieht toll aus. Und im Urlaub braucht man keine Geschwindigkeit. Und auf dem Campingplatz kriegt man immer Leute, mit denen man spricht, man unterhält sich. In Italien habe ich mich mit einem Franzosen unterhalten. Er konnte kein Deutsch. Ich kann kein Französisch. Er konnte kein groß Englisch. Ja, ne halbe Stunde haben wir uns unterhalten.

Vom Liebling der Massen zu einer absoluten Rarität: Dem MG M Type von Jürgen Franz. Denn bei diesem kleinen Sportwagen von 1932 handelt es sich nicht um das bekannte Serienmodell, sondern um einen von vier gebauten Prototypen. Seine Besonderheit ist ein „All-metall- Body“.

Jürgen Franz, Triple M MG Besitzer

„Das bedeutet, dass die Karosse, die hat ja einen Eschenholzrahmen. Und der ist normalerweise mit Sperrholz bezogen und mit Wachstuch. Und das sieht ja so ein bisschen „puffy“ aus. Und als MG 1932 sich entschieden hatte eine Sportscar herzustellen, haben die vier Autos gebaut, Prototypen, um diesen alten M-Type dem Sportscar so ein bisschen ähnlich zu machen. Und deshalb hat er bereits, beziehungsweise es ist eine sie, alle Autos in England sind „she“, of course, hat sie einen Metallaufbau. Und das ist ganz besonders.“

Eine Rarität aus Vorkriegsjahren: Da ist beim Fahren filigrane Fußarbeit gefragt.

Jürgen Franz, Triple M MG Besitzer

„Das ist ein ganz anderes Feeling, als wenn man ein modernes Auto fährt. Es fängt schon an, die Pedale sind ganz eng zusammen. Das heißt, sie brauchen spitze Schuhe und müssen praktisch ihre Füße so schräg stellen damit sie nicht mit einem Fußtritt zwei Pedale erreichen. Das ist ein bisschen schwierig. Es ist alles unsynchronisiert. Sie fahren also nach Gehör, nach Drehzahl.“

Umguten Sound ging es auch Hans Paulus, der seinen Klassiker in Übersee entdeckte.

Hans Paulus, Mercedes 560 SL Besitzer

„Ich finde den einfach schön. Wir haben den vor fünf Jahren von Amerika nach hier. Der 560 ist ja nur für Amerika gebaut worden. Acht Zylinder, … und der ist schon…, passt schon.“

231 PS leistet der Mercedes 560 SL von 1989. Ehefrau Maria musst sich erst ins Oldtimer-Thema einfinden. Dann ist der Funke auch bei ihr übergesprungen.

Maria Paulus, Oldtimer-Fan

„Anfangs war ich da gar nicht begeistert von. Aber jetzt nachdem wir so Veranstaltungen mit machen und so, richtig super. Wir kommen aus einer ländlicheren Gegend, und dann ist das hier schon ganz was anderes als bei uns. Das wird alles nicht so groß aufgezogen, wie hier und das ganz drum herum hier. Ganz toll.“

Genau das ist wohl das Geheimrezept, mit dem die Organisatoren die Besucher nach Rheinbach locken. Es geht hier nicht nur um Autos, sondern für jeden ist etwas dabei. Lockere Stimmung dazu Live-Musik, die direkt in die Füße geht und den ein oder anderen Petticoat zum Schwingen bringt.

Tobias Zoporowski, Mitorganisator der Classics

„Das besondere bei den Rheinbach Classics ist, dass wir ein Zeitgeist-Veranstaltung sind und kein reines Oldtimer-Treffen. Bei uns gibt es also nicht nur viele Oldtimer zu bestaunen, das auch, aber wir sind eine Zeitgeistveranstaltung, die die 50er und 60er Jahre feiert. Das heißt es gibt die Oldtimer, es gibt die Musik aus der Epoche. Es gibt hier in der ganzen Stadt besonders gekleidete Menschen, die ganzen Geschäfte sind so geschmückt. Es gibt hier einen Nostalgie-Markt. Es gibt ja auch unseren Slogan: „Musik, Motoren, Petticoats.“ Und genau das ist, was die Rheinbach Classics von anderen unterscheidet.“

Und so bildet die Wahl zur Miss Petticoat 2019 den bunten Abschluss einer gelungenen Zeitreise.