Fahrberichte

Mercedes E-Klasse: Teilautonomie

Freitag, 15. Apr. 2016

Wer in Deutschland schon mal Taxi gefahren ist, wird auch schon mal in einem der Mercedes E-Klasse gesessen haben. Denn diese ist bei vielen Taxifahrern sehr beliebt. Ein guter Teil der über 13 Millionen E-Klasse Wagen, die Mercedes bisher verkauft hat, dürfte als Taxi unterwegs sein oder gewesen sein. Sie gilt mehrheitlich als sehr robust und es soll sogar vorgekommen sein, dass das eine oder andereFahrzeug an die 700.000 km geschafft hat.

Sascha Knapp – Autotester:

„Ortswechsel, wir sind nun an der Küste Portugals, zum einen ist hier das Wetter deutlich besser und zum anderen stellt Mercedes hier die neue E-Klasse vor. Und wer in Deutschland bei E-Klasse direkt an Taxi denkt, ist auch hier in der neuen E-Klasse gar nicht so verkehrt, obwohl wir nachweislich nicht Taxi sind, wird man in diesem Auto ganz schnell zum Beifahrer. Obwohl man auf dem Fahrersitz sitzt. Ist halt nur die Frage, möchte man das überhaupt?“

„Nun wollen wir mal testen, was die Mercedes E-Klasse im teilautonomen Bereich tatsächlich leisten kann. Der funktioniert bis zu einer Geschwindigkeit von maximal 210 km/h auf der Autobahn, aber auch innerstädtisch soll das ganz gut funktionieren. 210 ist natürlich hier auf den portugiesischen Autobahnen gar nicht erlaubt. Aber wir wollen es eh erst einmal ein bisschen langsamer angehen lassen.“

„Eingeschaltet wird das System über diesen Hebel hier am Lenkrad. Wenn ich den zweimal zu mir ziehe, dann fährt das Auto schon von alleine. Ich kann die Füße von den Pedalen nehmen. Und auch das Lenkrad schon loslassen. Und tatsächlich, er hält sich in der Spur.“

„Natürlich sollte man trotzdem das Lenkrad in der Hand behalten, weil der Fahrer hat die Kontrolle und nicht Mercedes.“

„Den Abstand kann ich auch über den gleichen Regler einstellen und für den Anfang denke ich, lassen wir mal lieber ein bisschen mehr Abstand.“

Der Drive Pilot orientiert sich nicht nur an Fahrbahnmarkierungen, sondern auch am Vordermann - und kann deshalb den Wagen auch in der Stadt wie an einer unsichtbaren Leine hinter den Vorausfahrenden im Stop-and-Go-Verkehr mitzuckeln lassen. Bis 130 km/h findet das System auch ohne Fahrbahnmarkierungen seinen Weg.

„Der neue Drive Pilot unterstützt jetzt aber auch automatisches Spurwechseln. Das heißt, wenn man selber zu faul ist oder warum auch immer man nicht selber lenken möchte, kann man hier über den Blinker einen Spurwechsel einleiten. Dafür muss man ihn einfach nur 2 Sekunden in die entsprechende Richtung gedrückt halten und der Spurwechsel leitet sich dann ein…“

„Gut, wenn man den jetzt nicht selber schon vorher gesehen hatte, der Drive Pilot hatte ihn schon lange auf dem Schirm und hat deswegen natürlich den Überholvorgang abgebrochen oder gar nicht erst eingeleitet. Aber ich kann es jetzt nochmal probieren, 2 Sekunden gedrückt halten und der Spurwechsel wird eingeleitet.“

Eine weitere Funktion, die die Verbindung zwischen der Verkehrszeichenerkennung per Kamera und dem Drive Pilot möglich macht, ist die automatische Tempo-Anpassung. Mercedes war da nicht der erste Hersteller, Ford hatte die Idee auch schon. Das System erkennt automatisch Tempolimits und reduziert die Geschwindigkeit.

„Sollte dann aber doch ein Ticket wegen zu schnellem Fahren kommen, braucht man sich glaube ich, keine Hoffnungen machen, dass Mercedes dieses übernehmen wird.“

„Sollte ich einmal gar nicht mehr reagieren, dann warnt mich das Auto zum einen und zum anderen bremst es mich sehr stark ab und macht auch den Warnblinker an, bis zum Stillstand.“

„Die neue E-Klasse ist noch immer ein Fahrzeug für Selbstfahrer, allerdings muss man sich an die Lenkeingriffe bei höheren Geschwindigkeiten dann doch erst noch gewöhnen. Und man muss vor allen Dingen ein gewisses Vertrauen zu dem Fahrzeug aufbauen. Mir persönlich ist die E-Klasse aber auch schon im Einstiegspreis zu teuer zumal sie dann auch nichts von dieser netten Technik an Board hat. Von daher hoffe ich, dass der Drive Pilot zukünftig auch in andere Mercedes Modelle einfließen wird und vielleicht ist dann auch ein Modell für mich dabei.“