BMW i3 – Weiß Blau Elektrisierend

Montag, 16. Mär. 2015

BMW i3 – Weiß Blau ElektrisierendEin Fahrbericht von unserem Autoredakteur Dietmar Stanka

Es war so spannend. Die letzten Monate, gefühlt schon fast Jahre, stellte BMW das Projekt i scheibchenweise vor. Im Sommer begann dann die finale Enthüllung des ersten der beiden Projekte.

Der BMW i3 feierte sein Debut zeitgleich in drei Metropolen. Kurz danach kurvten bereits die ersten ungetarnten Modelle durch München. Im September durften auf der IAA in Frankfurt auf dem Messestand der Münchner auch die Besucher ein paar Runden (mit-)drehen. Und auch den i8 bewundern. Das Sportcoupé mit Plugin-Hybrid. Wir widmen uns aber nun nur dem i3, den wir Anfang Oktober erstmals auf öffentlichen Straßen testen durften. Das Spielfeld: Amsterdam und die nähere Umgebung bis hin nach Zandvoort.

Formensprache und Konstruktion

Fahrspaß und Ausstattung

360° Electric bei BMW i

Antrieb

Fazit

Erwartungen erfüllt? Nein, Erwartungen mehr als übertroffen. Der BMW i3 ist ein faszinierendes Automobil, das alle bis dato produzierten Elektroautomobile in diesem und auch etwas höher angesiedelten Segmenten in den Schatten stellt. Klar scheinen 34.950 Euro für ein Automobil dieser Klasse hoch gegriffen. Ausstattungsbereinigt und vor allem im Vergleich zu den Mitbewerbern, die allein konstruktionstechnisch Galaxien entfernt sind, ist der BMW i3 ein preiswertes Fahrzeug. Da lohnt sich ein Nach- oder Umdenken umso mehr. Ganz einfach weil der BMW i3 für viele Zeitgenossen das ideale Automobil sein könnte.

          Foto: BERNHARD LIMBERGER                     
Der Hybrid-Synchronmotor des BMW i 3 leistet 125 kW (170 PS). 250 Nm Drehmoment liegen mit dem kleinsten Druck auf das Gaspedal an und beschleunigen den i3 in 7,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Neben dem reinen Elektroantrieb hat BMW für den i3 noch ein Pfund mehr in der Hand. Mit dem Range Extender, einem Zweizylinder-Motor, der als Generator dient, wird die Reichweite mittels eines 9-Liter-Tanks deutlich auf rund 240 – 300 km erhöht. Für dieses Beruhigungspolster verlangt BMW einen Aufpreis von 4.500 Euro. Sind die Fahrleistungen bereits typisch BMW, sind es Fahrwerk und Fahrkomfort ebenfalls. Mit dem Radstand von 2,57 m ist der BMW i3 auch auf holprigen Straßen gut unterwegs, Schläge dringen so gut wie nicht durch die reichlich dünnen Sitze, deren Beinauflage länger sein könnte. Cool sind jedem Fall die erstaunten Blicke, wenn der i3 all den anderen beim Ampelstart auf und davon fährt. Verbrauch? Nun, mit dem Range Extender sind es dramatische 0,6 Liter auf 100 km. Der rein elektrische Antrieb reduziert sich auf Summen, von denen selbst der sparsamste Diesel ganz weit weg ist. 152 Euro sind es im Monat, wenn die jährliche Laufleistung bei 15.000 km liegt und der über die Kooperation mit der Naturstrom AG 25,75 Cent pro kWh kostende Strom geladen wird. Dazu kommen niedrigere Wartungskosten und bei klugem Einsatz der Rekuperation, wo der i3 allein durch die Wegnahme des Gases langsamer wird, kaum noch der Verschleiß von Bremsbelägen.Foto: D. Stanka  
BMW baut mit dem i3 nicht „nur“ ein komplett neuartiges Automobil. Das Mobilitätskonzept 360° Electric basiert auf vier Säulen, die die Bereiche Aufladen zu Hause, Aufladen an öffentlichen Ladestationen, Mobilitätssicherung sowie die zügige Problembehandlung bei einem liegengebliebenen Fahrzeug. Die zu Hause montierbare BMW i Wallbox Pro lädt den i3 in 3 Stunden vollständig auf. Zudem unterstützt BMW die Kunden, die sich einen Carport mit Solarpanels entscheiden. Wer im eigenen Heim über keine Möglichkeit verfügt, seinen i3 zu laden, kann dies bei  kooperierenden Parkhausbetreibern oder öffentlichen Ladestationen erledigen. Sollte die Reichweite des i3, die im Alltag zwischen 130 und 160 km beträgt, nicht ausreichen, können individuelle Jahreskontingente zum Beispiel für die Urlaubsreise oder sonstige längere Fahrten gebucht werden.Foto: D. Stanka  
Amsterdam ist ein Zentrum der Elektromobilität in Europa. Kaum eine andere Stadt bietet so viele öffentliche Ladestationen. Über 700 sollen es sein. Der  Navigationsbildschirm quoll vor lauter Icons manchmal über, sodass diese Anzahl auch ohne gewissenhafte Nachprüfung durchaus Bestand haben kann. Los ging es mit unserer lautlosen Fahrt am Flughafen Schiphol in Richtung Zandvoort. Überraschend aber erstmals der Einstieg in den BMW i3. Sich gegenläufig öffnende Türen, da haben die Kollegen von Rolls Royce Pate gestanden und der im Verhältnis zur äußeren Carbon-Kunststoffschale riesig wirkende Innenraum. Damit nicht genug befindet sich die Verarbeitungsqualität trotz seltsam wirkender Materialien auf einem hohen Niveau.Foto: D. Stanka   Diese Materialien tragen dem Gesamtkonzept Rechnung, weil sie beispielsweise in den Bereichen des Instrumententafelträgers und der Türverkleidung aus Nawaro, den nachwachsenden Fasern der Kenaf-Pflanze bestehen. Ansonsten ist alles, vom Lenkra
Das größte Alleinstellungsmerkmal des BMW i3 sind die verwendeten Materialien. Es ist hauptsächlich ein Mix aus Aluminium für das Drivemodul bzw. dem Fahrzeugunterbau und carbonfaserverstärktem Kunststoff für das Livemodul, der Karosserie. Die Konsequenz ein möglichst emissionsfreies Automobil herzustellen und zu betreiben, beginnt bereits in Moses Lake im US-Bundesstaat Washington. Dort werden im Joint-Venture SGL Automotive Carbon Fibers die Carbonfasern mittels lokal verfügbarer Wasserkraft gewonnen. Am Standort in Wackersdorf werden die Fasern im zweiten Schritt zu leichten textilen Gelagen, so genannten Stacks, weiterverarbeitet. In den BMW Werken Landshut und Leipzig werden diese Stacks dann in jeweils drei Fertigungslinien zu CFK-Karosseriekomponenten verwandelt. Ein Heizwerkzeug verleiht dem zugeschnittenen Kohlefasergelege erst eine stabile dreidimensionale Form. Mehrere dieser Rohlinge können danach zu einem größeren Bauteil zusammengefügt werden.Foto: D. Stanka Für die nötige Steifigkeit der Rohlinge wird im nächsten Prozess flüssiges Harz mit Hochdruck injiziert. Zusammengefügt werden all diese notwendigen Teile der Livemodul in Leipzig. Nahezu geräuschlos, da weder geschweißt noch genietet wird. Ein

Technische Daten: BMW i3

Motor: Hybrid-Synchronmotor elektrisch Getriebe: Stufenlos Nominalspannung: 360 Volt Leistung in kW/PS bei xy U/min: 125 kW (170 PS) Max. Drehmoment: 250 Nm Länge/Breite/Höhe: 3.999/1.775/1.578 in mm Radstand: 2.570 in mm Leergewicht: 1.195 kg Zul. Gesamtgewicht: 1.620 kg Kofferrauminhalt: 415 – 1.380 l Bereifung: 155/70 R 19 Felgen: 5 x 19″ Leichtmetall Beschleunigung: 7,2 Sekunden Höchstgeschwindigkeit: 150 km/h (abgeregelt) Preis: 34.950 Euro inkl. MwSt. Dietmar Stanka Aribonenstraße 1 b D-81669 München