20 Jahre Lexus in Deutschland

Mittwoch, 25. Mär. 2015

Der erste Lexus, der 1990 auf Deutschlands Straßen Eindruck schinden wollte, erinnerte mit jedem Millimeter seiner Blechhaut an eine Mischung aus Mercedes S-Klasse, gewürzt mit ein paar Genen 7er BMW. Dieser Kopie-Wahn hat sich im Lauf der Jahre geändert. Und das ist nicht nur gut, sondern auch notwendig. Lexus hat sich positioniert und eine gewisse Art von Eigenständigkeit geschaffen.

Jubiläum mit Wehmut

Foto: D. Stanka

Der erste Lexus, der 1990 auf Deutschlands Straßen Eindruck schinden wollte, erinnerte mit jedem Millimeter seiner Blechhaut an eine Mischung aus Mercedes S-Klasse, gewürzt mit ein paar Genen 7er BMW. Dieser Kopie-Wahn hat sich im Lauf der Jahre geändert. Und das ist nicht nur gut, sondern auch notwendig. Lexus hat sich positioniert und eine gewisse Art von Eigenständigkeit geschaffen.

Noch bis vor Kurzem war Lexus die einzige Premiummarke, die Hybridfahrzeuge angeboten hat. Dieses Alleinstellungsmerkmal haben die Japaner unter der Ägide von Toyota abgeben müssen. Nun stellt sich die Frage, wie sich die Luxusmarke des im Moment noch weltgrößten Automobilherstellers in nächster Zukunft aufstellen will. Denn auch Lexus wird sich dem Trend des Downsizing nicht entziehen können. Und wenn zum Beispiel die deutschen Premium-Hersteller Fahrzeuge wie den MINI oder bald den A1 auf den Markt werfen, steht Lexus diesbezüglich (noch) leer auf weiter Flur. Bleibt eine Orientierung in Richtung extremer Sportlichkeit, wie es der LF-A zeigt. Oder aber ein IQ als Lexus gelabelt. Dass dies funktioniert, beweist Aston Martin, die sich über volle Auftragsbücher wegen des kleinen Stadtflitzers mit einem Preis von weit mehr als dem Doppelten des Urproduktes nicht beschweren müssen. Aber es muss ja nicht so klein sein. Der am Genfer Autosalon vorgestellte CT200h soll nach dem Willen und den frommen Wünschen des Lexus-Geschäftsführers in Deutschland, Ulrich Selzer, den Markt der Kompakten aufmischen. Mit seinem Hybridantrieb wird er sich als erstes Fahrzeug im Premium-Segment der Golf-Klasse gegen die etablierten Mitbewerber behaupten müssen. Preise sind noch nicht bekannt, dürften aber deutlich oberhalb des Toyota Auris liegen, der im Sommer als Vollhybrid die Straßen bevölkern soll und knapp unter 24.000 Euro kostet. Mit fünf Baureihen ist Lexus im Moment auf den deutschen und den restlichen europäischen Märkten vertreten. IS steht für die Einstiegslimousine, die es als 2,5-Liter-Benziner mit 153 kW (208 PS) und als 2,2-Liter-Diesel mit130 kW (177 PS) gibt. Ebenfalls mit konventionellem Antrieb ausgestattet ist der IS F. F für Furore oder auch die Bezeichnung betont sportlich extremer Fahrzeuge der japanischen Premiummarke. Ein 5 Liter großer V8 schmeißt sich mit seinem typisch brabbelenden Getöse auf die Straße und lässt die Insassen beim Gas geben mit den Sitzen verschmelzen. 311 kW (423 PS) entfesseln mit 505 Nm eine Beschleunigungsorgie, die den IS F in 4,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h katapultiert. Bei 270 km/h ist Schluss, der Tacho überschritt bei einer Testfahrt kurzfristig sogar die 280-km/h-Marke. So verkörpert der IS F so gar nicht die Tugenden, die sich Lexus auf die Fahne schreibt. Lexus sieht sich nämlich als den herausragenden Hybridanbieter und kann im Gegensatz zu den Mitbewerbern, die seit Kurzem langsam aus ihren Löchern krabbeln, erstens 250.000 verkaufte Einheiten und zweitens eine langjährige Erfahrung dagegenhalten. So sollen künftig nur noch Fahrzeuge mit Hybrid die Produktionsstätten von Lexus verlassen. Wenige Ausnahmen ausgenommen. Im Moment mischen aber noch einige Benziner und der bereits erwähnte Diesel mit. In der oberhalb des IS angesiedelten Baureihe GS sind es ein 3-Liter-V6 mit 183 kW (249 PS) und ein 4,6-Liter-V8 mit 255 PS (347 PS). Daneben existiert der GS 450h, der mit Hybridantrieb 218 kW (296 PS) auf die Hinterachse leitet. Die Toppvarianten LS werden von dem 460 mit Hinterrad- bzw. Allradantrieb angeführt. Der V8 leistet in diesen Modellen 280 kW (381 PS) bzw. 270 kW (367 PS. Hybrid ist beim 600h und der Langversion 600h L angesagt. Satte 294 kW (394 PS) mobilisiert der V8 und soll dabei nur 9,3 Liter im Schnitt verbrennen. Einziger SUV oder in diesem Fall Crossover ist der RX 450h, der zwar auch mit konventionellem Antrieb bestellbar ist, es aber so gut, wie nicht mehr wird. Der 3,5 Liter große V6 leistet 183 kW (249 PS) und ist als reiner Hinterradantriebler ausgerichtet. Für Frischluftfans hält Lexus den IS 250C bereit, der den in die Jahre gekommenen SC 430 ablösen wird. Das lang gepflegte Alleinstellungsmerkmal Hybrid wird Lexus langsam aber sicher verlieren. Während andere Hersteller neben Hybrid auf die Brennstoffzelle und Wasserstoff und hocheffiziente Benzin- und Dieselmotoren setzen, will Lexus die Hybridtechnologie weiter nutzen und ausbauen. Ein echtes Alleinstellungsmerkmal ist allerdings der Service der Lexus Foren. Drastisch von über 40 auf nunmehr 32 reduziert, bieten die Lexus-Händler echten Luxus für die Kunden. Das beginnt mit dem Hol- und Bringservice bei Werkstattterminen und endet bei speziellen Zeiten, zum Beispiel für einen Ölwechsel nachts um 22 Uhr, weil der Kunde nur dann Zeit hat und sein Auto nie aus den Händen gibt. Ob allein diese herausragenden Serviceleistungen genügen werden, wird die Zukunft zeigen. Etwas mehr als 2.000 Autos verkaufte Lexus im letzten Jahr, mit dem CT200h sollen es deutlich mehr werden. Aber der Kampf im Kompaktwagensegment ist eh schon enorm. Ob es da ein Hybrid von Lexus schafft, Profit zu schlagen, wird auch und wohl vor allem an der Preispolitik für dieses Fahrzeug liegen. Dietmar Stanka   Aribonenstraße 1 b   D-81669 München