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Lexus F-Modelle Fahrvergnügen

Interview mit Chefingenieur Yukihiko Yaguchi

Donnerstag, 23. Jul. 2020

Yukihiko Yaguchi hat fast zwei Jahrzehnte die Geschicke und vor allem die Autos des sportlichen Lexus-Ablegers F bestimmt, jetzt hat er Abschied von seinem Projekt genommen und viele Zukunftsträume.

Fast zwei Jahrzehnte war Chefingenieur Yukihiko Yaguchi maßgeblich an der Entwicklung von Sportwagen des Lexus-Labels F beteiligt. 2020, im Alter von 65 Jahren, hat der Erschaffer von Ikonen wie dem Lexus IS F seine berufliche Karriere beendet. Eine Testfahrt mit dem derzeit einzig verbliebenen F-Modell bei Lexus, dem RC F, haben wir zum Anlass genommen, ihm ein paar Fragen zur Vergangenheit und Zukunft der Marke F als auch zu Sportwagen im Allgemeinen zu stellen.

Der Ingenieur Yukihiko Yaguchi war fast zwei Jahrzehnte maßgeblich an der Entwicklung von Sportwagen des Lexus-Labels F beteiligt
Der Ingenieur Yukihiko Yaguchi war fast zwei Jahrzehnte maßgeblich an der Entwicklung von Sportwagen des Lexus-Labels F beteiligtFoto: Lexus

SP-X: Sie haben ihre Arbeit als Entwickler sportlicher Autos beendet. Werden Sie dennoch privat weiterhin Sport- oder Rennwagen fahren oder ist es genug mit lauten Motoren und dem Geruch von verbranntem Gummi und Benzindämpfen?

Yaguchi: Ich liebe es, Autos zu fahren. Es stimmt, dass ich seit meiner Pensionierung weniger auf der Rennstrecke fahre, aber jetzt bereitet mir das Fahren von Leichtgewicht-Sportwagen Spaß. Ich genieße es mit allen Sinnen, vor allem das Motorengeräusch und den Geruch!

SP-X: Wie sollte ein Zukunftsprojekt der Marke F ohne Einschränkungen durch Entwicklungsziele anderer Abteilungen - sozusagen ein echtes "Yaguchi-Auto" - aussehen?

Yaguchi: Ich wollte schon immer ein Auto bauen, das ich besitzen möchte und mit dem die Kunden Spaß haben können. Ich denke, ein Sportwagen des Labels „F“ sollte auch die Fahrphilosophie von Lexus transportieren. Es kann keine Entwicklung geben, wenn es keine Einschränkungen gibt. Unser Wissen innerhalb dieser Einschränkungen zu nutzen, um Dinge zu schaffen, die zu unserer Philosophie passen, ist eine der Freuden eines Ingenieurs. Ich möchte nicht, dass die Leute vergessen, dass das ursprüngliche F-Modell ein "Yaguchi-Auto" ist. F-Fahrzeuge müssen sich jedoch entsprechend der Zeit und den Entwicklungen bei Lexus verändern. Ich denke, es ist das Erbe der Philosophie des Fs und nicht seine Form, die beibehalten werden sollte.

SP-X: Gibt es ein Auto, das Sie gerne besitzen oder in Ihre persönliche Sammlung aufnehmen würden?

Yaguchi: Da wäre zunächst das Sondermodell Lexus IS F DST (Dynamic Sport Tuning) 2013. Dann gibt es den Fiat Abarth 131 Rally, der als Vorbild für den IS F diente. Ein Auto, das ich immer noch bewundere, ist auch der Alfa Romeo Tipo33 Stradale. Als Kind liebte ich zudem Toyota 2000GT und Nissan Fairlady Z432 (PS30). Und es wäre toll, auch ein paar Motorräder zu haben.

SP-X: Auf welche Entwicklungen bei „F“ sind Sie am meisten stolz?

Yaguchi: Die Tatsache, dass man die Modelle problemlos auf der Straße wie auf Rennstrecke genießen kann. Das ist das Konzept des Labels. Nicht nur Sportwagenexperten, sondern jeder Fahrspaß-Enthusiast kann sie genießen. Kurz gesagt: dass ein F-Modell die Freude an Geschwindigkeit in entspannter Weise erlebbar macht.

SP-X: Sehen Sie in der Elektrifizierung der Autos eine besondere Herausforderung für die Zukunft einer Performance-Marke wie Lexus F?

Yaguchi: Es ist notwendig, den Antriebsstrang von Sportwagen entsprechend den Veränderungen der Zeit anzupassen. Es ist die Aufgabe eines Ingenieurs, über die Adaption nachzudenken, um ein Auto zu schaffen, das Spaß am Fahren vermittelt.

Lexus will eine Lifestyle-Marke werden, daher ist es notwendig, die notwendigen Entwicklungen voranzutreiben, um den Veränderungen im Lebensstil der Menschen gerecht zu werden. Natürlich müssen die F-Modelle auch mit einer neuen Art des Fahrvergnügens aufwarten.

SP-X: Ungeachtet der Fragen zur Elektrifizierung: Glauben Sie, dass die F-Modelle in einigen Jahren von Turbomotoren angetrieben werden könnten, oder wird es wie in der Vergangenheit bei mächtigen Saugmaschinen bleiben?

Yaguchi: Ich denke, es wird noch etwas länger dauern, bis die Umstellung auf die vollständige Elektrifizierung mit der Vorbereitung der Infrastruktur und der Entwicklung neuer Ideen für elektrifizierten Fahrspaß abgeschlossen ist. In der Zwischenzeit denke ich, dass es in Ordnung ist, den Herzschlag des Motors zu genießen, indem man den Verbrennungsmotor nutzt und umweltbewusst handelt. Aus diesem Grund halte ich es für notwendig, die Turbotechnologie anzupassen und die Verbrennungseffizienz zu verbessern.

SP-X: Wettbewerber wie Audi Quattro, BMW M oder Mercedes AMG bieten Leistungsvarianten von SUV-Modellen an. Hat Lexus mit F jemals daran gedacht, in die gleiche Richtung zu gehen?

Yaguchi: Zum jetzigen Zeitpunkt glaube ich, dass man F-Modelle am besten auf der Rennstrecke sicher genießen können sollte. Deshalb halte ich es nicht für ratsam, aus einem schweren SUV ein F-Modell zu machen, da es aufgrund des hohen Schwerpunkts generell nicht für den Rennstreckenbetrieb geeignet ist. Allerdings könnte ich mir vorstellen, dass es Leute geben wird, die ein SUV mit F-Weihen sehen wollen. Wenn in Zukunft neue Technologien zur Gewichtsreduzierung und zur Senkung des Schwerpunkts entwickelt werden, denke ich, dass wir nicht an einer Fahrzeugform festhalten müssen.

SP-X: Was passt Ihrer Meinung nach besser zur DNA der Marke F: Ein Biest wie der aktuelle RC F oder ein Hybrid-Lexus mit einigen dynamischen Raffinessen?

Yaguchi: Um die Philosophie eines F-Modells zu verkörpern, sind drei Elemente wesentlich: Klang, Reaktion und Leistung. Der RC F dient auch als Basismodell für die Homologation, um an Rennen teilzunehmen und so die Sichtbarkeit und den Wiedererkennungswert zu erhöhen. Die Track Edition wurde für diejenigen geschaffen, die diesen coupéförmigen Rennwagen persönlich genießen möchten.

Die Hybridtechnologie entwickelt sich ständig weiter. Wenn es also gelingt, mit dieser Technologie die drei Elemente eines „F“-Modells zu kombinieren - und dabei die Umweltaspekte nicht vergessen werden - dann glaube ich, dass man ein einzigartiges Lexus F-Modell bauen kann, das man sonst nirgends findet. Ich glaube, dass es bei der DNA der Marke F nicht um die physischen Komponenten geht, sondern mehr um das Fahrvergnügen und die Performance.

SP-X: Yaguchi san, vielen Dank für das Gespräch.

Mario Hommen/SP-X