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Höhere Förderung für Elektroautos

Lohnt sich jetzt der Umstieg?

Donnerstag, 26. Mär. 2020

Elektromobilität soll der Fortbewegungsstandard der Zukunft werden - damit das gelingt, muss die Infrastruktur dafür immer weiter ausgebaut werden – das gilt vor allem für öffentliche Ladestationen. Aber wie stehen E-Autos gegenüber Benzinern und Dieselfahrzeugen im Kostenvergleich dar? Wie lange dauert es, bis sich ein Elektroauto amortisiert hat, abgesehen von der Klimabilanz?

Dank Umweltbonus zum günstigen Elektroauto

Damit sich der Umstieg auf ein E-Auto oder Plug-In-Hybrid auch lohnt, hat die Bundesregierung die Umweltprämie, die beim Kauf eines entsprechenden Fahrzeugs gewährt wird, zum 18. Februar erhöht. Bis zu 6000 Euro beträgt nun der Zuschuss. Wird das E-Auto dadurch sogar billiger als ein Benziner? Geht es in diesem Jahr also deutlich bergauf mit den Umsätzen von Elektroautos?

Elektro-Volltanken
Elektro-VolltankenFoto: Adobe Stock – elektronik-zeit / 175051084

Elektroautos sind gegenüber Fahrzeugen mit Benzin- oder Dieselantrieb meist deutlich teurer. Zudem benötigt man idealerweise eine eigene Ladestation, die ebenfalls Anschaffungs- und Installationskosten in vierstelliger Höhe verursacht. Alles in allem also eher teurer Spaß als Kostenreduzierung? Mit Hilfe von Beispielrechnungen kann man diese Frage am besten beantworten. Interessant dabei ist auch, ob sich eher Kleinwagen oder Limousinen und SUV rechnen.

Kostenvergleich Verbrenner vs. E-Auto und Plug-In-Hybrid

Da die Anschaffungskosten je nach gewähltem Modell sehr unterschiedlich sind, soll hier der Blick zunächst auf die Kosten fallen, die unabhängig vom Fahrzeugmodell vergleichbar sind. Zwar gibt es auch hier modellabhängige Unterschiede, aber für eine grundsätzliche Entscheidung Pro oder Contra E-Auto sind die nachfolgenden Faktoren zunächst eine gute Grundlage.

Die heimische Ladestation ist bei der Berechnung einer der Faktoren. Die Kosten für Anschaffung und Installation hierfür können recht unterschiedlich sein. Geht man davon aus, dass die sogenannte Wallbox etwa 1000,- € kostet und für die Installation durch einen Elektriker, der neue Kabel vom Hausanschluss in die Garage legen muss, nochmals rund 1000 bis 1500 € anfallen, kann man insgesamt mit ca. 2500,- € kalkulieren. Es gibt auch noch weitaus günstigere Wallboxen, die man beispielsweise im Internet bestellen kann, jedoch ist die Installation durch einen Fachmann durch nichts zu ersetzen, wofür man auch Fördergelder in einigen Bundesländern beantragen kann, die im Schnitt um 1000 € liegen. Auch die KfW gewährt einen Zuschuss im Zuge einer energieeffizienten Sanierung des Hauses. Hierfür sind Erstattungen zwischen 10 und 30 Prozent der gesamten Baukosten drin. Des Weiteren vergünstigt sich auch der Tarif des Stromanbieters, wenn eine Ladestation für ein E-Auto genutzt wird – und zwar für den Stromverbrauch des ganzen Hauses. Wer sein E-Auto als Dienstwagen nutzt, braucht seit Mitte Februar nur noch 0,25% Privatanteil an den Fiskus abzugeben. Zum Vergleich: Bei herkömmlichen Fahrzeugen sind es 1%, bei Plug-In-Hybriden immerhin noch 0,5%. Bei reinen E-Autos entfällt auch die Kfz-Steuer komplett.

Grüne Welt durck E-Autos?
Grüne Welt durck E-Autos?Foto: Adobe Stock – chathuporn / 284169753

Ein weiterer Faktor bei der vergleichenden Kostenkalkulation sind die laufenden Kosten. Für Wartung und Inspektionen werden bei E-Autos lediglich ein Drittel der Kosten im Gegensatz zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren zugrunde gelegt. Die jährlichen Inspektionsintervalle sind bei E-Autos meist nicht mehr nötig, das heißt, Werkstattbesuche werden dadurch seltener. Was den Kraftstoffverbrauch angeht, so hängt dies von aktuellen Kraftstoff- und Strompreisen ab. Ein E-Auto verbraucht je nach Modell zwischen 15 und 20 Kilowattstunden, ein Benziner oder Diesel zwischen 6 und 10 Liter pro 100 km. Ganz grob gerechnet kann man davon ausgehen, dass die Kosten auf 100 km gerechnet bei E-Autos im Verhältnis zu Verbrennern nur etwa die Hälfte betragen, im Schnitt bei etwa 5 € pro 100 km. Bei Benzinern kann man bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 7 Litern pro 100 km mit knapp 10 € rechnen, bei Dieselfahrzeugen etwa 8 bis 9 €.

Die laufenden Kosten sind also bei reinen E-Autos niedriger anzusetzen als bei Verbrennern. Aber wie sieht die Rechnung bei Plug-In-Hybriden aus?

Der kombinierte Kraftstoffverbrauch liegt hier im Schnitt bei etwa 2 Litern pro 100 km, die Reichweite einer Batterieladung bei ca. 50 km. Auch hier kann man von 15 Kilowattstunden pro 100 km ausgehen, so dass die Gesamtkosten pro 100 km bei etwa 7 € liegen dürften. Die staatliche Förderung ist bei Fahrzeugen bis 40.000 € Listenpreis um 1500 € geringer, wobei der Verkaufspreis meist etwas günstiger ausfällt als bei reinen E-Autos. Mal davon abgesehen, dass der Vorteil für die Umwelt bei Plug-In-Hybriden von Kritikern als eher geringfügig bezeichnet wird, sind die laufenden Kosten etwa um ein Drittel höher als bei einem reinen Elektroauto. Bei der Anschaffung kann man von einem geringfügig niedrigeren Listenpreis gegenüber einem reinen Stromer ausgehen, wobei dieser durch die geringere staatliche Förderung weniger ins Gewicht fällt. Insgesamt steht man sich also mit einem E-Auto rein finanziell gesehen besser als mit einem Plug-In-Hybrid.

Amortisiert sich der Kauf eines Elektroautos?
Amortisiert sich der Kauf eines Elektroautos?Foto: Adobe Stock – Monster Ztudio / 307290259

Alles in allem amortisiert sich ein Stromer, für den man die zusätzlichen Kosten für einen Wallbox hinrechnen muss – abzüglich geringerer Wartungskosten und einem insgesamt besseren Stromtarif - ganz grob gerechnet nach etwa 25.000 km Laufleistung. Aber die Rechnung wurde bislang ohne die Anschaffungskosten gemacht.

Das günstigste E-Auto vs. günstigen Benziner

Ein kompakter Kleinwagen für die Stadt ist ideal für alle, die keine weiten Strecken fahren müssen, aber trotzdem unabhängig sein wollen. Auch wenn man in Sachen Komfort Abstriche machen muss, hat der Seat Mii alles, was man braucht. Und die neue E-Variante bietet mit eingebauter eSim zahlreiche Vorteile in Sachen Internet. Der Sea Mii electric löst die Benzin-Variante ab. Der Listenpreis liegt bei 20.650 € und damit um gut das doppelte höher als die vorherige Benziner-Version. Mit dem Umweltbonus von 6000 €, der für E-Autos bis 40.000 € Listenpreis gewährt wird, sinken die Anschaffungskosten auf unter 15.000 €. Unterstellt man mal eine Vergleichbarkeit beider Varianten, zahlt man für die E-Variante also rund 5000 € mehr. In diesem Fall würde sich der Mehrpreis gegenüber des Benzinmodells erst nach einer Laufleistung von 100.000 km rechnen. Hinzu kommt die oben kalkulierte Laufleistung zur Amortisierung der Wallbox.

Beim Vergleich zweier Kompaktwagen in der Mittelklasse sieht die Rechnung etwas anders aus: Vergleicht man die beiden Hyundai-Modelle IONIQ Elektro Trend (Anschaffungspreis: 33.300 €) und i30 1.4 T-GDI Trend DCT (24.550 €) miteinander, so sind die Kostenunterschiede schon geringer, wenn man die Umweltprämie von 6000 € für das E-Modell abzieht. Die Mehrkosten liegen dann in der Anschaffung nur noch bei 2750 €.

Flaschenhals Lade-Infrastruktur
Flaschenhals Lade-InfrastrukturFoto: Adobe Stock – Patrick Daxenbichler / 212776782

Limousinen und SUV

Wie sieht es bei höherpreisigen Limousinen aus? Der Jaguar-SUV-Stromer i-Pace EV 400S schlägt mit satten 79.450 € zu Buche, während der F-Pace 30t, der mit Super betankt wird, mit 65.550 € deutlich preiswerter ist.

Interessant für Vielfahrer werden E-Autos ohnehin erst, wenn die Reichweite steigt. Der neue BMW i4 soll bis zu 600 km schaffen, ohne dass man nachladen muss. Damit überbieten die Bayerischen Motoren Werke sogar den E-Auto-Marktführer Tesla. Der i4 soll aber erst 2021 auf den Markt kommen. Bis dahin müssen sich BMW-Kunden mit dem i3 begnügen, der mit 39.000 € knapp 5000 € teurer ist als das Super-Plus-Modell 118i. Und siehe da, jetzt wird es interessant: Zieht man die Umweltprämie von 6000 € ab, spart man gegenüber dem 118i s sogar 1250 €.

Weitere Vorteile

Insbesondere für Gewerbetreibende oder Freiberufler lohnt sich die Anschaffung eines E-Autos wegen der Steuervorteile, aber auch Privatnutzer müssen 10 Jahre lang keine Kfz-Steuern zahlen, wenn sie sich ein E-Auto anschaffen. Das macht im Schnitt etwa 150 bis 200 € im Jahr aus. Auch die Werkstattkosten sinken deutlich, da E-Autos weniger oft gewartet werden müssen, was eine Ersparnis von ca. 500 € im Jahr ausmachen kann.

Zwar sind E-Autos in der Regel immer noch deutlich teurer als herkömmliche Verbrenner, was sich im Laufe der nächsten Jahre sicherlich ändern wird. Dennoch kann es sich lohnen, bereits jetzt umzusteigen. Wer zwar noch nicht die nötige Summe für ein neues E-Auto angespart hat, kann mit dem Kauf von günstigeren Gebrauchten ein Schnäppchen machen und sich mit einem Autokredit schon jetzt einen Traum erfüllen. Denn auch für Gebrauchte gibt es die Umweltprämie, sofern sie nicht schon vorher in Anspruch genommen wurde. Wer beim Händler kauft, kann jetzt noch von einem höheren Restwert seines alten Benziners profitieren. Wer also auf günstigere E-Autos wartet, bekommt später auch weniger für seinen alten.