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Wird 2020 das Jahr der Elektro- Autos in Deutschland?

Dienstag, 4. Feb. 2020

2019 hat ein Thema die Bevölkerung wie kaum ein anderes polarisiert – die Klimadebatte. Fast schon unter den Tisch sind angesichts hitziger Wortgefechte einige Änderungen gefallen, welche im November 2019 beschlossen wurden. Diese betreffen eine Verlängerung der Förderung für Elektrofahrzeuge. Letztere wird es jetzt bis 2025 geben. Wie gut ist Deutschland eigentlich auf den Paradigmenwechsel bei der Mobilität vorbereitet? Bisher stand alles im Zeichen der Verbrennungsmotoren.

Der Bund will – um seine Klimaschutzziele zu erreichen – möglichst schnell auf mehr Elektrofahrzeuge setzen. Aber: Das Zünglein an der Waage werden letztlich die Verbraucher sein. Und bisher ist der Absatz bei Elektrofahrzeugen hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Eine Ursache sind sicher hohe Anschaffungskosten. Aber auch im Alltag herrscht gegenüber den E-Fahrzeugen eine gewisse Skepsis. Komme ich auch am Ziel an? Wo ist die nächste Ladestation? Wie hat es Deutschland bisher geschafft, sich darauf vorzubereiten? 2020 wird in jedem Fall ein spannendes Jahr.

Können sich Elektroautos im Jahr 2020 endlich endgültig durchsetzen? Die Voraussetzungen sind zumindest nicht schlecht.
Können sich Elektroautos im Jahr 2020 endlich endgültig durchsetzen? Die Voraussetzungen sind zumindest nicht schlecht.Foto: © Wellnhofer Designs – 235235569 / stock.adobe.com

Förderung wurde verlängert und ausgeweitet

Zu den Hindernissen, die einer starken Verbreitung der Elektromobilität auf der Straße im Weg stehen, gehören die Anschaffungskosten. Im direkten Vergleich mit einem Benziner oder Diesel schneidet das Elektroauto leider immer noch schlechter ab. Kostet ein Mittelklasse-Pkw 20.000 Euro bis 30.000 Euro, ist die gleiche Klasse mit E-Antrieb schnell einige tausend Euro teurer.

Beim Komfort müssen Haushalte keine Abstriche machen, in Bezug auf die Reichweite können E-Autos dem Gegenstück mit Verbrennungsmotor jedoch ebenfalls nicht das Wasser reichen. Diese Differenz zwischen dem Elektroantrieb und Diesel- oder Benzinmotor-Fahrzeugen ist ein wichtiger Punkt, wenn es um die Verbreitung von Elektrofahrzeugen geht. Der Bund hat daher eine Förderung auf den Weg gebracht, um potenziellen Käufern den Umstieg schmackhaft zu machen.

Diese Förderung ruht auf mehreren Säulen:

  1. Unterstützung beim Kaufpreis
  2. Steuervorteile für die Fahrzeugnutzung.

Wie sehen die Förderungen beim Kaufpreis aus? Hier gilt bis Ende 2020, dass Käufer sich über einen Zuschuss von 4.000 Euro freuen dürfen. Bedingung: Das Fahrzeug liegt nicht über einem Listenpreis von 60.000 Euro.

Ab 2021 noch höhere Förderung

Ab 2021 steigt die Förderung. Es werden dann bis zu 6.000 Euro für den Kauf bezuschusst. Die Grenze von 60.000 Euro gilt auch weiterhin. Laufen soll die Bezuschussung der Elektromobilität noch bis 2025. Bei den Steuern müssen Halter – sofern sie ihr Fahrzeug bis Ende 2020 anschaffen – 10 Jahre lang keine Kfz-Steuer zahlen. Zudem ist vergünstigt unterwegs, wer sich eine hauseigene Ladestation aufbauen lässt oder das Auto beim Arbeitgeber lädt.

Das Ziel dieser Maßnahmen ist leicht zu durchschauen: Seitens der Bundesregierung wird die Absicht gehegt, dass auf diese Weise der Absatz von E-Fahrzeugen noch einmal deutlich steigt. Denn bisher legt dieses Segment – absolut betrachtet – in eher mäßigem Tempo zu. Wie sehen die Zahlen aktuell aus?

Was sagen die Zahlen?

Die Bundesregierung hatte sich vor einigen Jahren hohe Ziele gesteckt. Bis 2020 sollten auf den deutschen Straßen mehr als eine Million Elektrofahrzeuge unterwegs sein. Damit wäre immer noch nur ein Bruchteil der Kfz auf Elektromotor umgerüstet. Aber ein Anfang ist – so der Plan – gemacht. Inzwischen ist, so unter anderem ein Bericht der WirtschaftsWoche, Ernüchterung eingetreten.

Das Ziel von einer Million E-Cars wird – so die Einschätzung – erst 2022 erreicht sein. Hintergrund: Reine Elektrofahrzeuge waren zum 01. Januar 2019 etwas mehr als 83.000 zugelassen. Bei den Hybrid-Fahrzeugen, die auf einer Kombination aus herkömmlichem und E-Antrieb basieren, waren es mehr als 340.000 Fahrzeuge im Bestand.

Wachstumszahlen bei kleiner Basis nach wie vor beeindruckend

Beeindruckend ist das Wachstum. Die Zahl der E-Cars ist 2018 laut KBA um die Hälfte gewachsen, bei den Hybrid-Autos waren es immerhin noch mehr als 40 Prozent. Eine Entwicklung, die sich auch 2019 fortgesetzt hat. Quellen zufolge ist allein im ersten Halbjahr die Zahl der Neuzulassungen auf mehr als 30.000 gestiegen. Das heißt: 2020 könnte es mit diesem Trend durchaus weitergehen, was ein kräftiges Plus bei den Elektrofahrzeugen bedeutet.

Ladesäulen sind in Deutschland gerade in ländlichen Regionen leider immer noch Mangelware. Hier besteht noch deutliches Verbesserungspotenzial.
Ladesäulen sind in Deutschland gerade in ländlichen Regionen leider immer noch Mangelware. Hier besteht noch deutliches Verbesserungspotenzial.Foto: © fottoo – 215817906 / stock.adobe.com

Trotzdem: Im Vergleich mit Autos, in denen ein Verbrennungsmotor den Takt angibt, sind die Zahlen immer noch extrem niedrig. Um signifikante Auswirkungen auf die Emissionen aus dem Straßenverkehr zu haben – um die es letztlich geht – müssen noch deutlich mehr Fahrzeuge mit vollelektrischem Antrieb auf die Straße. Und dabei kann es nicht nur um das Segment der Pkws gehen. Gerade der Güterverkehr trägt maßgeblich zu den Emissionen von:

  • CO2
  • Stickoxide
  • Schwefelverbindungen

bei. Und hier stoßen Elektroantriebe immer noch an ihre Grenzen.

Wie wird sich der Trend entwickeln?

Angesichts der Entwicklung stellt sich die Frage, wie nachhaltig dieses Plus bei den Zulassungszahlen sein kann? Leider sind die Informationen des KBA nicht aussagekräftig genug. Interessant ist beispielsweise die Bewertung, in welcher Größenordnung Firmenfahrzeuge in der Statistik eine Rolle spielen.

Ein ebenfalls sehr wichtiger Aspekt betrifft die Förderung. Subventionierungen beim Autokauf laufen irgendwann aus. Natürlich ist in den kommenden Jahren damit zu rechnen, dass Hersteller, Markt und Regierung Mitnahmeeffekte sehen werden. Was passiert aber danach? Fallen die Förderungen weg, ist das Einbrechen der Nachfrage wahrscheinlich. Entsprechende Szenarien spielen sich aktuell in China ab, wo die Regierung Förderungen hat auslaufen lassen.

Wichtiger ist, Hersteller zum Ausbau der Modellpalette und einer Reduzierung der Preise zu bringen. Dann könnte sich das Thema Elektromobilität selbst tragen – wenn nicht ein weiteres schwerwiegendes Problem im Raum stehen würde.

Wie ist Deutschland auf Elektroautos vorbereitet?

Mehr Elektroautos zu produzieren heißt für die Hersteller, weniger komplexe Maschinen zu bauen. Hierdurch fallen Arbeitsplätze weg. Auf der anderen Seite ist Deutschland ein „konservatives“ Autoland. Sprich die gesamte Infrastruktur ist auf den Verbrennungsmotor ausgelegt. Tankstellen gibt es überall.

Das Problem: Elektrofahrzeuge haben keinen Tank, sondern müssen ihre Batterie laden. Gerade zu Beginn war die Lade-Infrastruktur eine der Herausforderungen. Inzwischen haben Bund und die Netzbetreiber Geld in die Hand genommen, um an dieser Situation etwas zu ändern. Ist Deutschland jetzt besser auf Elektromobilität vorbereitet?

Die Größenordnung der Ladestationen liegt aktuell bei circa 17.000. Auf dem Papier beeindruckend. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass der ländliche Raum nach wie vor beim Aufbau einer entsprechenden Infrastruktur hinterher humpelt. Und Ladestation ist nicht gleich Ladestation. Gerade, wenn es einmal schnell gehen muss, brauchen Autofahrer eine Schnellladestation. Diese sind leider nur in sehr begrenzter Anzahl in Deutschland verfügbar. Und damit offenbart sich nur die Spitze des Eisbergs.

Stromversorgung neu denken

Über den Ausbau des Ladenetzes machen sich viele Autofahrer noch Gedanken. Ein Problem bleibt allerdings den Fachleuten überlassen: Wie die Stromversorgung neu organisieren. Mehr E-Cars auf der Straße heißt, dass der Stromverbrauch durch die Elektromobilität zunehmend schwerer zu kalkulieren ist.

Auch in Spitzenzeiten muss genug Strom zur Verfügung stehen – ohne, dass die Netze unter der Last zusammenbrechen. Auf der anderen Seite gibt es Phasen, in denen nur wenige Fahrzeuge geladen werden. Was passiert dann mit dem Strom? Auch auf diesen Aspekt muss sich Deutschland vorbereiten. Damit könnte die Elektromobilität in den kommenden Jahren die längst nötige Restrukturierung der Netze vorantreiben.

Fazit - Deutschland hat noch Nachholbedarf

Eine Förderung für Elektrofahrzeuge bis 2025 und Steuervorteile – auf den ersten Blick scheint der Weg bereitet für starkes Wachstum bei den Elektroautos. Und auch der Ausbau des Ladenetzes geht voran. Allerdings sind diese erfreulichen Nachrichten nur eine Seite der Medaille. Deutschland hat in verschiedenen Bereichen immer noch Hausaufgaben zu erledigen. Dies gilt zum Beispiel für die Frage, wie der Netzausbau angepackt wird. Sehr viel mehr Tragweite könnte allerdings die Umstellung der Produktion in der Autobranche haben. Weniger Teile im Motor und Auto bedeuten am Ende, dass Arbeitsplätze wegfallen. Und davon sind auch Zulieferer betroffen. Die Frage wird 2020 sein, ob sich Deutschland nicht langsam auch auf diesen Aspekt der Elektromobilität vorbereitet.