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Elektroauto kaufen: Was Interessenten bedenken sollten

Montag, 2. Sep. 2019

Elektroautos rücken immer stärker in den Fokus und die Forderung, dass Fahrzeughalter sich beim Kauf eines neuen Wagens an ein Elektromodell halten sollten, werden auch stets lauter. Die Fahrzeugindustrie pusht ihre Elektromodelle, dennoch steigen die Zulassungszahlen nicht deutlich genug. Viele Menschen überlegen tatsächlich, bald auf ein Elektroauto umzusteigen. Aber ist der Umstieg so einfach oder gibt es im Vorfeld einige Punkte zu beachten?

Lässt sich der höhere Preis stemmen?

Ja, es gibt die Elektroautos, die sich preislich noch im angenehmen vierstelligen Bereich bewegen. Einzig dürfen sich Interessenten, die von einem anderen Wagen umsteigen, von dem Preis nicht blenden lassen. Diese Fahrzeuge dürfen durchaus als »elektrische Einkaufswagen« bezeichnet werden, denn sie haben eine sehr geringe Reichweite von oft nicht mal einhundert Kilometern und sind allgemein sehr klein gehalten. Alle anderen Elektrofahrzeuge kosten im Schnitt um die 10.000 Euro mehr als ein Fahrzeug mit anderem Antrieb in derselben Klasse. Es gilt also:

Elektroautos werden immer praxistauglicher - aber sind sie schon flächendeckend möglich?
Elektroautos werden immer praxistauglicher - aber sind sie schon flächendeckend möglich?Foto: Joenomias / pixabay.com

  • Rechnen – ein höherer Fahrzeugpreis bedingt drei Dinge: Die monatliche Rate wird höher, der Ratenzeitraum länger und natürlich die Anforderungen an die Bonität höher.
  • Prämien – es gibt aktuell für den Kauf eines Elektrowagens eine Prämie von bis zu 4.000 Euro. Dieser Betrag kann teilweise erhöht werden, da einige Städte und Kommunen den Kauf von Elektroautos noch zusätzlich fördern. Interessenten sollten sich also unbedingt über die Möglichkeiten informieren und die Prämie mit in die Finanzierung einbeziehen.

Die Finanzierung eines Elektrofahrzeugs funktioniert natürlich so, wie bei jedem anderen Wagen. Entweder nutzen Käufer die Bank des jeweiligen Autohauses, was jedoch bedeutet, dass kein Vergleich möglich ist und die Konditionen der Bank akzeptiert werden müssen. Alternativ nehmen Käufer anderweitig einen Autokredit auf. Nun können sie die Konditionen vergleichen, haben zudem noch den Vorteil in der Hand, dass sie den Wagen in bar bezahlen können. Dies gibt bei vielen Händlern automatisch einen Rabatt.

Welche Reichweite benötige ich?

Dies ist bei reinen Elektrofahrzeugen besonders wichtig. Die notwendige Reichweite kann jeder nur für sich allein bestimmen, wobei verschiedene Faktoren miteinbezogen werden müssen:

  • Nutzung – wie wird der Wagen genutzt? In den meisten Fällen ist dies sicher der Arbeitsweg samt den Strecken, die am Tag allgemein gefahren werden.
  • Lademöglichkeiten – sie entscheiden ebenfalls über die Reichweite. Wer beispielsweise einen Arbeitgeber hat, der bereits Ladeplätze für die Mitarbeiter zur Verfügung stellt, der kommt durch die Zwischenlandung während der Arbeitszeit mit einer geringeren Reichweite aus. Wer hingegen täglich 150 Kilometer zur Arbeit fährt, dabei im Stau steht und keine Möglichkeit hat, zwischendurch zu laden, für den sind 300 Kilometer Reichweite viel zu wenig.

Interessenten sollten die Reichweite niemals zu knapp bemessen. Anderenfalls wird das Fahren des Fahrzeugs kaum Freude bereiten, da die Gedanken ständig den Batterieladestand umkreisen und überlegt wird, wie und wo aufgeladen werden kann. Dabei darf nicht vergessen werden, dass eine Ladung selbst im Schnellsystem nicht mit der üblichen Tankfüllung vergleichbar ist. Schnellladestationen benötigen, je nach Art, immer noch 10 – 15 Minuten zur vollen Aufladung, wobei es hier wieder Tücken gibt.

die Ladeinfrastruktur in Deutschland ist noch deutlich ausbaufähig.
die Ladeinfrastruktur in Deutschland ist noch deutlich ausbaufähig.Foto: stux / pixabay.com

Wie sieht es mit der Infrastruktur aus?

Obgleich Elektroautos gefördert und gefordert werden, ist die Infrastruktur in fast ganz Deutschland mangelhaft. Die öffentlichen Lademöglichkeiten sind viel zu begrenzt und nicht flächendeckend, sodass die nächste Station gut im übernächsten Stadtteil liegen kann. Interessenten sollten folgende Punkte prüfen:

  • Ladestationen – wo liegen sie und welche Voraussetzungen gelten für sie? Leider sind die Anschlüsse noch nicht genormt. Übrigens hilft im Vorfeld ein Blick auf die Parkplätze von Supermärkten. Diese bieten immer häufiger für ihre Kunden Ladeparkplätze an.
  • Anbieter – gibt es einen flächendeckenden Anbieter, bei dem es eventuell auch spezielle Verträge oder Aufladekarten gibt?
  • Am Arbeitsplatz – gibt es am Arbeitsplatz oder im direkten Umfeld eine Lademöglichkeit? Es ist immer sinnvoll, den Arbeitgeber darauf anzusprechen, denn mitunter können tatsächlich betriebliche Lösungen gefunden werden. Gibt es mehrere Angestellte mit einem E-Auto, wäre es durchaus denkbar, dass der Arbeitgeber wenigstens eine Ladestation bezuschusst.

Abseits jeglicher öffentlichen Ladeoptionen darf auch die Aufladung zu Hause nicht ignoriert werden. Leider muss gesagt werden, dass Eigenheimbesitzer den klaren Vorteil haben und Besitzer von Eigentumswohnung gemeinsam mit Mietern das Nachsehen:

  • Wallstation – sie lässt sich am besten im eigenen Heim realisieren. Für sie ist ein Starkstromanschluss notwendig, gleichfalls befindet sie sich möglichst in der Garage. Besitzer von Eigentumswohnungen müssen selbst für die Tiefgarage eine Genehmigung der Eigentümerversammlung erwirken, Mieter benötigen eine Erlaubnis des Vermieters. Wobei bei ihnen stets das Problem ist, dass nicht unbedingt Garagen vorhanden sind – oder diese nicht so gelegen sind, dass ein Starkstromanschluss problemlos möglich ist.
  • Steckdosenladung – theoretisch kann das E-Auto über den normalen Steckdosenanschluss geladen werden. Allerdings stehen Steckdosen und Stromkabel nun unter einer zehnstündigen Dauerbelastung. In älteren Häusern könnte das eventuell zu einer Überhitzung und einem möglichen Brand führen.
  • Parkplatz – eine Ladung, unerheblich ob das Ladekabel an der Steckdose oder der Wallstation hängt, ist immer mit einem Kabel zum Auto verbunden. Es muss also generell ein Parkplatz in Reichweite gegeben sein, wobei das Kabel kein Unfallrisiko darstellen darf. Ein Parkplatz am Straßenrand mit einem über den Gehweg gezogenen Kabel ist nicht sinnvoll.

Was ist sonst noch zu beachten?

Letztendlich sollte überlegt werden, ob die Batterie des Autos gekauft anstatt gemietet werden soll. So fallen zwar einmal höhere Kosten an, doch muss nun nicht monatlich oder jährlich eine Mietgebühr entrichtet werden.

Fazit – leider ist der Kauf noch gut zu überlegen

Aktuell ist allein die Infrastruktur noch nicht so ausgereift, dass eine flächendeckende Versorgung von Elektroautos möglich ist. Interessenten müssen die Gegebenheiten vor Ort also genau prüfen und mit ihren Bedürfnissen vergleichen. Zudem müssen Mieter und Eigentümer von Wohnungen in Mehrfamilienhäusern abklären, ob und wie sie eine Aufladung zu Hause realisieren können. Eigenheimbesitzer haben diese Problematik nicht, denn in der Regel besitzen sie eine Garage oder einen Parkplatz direkt auf dem Grundstück, zudem ist die professionelle Installation der Wallstation in keinem Fall untersagbar.