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Superlative am Lac Léman

Panorama: Autosalon Genf, die Messe der Extreme

Von Zurückhaltung oder gar Demut in Zeiten von Dieselskandal keine Spur

Montag, 12. Mär. 2018

Automessen sind schon aufgrund ihrer Funktion als Neuheiten-Bühne eine meist spektakuläre Angelegenheit. Der protzige Mikrokosmos des Genfer Salons toppt das noch.

180 Aussteller zeigen in der Westschweiz dieses Jahr ihre Neuigkeiten auf dem Genfer Salon, rund 700.000 Besucher werden bis zum 18. März in den Hallen der „Palexpo“ in direkter Nachbarschaft zum städtischen Flughafen erwartet. Wie die Stadt selbst, deren Bandbreite von einer der höchsten Kriminalitätsraten der Schweiz bis zu märchenhaften Luxushotels direkt am See reicht, ist auch die Frühjahrsmesse ein Garant für die Entdeckung von Extremen.

Überblick über den Genfer Autosalon
Überblick über den Genfer AutosalonFoto: Max Friedhoff / SP-X

Schon die morgendliche Anreise für den ersten Pressetag ist eine Zerreißprobe für Geduldsfäden, ist Genf doch schon seit vielen Jahren Stauhauptstadt der Schweiz. Durchschnittlich ein Drittel mehr Zeit müssen Autofahrer hier laut Navi-Spezialist Tomtom jeden Tag für ihren Arbeitsweg einplanen. Zu Stoßzeiten bedeutet das: Für die fünf Kilometer zwischen Hotel und Autoausstellung kann man schon mal eineinhalb Stunden brauchen. Wie wichtig Zukunftsvisionen sind, die den Individualverkehr optimieren, wird einem hier erst richtig bewusst. Auf der Messe angekommen, zeigen unter anderem VW und Renault selbstfahrende Robotertaxen, die dazu beitragen könnten, den Verkehrskollaps künftig zu lösen. 34 Milliarden Euro will allein der VW-Konzern bis 2025 in die Bereiche E-Mobilität und autonomes Fahren investieren.

Der Hennessey Venom F5
Der Hennessey Venom F5Foto: Max Friedhoff / SP-X

Von Zurückhaltung oder gar Demut in Zeiten von sinkenden Dieselverkäufen und drohenden Fahrverboten findet man in den Messehallen keine Spur. Bis auf einige Hersteller (Opel, GM und Mini) sind die meisten großen und kleinen Marken auf der ersten wichtigen Europa-Messe des Jahres dabei. Und in Genf wird noch ordentlich geprotzt. So gibt es beispielsweise auf dem Bentley-Stand nicht nur edle Luxuskarossen für Superreiche zu bestaunen, in der in den gigantischen Aufbau integrierten „Bentley Boutique“ lässt sich auch gleich das passende Souvenir ordern. Preise? Natürlich nur auf Anfrage. Direkt gegenüber hat das italo-argentinische Genie Horacio Pagani seinen Präsentierteller vorbereitet. Hier kann der illustre Kundenkreis nicht nur die neuesten Kreationen aus Carbon und Leder erfühlen, die passende Wanddekoration in Form von Pagani-Ölgemälden ist gleich in einer kleinen angrenzenden Galerie untergebracht.

Der Pagani Zonda HP Barchetta
Der Pagani Zonda HP BarchettaFoto: Max Friedhoff / SP-X

Extremen Luxus findet man auch am Messestand von Strechtlimo-Veredler Klassen, der in Genf eine um satte 36 Zentimeter verlängerte Version der Maybach-S-Klasse zeigt. Im Fond gibt es Liegesitze, gestepptes Leder und eine Scheibe zwischen Chauffeur und Chauffiertem. Ganz der alte Chic, den man in der französischen Schweiz erwartet. Gut, dass Ausstellungsfläche hier in Genf teuer ist. Sonst hätte der Hersteller gepanzerter Limousinen womöglich noch die Versionen mit bis zu einem Meter zusätzlicher Länge in die Palexpo-Halle gestellt. So bleibt es beim ungläubigen Blick in die Broschüre.

Pagani-Gemälde am Messestand
Pagani-Gemälde am MessestandFoto: Max Friedhoff / SP-X

Deutlich unglamouröser geht es hingegen zu, wenn man die Treppe von der oberen zur unteren Messe-Etage nimmt. Dort können aufmerksame Beobachter nämlich einen Blick hinter den Messestand von Renault werfen und sehen, welch extremer Aufwand hinter einem solch großen Auftritt steckt. Klar, die riesigen LED-Screens, die vielen Scheinwerfer und die aufwendige Multimedia-Installation müssen irgendwie mit Energie und Daten versorgt werden – die Zahl an Kabeltrommeln, Stromleitungen und Steckern ist trotzdem echt extrem. Energiesparen? Nicht, wenn man auffallen will.  

Der Bugatti Chiron Sport
Der Bugatti Chiron SportFoto: Max Friedhoff / SP-X

Imponierend geht es mit dem Messeauftritt von Ferrari weiter, die in Genf den 488 Pista mit 529 kW/720 PS vorstellen. Ein Spielzeug für die Rennstrecke in limitierter Auflage, das vor allem das Interesse jener wecken sollte, die auch das nötige Kleingeld für den Spezial-488 haben. Gleichwohl haben wir den extremsten Aufmarsch an Schaulustigen stets am Stand der Italiener beobachtet – trotz vielversprechender Zukunftsvisionen und spektakulärer Studien drumherum.

Blick hinter den Renault-Stand
Blick hinter den Renault-StandFoto: Max Friedhoff / SP-X

Schließlich ist Genf immer noch eine Messe für Petrolheads und Sportwagen-Fans. Gibt es doch kaum einen Ort, an dem ein Koenigsegg Regera in Sichtweite eines Pagani Huayra parkt und Zuschauer trotzdem weggelockt werden – von noch extremeren Hypercars wie Bugatti Chiron Sport oder Hennessey Venom F5. Selbst auf den Genfer Straßen muss sich die eingesetzte Flotte von vollelektrischen Audi-eTron-Prototypen die Show von Apollo, Bugatti, Lamborghini und dutzenden anderen spektakulären Supersportlern stehlen lassen. Wo wir wieder beim großen Ganzen wären: Genf, die Messe der Extreme.

Da geht die ganze Energie hin
Da geht die ganze Energie hinFoto: Max Friedhoff / SP-X
Die Maybach-S-Klasse von Klassen
Die Maybach-S-Klasse von KlassenFoto: Max Friedhoff / SP-X

Max Friedhoff/SP-X