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Markenausblick Seat

Mittwoch, 21. Jun. 2017

Vom Sorgenkind zur Schönheitskönigin

VWs spanische Tochter Seat entwickelt sich prächtig. Das Design kommt an. SUV-Modelle sollen weiteres Wachstum bringen.

Seat hat gerade den neuen Ibiza vorgestellt
Seat hat gerade den neuen Ibiza vorgestelltFoto: Seat

Es ist noch nicht lange her, da galt Seat in der Wolfsburger Konzernzentrale als Problemkind. Die spanische VW-Tochter verdiente weder Geld noch verfügte sie über eine attraktive Modellpalette. Hinzu kam die globale Finanzkrise. Sie traf Spanien hart und ließ das Neuwagengeschäft massiv einbrechen. Schnell machten Gerüchte über einen Verkauf der Marke die Runde. Doch die Mutter in Niedersachsen hielt schützend die Hand über ihre Tochter. „Ein Kind in der Familie verstoßen Sie nicht, wenn es mal krank ist“, sagte einst der damalige Volkswagen-Vorstandschef Ferdinand Piech. Damit war das Schicksal von Seat besiegelt – zum Guten, wie sich im Nachhinein herausstellt. Heute steht Spaniens einzige Automarke blendend da und erwirtschaftet mittlerweile Gewinn. In den vergangenen vier Jahren stieg der Umsatz um 30 Prozent.

2016 war mit 408.700 Fahrzeugen das beste Jahr der Firmengeschichte. In Deutschland ging es im ersten Quartal 2017 um elf Prozent nach oben. 23.510 Neuzulassungen registrierte das KBA in Flensburg. Beteiligt daran ist hauptsächlich der Leon, den viele in der Branche für den „schöneren Golf“ halten. Das Kompaktmodell fährt in Deutschland nach Golf, A3 und Astra bereits auf Platz vier im Segment, noch vor dem Ford Focus (Zahlen aus April). Weiteres Wachstum soll ein breiteres Modellportfolio bringen. Die Abdeckung Seats im europäischen Markt lag 2015 bei nur 53 Prozent. „Wir streben für dieses Jahr 72 Prozent an“, sagt Seat Deutschland Geschäftsführer Bernhard Bauer. Die Lösung hierzu heißt – wie bei vielen anderen Herstellern auch – SUVs. Schon die Einführung des Ateca im vorigen Jahr hat eine Menge neuer Kunden zur Marke gebracht.

Im Segment darunter zeigt Seat demnächst den Arona. Das City-SUV basiert auf dem jüngst vorgestellten Ibiza. Für 2018 steht ein weiteres Modell auf dem Plan. Dieses Mal in der Klasse über dem Ateca. Das zirka 4,70 Meter lange SUV wird ein Siebensitzer und soll angeblich Vigo heißen. Der Vigo wird das Pendant zum Skoda Kodiaq und Tiguan Allspace. Wie diese Fahrzeuge basiert auch das Seat-SUV auf der Konzernplattform MQBA2. Gebaut werden soll der Vigo übrigens in Wolfsburg.

Seat hat gerade den neuen Ibiza vorgestellt
Seat hat gerade den neuen Ibiza vorgestelltFoto: Seat

Vor wenigen Wochen hat Seat die nächste, nun fünfte Generation des Ibiza eingeführt. Das Kompaktmodell ist das erste Modell im VW-Konzern, das noch vor dem Polo die MQBA0-Architektur erhält. Erstmals will Seat in diesem Segment alternativ einen Erdgas-Motor anbieten (Debüt: Herbst). „CNG wird wiederkommen“, sagte Luca de Meo kürzlich. Die Technologie habe große Vorteile, obwohl sie Low-Tech sei, so der Seat-Chef. Der Ibiza TGI erreicht einen CO2-Wert von 90 g/km. Und benötigt bei weitem nicht die aufwendige Abgasnachbehandlung eines Dieselmotors. Den Selbstzünder belässt Seat im Ibiza, er erhält aber einen SCR-Kat.

Für 2018 steht die Ablösung des Alhambra auf dem Plan. Der Familien-Van erfreut sich auch am Ende seines Lebenszyklus noch großer Beliebtheit. „Wir hatte 2016 den höchsten Verkaufsanteil überhaupt“, sagt Bernhard Bauer. Der Alhambra wird zusammen mit dem baugleichen VW Sharan in Portugal gebaut. Intern steht der praktische Van dennoch zur Diskussion. Braucht Seat bei einem siebensitzigen SUV wie den Vigo noch einen Van? 2019 fährt der nächste Leon aufs Podium. Seats Bestseller in der Golf-Klasse wird dann von der neuesten Auflage der MQB-Plattform inklusive deren Systeme für Assistenz und Konnektivität profitieren.

Gerade bei letzterem Thema will die spanische Marke ganz vorne mitspielen. Grund: Seat hat mit Abstand das jüngste Käuferprofil im Konzern. Und in Barcelona sogar ein eigenes Entwicklungszentrum für Digitalisierung gegründet. Intergiert werden vor allem Start-ups, die dort ihre Ideen einbringen sollen. Neben dem drei- und fünftürigen Leon sowie den Kombi ST planen die Spanier ein weiteres Derivat. Dabei könnte es sich um ein sehr sportlich positioniertes Coupé handeln. In Martorell hält man sich hierzu bedeckt, rückt nur mit dem Erscheinungsjahr heraus: 2020. Ein Jahr zuvor ist die Neuauflage des City-Flitzers Mii dran, erneut eine Gemeinschaftsproduktion mit VW (Up) und Skoda (Citigo), dann auf neuer Basis (MQBA00). Vom Mii will Seat angeblich noch im selben Jahr ein Elektro-Derivat vorstellen. Es wäre das erste E-Auto der spanischen Marke. Das Design wird sich dabei vom normalen Mii klar abgrenzen.

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Michael Specht/SP-X