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Audi S8 plus - Endspurt als edler Extremist

Montag, 26. Okt. 2015

Generationswechsel beim A8 Audi stimmt sich so langsam auf den Generationswechsel beim A8 ein und krönt die aktuelle Generation des Flaggschiffs mit einem kraftstrotzenden S8 plus. Seine guten Manieren opfert der Luxusliner auf der Überholspur allerdings nicht – und lässt sich so den finalen Ritterschlag bei den Herren der Ringe entgehen. Er trägt einen Anzug, aber eigentlich ist er ein Athlet. Denn mit seinen 520 PS und 650 Nm stiehlt schon der konventionelle Audi S8 so manchem Sportwagen die Schau.

Audi S8 plus
Audi S8 plusFoto: Audi

Audi S8 plus | Foto: Audi

Generationswechsel beim A8

Audi stimmt sich so langsam auf den Generationswechsel beim A8 ein und krönt die aktuelle Generation des Flaggschiffs mit einem kraftstrotzenden S8 plus. Seine guten Manieren opfert der Luxusliner auf der Überholspur allerdings nicht – und lässt sich so den finalen Ritterschlag bei den Herren der Ringe entgehen.

Er trägt einen Anzug, aber eigentlich ist er ein Athlet. Denn mit seinen 520 PS und 650 Nm stiehlt schon der konventionelle Audi S8 so manchem Sportwagen die Schau. Doch wie so oft, wenn für die laufende Serie das Ende naht, legt Audi jetzt noch einmal nach und gönnt dem Flaggschiff ein furioses Finale: Wer statt 116.900 Euro stolze 145.200 Euro nach Ingolstadt überweist, kann ab Ende November im S8 plus durchstarten und mit dann 445 kW/605 PS und 700 Nm nicht nur Konkurrenten wie dem S 63 AMG von Mercedes oder dem Panamera Turbo S der Schwestermarke Porsche davon fahren, sondern auch eine Reihe von waschechten Supersportwagen anhängen. So kräftig der vier Liter große V8-Motor mit seinen modifizierten Ladern und dem neuen Steuerchip dabei auch zu Werke geht, so kultiviert und distinguiert fühlt sich der S8 trotzdem noch an. Samtweich gefedert, seidenweich geschaltet und hinter dickem Dämmglas der Welt entrückt– solange man schön brav im Komfort-Modus bleibt, wähnt man sich auch in der leistungsstärksten Luxuslimousine dieser Liga auf Wolken gebettet und in Watte gepackt. Selbst wenn das Turbotriebwerk die 275er Walzen mit Hilfe des Overboosts kurzfristig sogar mal mit 750 Nm traktiert und die zwei Tonnen schwere Wuchtbrumme in irrwitzigen 3,8 Sekunden auf Tempo 100 wuchtet, fühlt man am Steuer kaum mehr als einen Samthandschuh, der einem sanft den Rücken krault. Und aus dem Bug hört man nur ein dezentes Grollen, als würde irgendwo in weiter Ferne ein Gewitter heran rollen. Erst wenn man in Auto- oder gar den Dynamic-Mode wechselt, spannt der S8 plus spürbar die Muskeln an, die Luftfederung senkt den Luxusliner um zwei Zentimeter ab und arbeitet fortan fühlbar bestimmter, die achtstufige Automatik schaltet schneller, der S8 lenkt schärfer und erlaubt sich sogar mal ein verhaltenes Grollen. Und wenn dann die Tachonadel über 200 km/h klettert und ungerührt das frühere Limit von 250 km/h hinter sich lässt, beschleunigt sich der plötzlich Puls, das Lenkrad fühlt sich von jetzt auf sofort dünn und leicht an und selbst die freieste Straße wird mit einem Mal verdammt eng. Denn 305 km/h mit einer Luxuslimousine wie dieser – das hat es bei Audi so noch nicht gegeben. Wie gut dass in den 21-Zöllern Keramikscheiben groß wie Pizzateller stecken und das die Bremsen ein feuchten Kehricht auf die Contenance geben. Klar sprechen sie penibel an und lassen sich fein dosieren. Aber wenn es sein muss, dann beißen sie auch genauso unerbittlich zu. Irgendwie muss man die Fuhre ja aus Vollgas zum Stehen bekommen. Zwar wurde der S8 plus als eines der ganz wenigen Serienmodelle von der Quattro GmbH entwickelt und an seinen fahrdynamischen Qualitäten lässt Stephan Reil, der Chef der werkseigenen Scharfmacher, deshalb auch keine Zweifel. Doch ganz auf die Spitze getrieben hat es die schnelle Truppe dann doch nicht: Bis auf ein paar aerodynamische Finessen wie die winzige Spoilerlippe auf dem Heckdeckel und Design-Petitessen wie die Zierleisten in Schwarz statt Chrom, die dunkel eingefärbten Rückleuchten oder den ins Karbongewebe geschossenen roten Faden im Innenraum gibt sich der S8 plus vornehm und zurückhaltend wie es sich für einen Luxusliner in dieser Klasse gehört. Und auch sein Klang wahrt stets eine gewisse Zurückhaltung, so dass man den V8 schon ordentlich quälen muss, wenn man den vier Endrohren mal etwas Heavy Metall entlocken will. Deshalb lässt Quattro-Chef Reil an in einem Punkt auch nicht mit sich reden: So großzügig die Entwickler bei Leistung und Luxus auch waren, gibt es das R im Typenkürzel nicht für Geld und Gute Worte: Auch wenn er fährt wie ein RS8 vielleicht fahren würde, müssen die Kunden deshalb mit einem S8 plus Vorlieb nehmen.

Audi S8 plus – Technische Daten:

Fünftürige Limousine der Luxusklasse,

Länge: 5,15 Meter,

Wer statt 116.900 Euro stolze 145.200 Euro nach Ingolstadt überweist, kann ab Ende November im S8 plus durchstarten
Wer statt 116.900 Euro stolze 145.200 Euro nach Ingolstadt überweist, kann ab Ende November im S8 plus durchstartenFoto: Audi

Breite: 1,95 Meter,

Höhe: 1,46 Meter,

Radstand: 2,99 Meter,

Kofferraumvolumen: 520 Liter Antrieb: 4,0-Liter-V8-Benziner, 445 kW/605 PS, maximales Drehmoment: 700 Nm (mit Overboost: 750 Nm), 0-100 km/h: 3,8 s, Vmax: 305 km/h, Durchschnittsverbrauch: 10,0 Liter, CO2-Ausstoß: 231 g/km, Abgasnorm: Euro 6, Preis: ab 145.200 Euro

Benjamin Bessinger/SP-X