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Mini JohnCooperWorks - Nichts für Vernünftige

Freitag, 23. Okt. 2015

Um von A nach B zu kommen, gibt es unterschiedliche Fortbewegungsmittel. Manche davon sind sehr vernünftig, manche wie der Mini John Cooper Works weniger. Dafür überzeugt der durch hohes Spaßpotential. Zwischen Irr- und Frohsinn: Die Reaktionen auf unseren Test-Mini reichten von der händisch ausgeführten Scheibenwischerbewegung bis zu glänzenden Augen. Selten polarisierte ein Testwagen so die Betrachter.

Mini John Cooper Works | Foto: Mini

Um von A nach B zu kommen, gibt es unterschiedliche Fortbewegungsmittel.

Manche davon sind sehr vernünftig, manche wie der Mini John Cooper Works weniger. Dafür überzeugt der durch hohes Spaßpotential

Unter der Motorhaube des Mini John Cooper Works kommt der aus dem Cooper S bekannte Vierzylinder zum Einsatz.
Unter der Motorhaube des Mini John Cooper Works kommt der aus dem Cooper S bekannte Vierzylinder zum Einsatz.Foto: Mini

Zwischen Irr- und Frohsinn: Die Reaktionen auf unseren Test-Mini reichten von der händisch ausgeführten Scheibenwischerbewegung bis zu glänzenden Augen. Selten polarisierte ein Testwagen so die Betrachter. Der Grund für die Abneigung: 231 PS, der Grund für die Zustimmung: 231 PS. Natürlich hatten wir keinen normalen Mini zum Alltagstest, sondern einen Mini John Cooper Works (JCW). Dieser potente Kleinwagen kostet knapp 30.000 Euro - mindestens. John Cooper Works steht bei Mini für die leistungsstärksten Varianten im Portfolio. Der bayrisch-englische Kraftzwerg hat in seiner Neuauflage so viel PS unter der Haube wie noch nie zuvor in seiner Geschichte. Mit dem Audi A1 belegt er damit den ersten Platz unter den kleinen Muskelprotzen. Anders als der Ingolstädter, der aus Allrad setzt, erfolgt die Kraftübertragung beim Mini aber auf die Vorderachse. Mit „nur“ 147 kW/200 PS reihen sich Renault Clio RS und Peugeot 208 GTi auf die nächsten Plätze ein. Ein Polo GTI, Seat Ibiza Cupra, Mini Cooper S sowie ein Ford Fiesta ST geben sich mit 141 kW/192 PS beziehungsweise 134 kW/182 PS schon fast vernünftig. Aber wer will schon immer vernünftig sein? Der Mini JCW eher nicht. Unter der Motorhaube kommt der aus dem Cooper S bekannte Vierzylinder zum Einsatz. Der Zweiliter-Turbobenziner leistet hier allerdings 170 kW/231 PS. Und die sorgen für mächtig Vortrieb. Ein leichter Tritt aufs Gaspedal und die Sportmaschine erwacht laut knurrend zum Leben. Von wegen Mini: Schon die Akustik lässt erahnen, dass der Kleine nicht nur spielen will. In nur 6,1 Sekunden stürmt der Kracher von 0 auf Tempo 100, gefühlt geht es deutlich schneller. Gut dass die gefahrene Geschwindigkeit in dem zwar nicht besonders formschönen – weil mit einer Scheibe aufgesetzten und nicht in die Windschutzscheibe projizierten-, aber praktischen Head-up-Display gut sichtbar angezeigt wird. Auf einer freien Autobahn zeigen die Ziffern 246 an. Allerdings wird man gerne von anderen Autofahrern eingebremst, die die Rückspiegel nicht oder nur unzureichend konsultieren oder den gesichteten Kleinwagen nicht ernst nehmen, und einfach rausziehen. Da nützen auch die auffällige Lackierung, die markante Front sowie die JCW-Schriftzüge nichts. Es ist auf jeden Fall gut, dass die Brembo-Bremsanlage ordentlich zupacken kann. Pure Schnelligkeit ist aber nur ein Teil des Fahrvergnügens. Auf Landstraßen – gerne auch auf nicht gut ausgebauten – zeigt der Mini JCW seine wahre Berufung. Dazu zählen seine minitypischen Fahrwerksqualitäten sowie seine präzise Lenkung. Man schlängelt entspannt im Normalmodus, aber nicht eben langsam, durch kurvenreiche Abschnitte, derweil schaltet die Sechsgang-Sportautomatik (Aufpreis: 1.850 Euro) unaufgeregt und schnell. Überholvorgänge sind dank des Leistungsangebots ratzfatz erledigt, die Überholten können sich dann kurz an dem mittig platzierten Doppelauspuff mit markanten Endrohren erfreuen. Wer es ein wenig sportlicher krachen lassen möchte, stellt von Normal- auf Sportmodus. Hier erfolgt die Gasannahme noch direkter, die Lenkbefehle werden einen Tick schneller umgesetzt und der Sound wird kerniger. Der Sportmodus empfiehlt sich aber nur zum alleinigen Gebrauch und Genießen. Nimmt man Fahrgäste mit - der 3,87 Meter kurze Mini bietet immerhin ordentliche Platzverhältnisse auch auf den hinteren Sitzen - sollte man um eine Grünfärbung der Gesichtsfarbe der Mitreisenden zu vermeiden, den Sportmodus nicht aktivieren. Apropos grün: Der Mini kann aber auch den Wolf im Schafspelz spielen. Im Green-Modus fehlen dem Muskelpaket die Testosteronaufputschmittel, er mutiert zum fast braven Begleiter. Das ist ideal für Stadtfahrten oder wenn auf der Landstraße dichter Berufsverkehr herrscht und man sich dem vorgegeben Trott nicht entziehen kann. Immerhin vermittelt das maximale Drehmoment von 320 Nm, das zwischen 1.250 und 4.800 Umdrehungen auf Abruf steht, eine durchzugsstarke Gelassenheit zum Cruisen. Eine gewisse Gelassenheit benötigt man beim Thema Verbrauch. Klar ist, dass der Durchschnittsnormwert von 5,7 Litern mit Alltagserfahrungen wenig zu tun hat. Tritt man das Gaspedal ständig durch, fließt deutlich mehr Sprit durch die Leitungen. Eilige Fahrer verbrennen locker zehn Liter pro 100 Kilometer, im Mix kamen wir am Ende der Testzeit auf einen Schnitt von 8,9 Litern. Das ist für einen Kleinwagen viel, angesichts der Leistung geht der Verbrauch aber in Ordnung. Der Mini JCW kostet in Verbindung mit der Automatik mindestens 31.750 Euro. Zwar ist er vergleichsweise gut ausgestattet, unter anderem mit LED-Scheinwerfer, 17-Zoll-Leichtmetallfelgen, Brembo-Bremsanlage, Heckspoiler, Sportsitzen und Lederlenkrad. Wie nicht nur bei Mini üblich, lässt sich der Kraftzwerg aber durchaus noch individualisieren, zum Beispiel mit Navigation, Leder, Assistenzsystemen wie Verkehrszeichenerkennung, Head-up-Display, Sitzheizung, Klimaautomatik oder schicken Lackfarben. Weitere 5.000 Euro kommen da schnell zusammen. Aber wenn schon, denn schon. Wer vernünftig sein will, kauf ein anderes Fahrzeug.

Mini John Cooper Works – Technische Daten:

dreitüriger, viersitziger Kleinwagen; Länge: 3,87 Meter, Breite: 1,73 Meter (mit Außenspiegeln: 1,93 Meter), Höhe: 1,41 Meter, Radstand: 2,50 Meter, Kofferraumvolumen: 213 – 731 Liter 2,0-Liter-Turbobenziner, Sechsgang-Automatikgetriebe, 170 kW/231 PS, maximales Drehmoment: 320 Nm bei 1.250 – 4.800 U/min, 0-100 km/h: 6,1 s, Vmax: 246 km/h, Durchschnittsverbrauch: 5,7 Liter je 100 Kilometer, CO2-Ausstoß: 133 g/km, Abgasnorm: Euro 6, Effizienzklasse: C, Testverbrauch 8,9 Liter Preis: ab 31.750 Euro

Elfriede Munsch/SP-X