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BMW 2er Active Tourer - Freund der Familie

Donnerstag, 22. Okt. 2015

Erst müde belächelt und jetzt ein großer Erfolg Nur selten lagen Experten mit ihren Prognosen so kräftig daneben wie beim BMW 2er Active Tourer. Plus 766 Prozent im Juni, plus 527 Prozent im Juli und dann der vorläufige Bestwert im August: plus 783 Prozent und damit Rang 3 in der Neuwagen-Zulassungsstatistik. Kein anderes Auto legt in Deutschland derzeit eine steilere Erfolgskurve hin als der 2er Active Tourer von BMW.

BMW 2er Active Tourer | Foto: BMW

Der Van 2er Active Tourer verkauft sich wie geschnitten Brot. Das Werk in Leipzig kommt mit der Produktion kaum nach.
Der Van 2er Active Tourer verkauft sich wie geschnitten Brot. Das Werk in Leipzig kommt mit der Produktion kaum nach.Foto: BMW

Erst müde belächelt und jetzt ein großer Erfolg

Nur selten lagen Experten mit ihren Prognosen so kräftig daneben wie beim BMW 2er Active Tourer.

Plus 766 Prozent im Juni, plus 527 Prozent im Juli und dann der vorläufige Bestwert im August: plus 783 Prozent und damit Rang 3 in der Neuwagen-Zulassungsstatistik. Kein anderes Auto legt in Deutschland derzeit eine steilere Erfolgskurve hin als der 2er Active Tourer von BMW. Zwar rutschte der Premium-MPV im September wieder etwas ab, weist zum Vorjahr aber immer noch einen Zuwachs von 230 Prozent auf. Er trotz damit als einziger seines Segments dem Rückgang der Familienvans zugunsten der SUV. Nicht wenige Analysten und selbsternannte Experten hatten dem 2er Active Tourer bei dessen Präsentation im vorigen Jahr noch Erfolglosigkeit prognostiziert. Grund: BMW würde angeblich mit seiner Tradition brechen, weil es ein Modell mit Frontantrieb auf den Markt bringe. Dann noch eines mit einem Dreizylindermotor. Und zu guter Letzt auch noch ein Van. Wo bleibt da der sportliche Geist der Marke, wo der Slogan „Aus Freude am Fahren“? hieß es unisono. Alles Pappelapapp. Alles richtig gemacht im Hause BMW. Vorstand, Entwickler, Marketing, Vertrieb, sie alle hatten das richtige Gespür. Es zeigt sich: Das Wohl der weißblauen Marke hängt eben doch nicht am Reihensechszylinder und am Hinterradantrieb. Der Van 2er Active Tourer verkauft sich wie geschnitten Brot. Das Werk in Leipzig kommt mit der Produktion kaum nach. Mittlerweile liegt die Lieferzeit bei über zwei Monaten. Und dies trotz eines recht familienunfreundlichen Preises, der bei 27.400 Euro beginnt und mit stärkerer Motorisierung sowie gehobener Ausstattung auch locker die 50.000-Euro-Marke überschreitet. Allein im August und September entschieden sich in Deutschland über 10.000 Käufer für die 2er-Baureihe. In den ersten neun Monaten dieses Jahres schafften die Münchener Autobauer knapp 33.000 Einheiten. Die Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) sind allerdings nur die halbe Wahrheit. Zur 2er-Baureihe zählen unverständlicherweise auch das 2er Coupé und das 2er Cabrio. Beide zusammen machen nach Auskunft von BMW etwa ein Drittel der Verkäufe aus. Heißt in Zahlen: rund 22.000 Einheiten sind 2er Active Tourer. Damit bleibt in Deutschland der bestverkaufte Van im Premiumsegment nach wie vor die Mercedes B-Klasse mit 27.905 Einheiten (Rang 23). Überholt hat der Bayern-Van jedoch den Liebling im Volumensegment, den VW Touran. Der Wolfsburger fuhr steil bergab, schaffte es im August nicht einmal mehr unter die Top 50 und rangiert derzeit auf Platz 45 mit nur noch 1.672 Neuzulassungen im September. Der Erfolg des Familien- und Freizeit-BMW bestätigen nicht nur die nackten Zahlen, sondern zeigt auch deutlich, wie sich Autowelt und Käuferverhalten geändert haben. Die Active-Tourer-Kunden rümpfen weder die Nase beim Wort Frontantrieb noch bei der Fahrzeuggattung Van. Vielmehr begrüßen sie es, dass BMW endlich mit solch einem Modell auf Markt gekommen ist. Der 2er Active Tourer ist praktisch, vielseitig, sparsam und geräumig. Kurvenhatz, Beschleunigung und vermeintliche Sportlichkeit haben längst nicht mehr den Stellenwert wie früher. Fast die Hälfte der Kunden (45 Prozent) entscheidet sich sogar für den Dreizylindermotor. Der 2er-Van erreicht eine Eroberungsrate von mehr als 80 Prozent, heißt: Acht von zehn Kunden hatten zuvor mit der Marke BMW nichts am Hut. Heute fahren diese Menschen damit ihre Kinder zur Kita. Die meisten in Deutschland (41 Prozent), gefolgt von Frankreich, wohin BMW noch immerhin zwölf Prozent der Produktion verkauft. Großbritannien und Italien liegen knapp dahinter. Weniger euphorisch sind die 2er-Kunden jedoch, was den Nachkömmling Gran Tourer angeht (seit Juni im Markt). Der verlängerte, siebensitzige Bruder mag sogar noch praktikabler sein, beim Design allerdings fallen die Proportionen etwas aus dem Rahmen. Es wundert daher nicht, dass sich bislang nur jeder zehnte Kunde für ihn entscheidet. Doch auch hier ist Besserung in Sicht. Von August auf September legte der Absatz um 96 Prozent zu.

Michael Specht/SP-X