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Ford Mustang GT - Yippie Yippie Yeah

Montag, 19. Okt. 2015

Ford Mustang GT | Foto: Ford

Fünf Liter Hubraum, acht Zylinder, kein Turbo, 421 PS: 42.000 Euro. Noch Fragen?

Der Ford Mustang bringt es seit seinem Start 1964 immerhin auf sechs Generationen und mehr als 9,3 Millionen verkaufte Exemplare. Das überrascht, weil man das scheue Wildpferd auf europäischen Straßen nur sehr selten zu sehen bekommt. Was wiederum daran liegt, dass Ford die ersten fünf Generationen des Sportwagens nie offiziell nach Europa exportiert hat und Liebhaber des Mustang auf Importeure oder Eigeninitiative angewiesen waren. Nun ist seit einigen Wochen der US-Ford ganz offiziell in Deutschland zu haben, importiert von Ford Europa und in Deutschland von derzeit knapp 50 Händlern betreut. Das bedeutet allerdings: Je nachdem wo man wohnt, kann der Ritt zum Autohaus weit sein. Wir haben uns den Mustang gleich von Ford kommen lassen und zwar in der „richtigen“ Version. Ja, ja, natürlich ist auch der 2,3-Liter-Vierzylinder mit immerhin 233 kW/317 PS ein prima Aggregat, noch dazu wahrscheinlich im Alltag deutlich sparsamer als der V8, den wir uns für den Testwagen gönnten. Aber wenn schon US-Car, dann doch bitte richtig. Also ein Achtzylinder-Sauger mit 5,0 Litern Hubraum und 421 kleinen Mustangs unter der Haube. Mit seinem enormen Haifischmaul, dem großen Grill und der langen Motorhaube macht das Coupé (es steht auch ein Cabriolet zur Wahl) richtig was her. Was sich im Alltag an den Reaktionen anderer Verkehrsteilnehmer ablesen lässt, die sich ziemlich exakt in zwei Gruppen aufteilen: begeisterte Zustimmung - inklusive herzlicher Gratulation zu diesem „tollen Auto“ an der Tankstelle - oder höhnische Blicke im Verein mit spöttisch heruntergezogenem Mundwinkel: Der hat´s wohl nötig. Na ja, nötig hatten wir es vor allem an der Tanke. Nämlich etwas Kleingeld. Wenn man schon nach 300 Kilometern an die 50 Liter für 70 Euro nachgelegt hat, kann einem ein wenig schwindlig werden. Der Mustang fällt unter die Rubrik amerikanischer Pony-Cars, das waren jene relativ kleine Coupés oder Cabriolets mit starken Motoren (V6 oder V8), die ab den 60er-Jahren in den USA die Straßen eroberten. Mit diesen Fahrzeugen hat der aktuelle Mustang natürlich nicht mehr viel gemein, vor allem nicht mit deren damals teils tückischen Manieren. Im Gegenteil, nie war ein Mustang leichter zu reiten als dieser. Das liegt vor allem an der erstmals (!) verwendeten Hinterradaufhängung. Ja, man glaubt es kaum, das Zeitalter der Starrachse neigt sich auch in den Staaten dem Ende zu. Darüber wird sicher wieder jemand nostalgische Tränen vergießen, soll er. Wir genießen dafür die Tatsache, dass man mit diesem Mustang erstmals auch bei hohen Geschwindigkeiten ein gutes Gefühl hat. Trotzdem ist der Sport-Ford kein Rennwagen. Geht es in den forcierten Galopp, wird es nicht nur laut, auch die Motorhaube fängt an, unangenehm zu vibrieren. Also lieber Fenster runter und mit 100 über die Landstraße bummeln und es auf der Autobahn bei 160 Sachen belassen. Tut im Übrigen – siehe oben – auch dem Portmonee ganz gut, denn ansonsten sind nach 100 Kilometern schnell mal 20 Liter den River runter. Wobei man natürlich durchaus der Meinung sein kann, dass diese Investition angesichts des herrlichen Blubberns unter der Haube durchaus angebracht ist. Man muss das mit dem Geld so sehen: Ein wenig der vielen tausend Euro, die man beim Kauf eines Mustang im Vergleich zu einem ähnlich potenten Fahrzeug deutscher Provenienz einspart, muss man halt beim neuen besten Freund lassen: dem Tankwart. Wobei man für die 42.000 Euro Grundpreis ja nicht nur acht Zylinder und reichlich Drehmoment und Leistung erhält, sondern auch eine umfangreiche Ausstattung. Die, wenn man noch die 2.500 Euro für das Premium-Paket anlegt, tatsächlich kaum Wünsche offen lässt: Leder, Sitzheizung, Navi, Xenon, 19-Zoll-Alus, Parkpiepser hinten, Radio/CD-Anlage, Alarmanlage – alles drin. Nicht alles immer edel, verglichen etwa mit einem Audi, aber trotzdem sehr nett gemacht. Dass man sich an die Bedienung gewöhnen muss, das Multifunktionslenkrad mehr Fragen als Antworten aufwirft und man für manche Regler gute Augen oder eine gute Brille haben muss – geschenkt. Pferde gehören in die Natur und nicht in die Stadt und so ist es auch mit dem Mustang. Angesichts von 12,20 Metern Wendekreis und der Übersichtlichkeit einer Postkutsche (von innen) darf man das Wort „Wendigkeit“ noch nicht einmal denken. Und vom Besuch von Parkhäusern vor Baujahr 1980 – also leider so ziemlich allen – ist dringend abzuraten. Den Antrieb hatten wir uns so erhofft. Zu den positiven Überraschungen beim Mustang zählen die Qualität im Innenraum und der Sinn für liebevolle Details. Beispiel: Beim Einstieg ins Fahrzeug wird auf den Boden vor den Türen das Mustang-Symbol projiziert. Was zum Beispiel beim zwölfjährigen Nachbarskind Begeisterungsstürme entfachte. So zieht man sich die Fans von morgen heran. Aber auch wir waren von diesem Pferd begeistert, eben weil es so souverän am europäischen Mainstream vorbeifährt, weil es richtig viel Auto fürs Geld bietet und einen V8-Saugmotor, von dem wir später unseren Enkeln mal erzählen werden. Und die werden staunend fragen: So was hat es wirklich mal gegeben?

Seit einigen Wochen ist der US-Ford ganz offiziell in Deutschland zu haben, importiert von Ford Europa und in Deutschland von derzeit knapp 50 Händlern betreut
Seit einigen Wochen ist der US-Ford ganz offiziell in Deutschland zu haben, importiert von Ford Europa und in Deutschland von derzeit knapp 50 Händlern betreutFoto: Ford

Angesichts von 12,20 Metern Wendekreis und der Übersichtlichkeit einer Postkutsche (von innen) darf man das Wort „Wendigkeit“ noch nicht einmal denken | Foto: Porsche

Angesichts von 12,20 Metern Wendekreis und der Übersichtlichkeit einer Postkutsche (von innen) darf man das Wort „Wendigkeit“ noch nicht einmal denken
Angesichts von 12,20 Metern Wendekreis und der Übersichtlichkeit einer Postkutsche (von innen) darf man das Wort „Wendigkeit“ noch nicht einmal denkenFoto: Ford

Ford Mustang GT – Technische Daten:

Zweitüriges, viersitziges Sportcoupé; Länge: 4,78 Meter, Breite: 1,92 Meter (mit Außenspiegeln: 2,08 Meter), Höhe: 1,38 Meter, Radstand: 2,72 Meter, Kofferraumvolumen: 408 Liter 5,0-Liter-V8-Benziner, Sechsgang-Handschaltgetriebe, Hinterradantrieb, 310 kW/421 PS, maximales Drehmoment: 530 Nm bei 4.250 U/min, 0-100 km/h: 4,8 s, Vmax: 250 km/h, Durchschnittsverbrauch: 13,5 Liter/100 Kilometer, Abgasnorm: Euro 6, Effizienzklasse: G, Testverbrauch: 16,1 Liter Preis: ab 42.000 Euro (Coupé, Handschaltung)

Peter Eck/SP-X