Mitsubishi L200 - Pajero für Praktiker

Mitsubishi L200

Mitsubishi  L200  | Foto: Mitsubishi

Wo er auftaucht, kann ein normaler Geländewagen wie der Mitsubishi Pajero buchstäblich einpacken.

Denn mit seiner großen Pritsche ist der Pick-Up L200 das einfach das praktischere Auto. Und wenn demnächst die fünfte Generation kommt, fast auch das modernere.

Es ist nur eine Nische, aber selten war sie so in Bewegung wie heute. Denn scheinbar arbeitet plötzlich jeder Hersteller an einem handlichen Pick-Up in der für solche Lastwagen fast noch kompakten Ein-Tonnen-Klasse: Nachdem Ford und VW schon eingestiegen sind, bereiten jetzt auch Fiat und Renault ihr Debüt an der Laderampe vor und zum Ende des Jahrzehnts will sogar Mercedes einen Pritschenwagen für die Cowboys der Neuzeit anbieten. Die japanischen Stammspieler sind deshalb alarmiert und bereiten eine entsprechende Verteidigung vor. Noch bevor der europäische Markführer Toyota den nächsten Hilux zeigt und Nissan den neuen Navara an den Start bringt, macht Mitsubishi jetzt mit dem L200 den Anfang.

Wenn die fünfte Auflage des Pritschenwagens Ende September an den Start geht, sieht der L200 außen wieder robuster und bulliger aus als bisher, selbst wenn er in jeder Dimension nur ein paar Millimeter gewachsen ist und die Entwickler sogar den cW-Wert gesenkt haben. Innen dagegen treiben es die Japaner diesmal etwas feiner und orientieren sich weniger an Nutzfahrzeugen als an zivilen Geländewagen: Als wäre er ein Pajero für Praktiker, gibt sich der Pick-Up mit seiner um Kopf und Schultern ein wenig gewachsenen Kabine deshalb vornehm in Lack und Leder. Die Oberflächen sind zumindest ein bisschen unterschäumt, die Konsolen glänzen in einem helleren Grau, auf der Optionsliste findet man jetzt nicht nur sieben Airbags und eine Zwei-Zonen-Klimaanlage, sondern auch Extras wie eine Spurhalte-Hilfe oder eine Rückfahrkamera. Und selbst die Sitze haben künftig ein bisschen mehr Komfort und machen längere Fahrten nicht mehr zur Leidensprobe.

Zwar schwärmen die Japaner vom pkw-ähnlichen Komfort, doch weil der L200 auch im feineren Zwirn ein Arbeitstier bleibt, geht es ihnen natürlich vor allem um Kosten und Nutzen. Deshalb haben sie nicht nur die Ladefläche ein paar Millimeter vergrößert und die Anhängelast auf bis zu 3,1 Tonnen angehoben, sondern auch einen neuen Motor eingebaut. Den 2,4-Liter großen Diesel gibt es wahlweise mit 113 kW/154 oder 133 kW/181 PS und zusammen mit einem Diäterfolg von rund 50 Kilo durch leichtere aber stabilere Stähle geht der Verbrauch so trotz serienmäßigen Allradantriebs im besten Fall um 1,1 Liter zurück. Statt bislang zwischen 7,7 und 8,8 Litern steht der L200 deshalb künftig mit 6,4 bis 7,2 Litern in der Liste.

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Die Preise werden bei rund 27.000 Euro starten | Foto: Mitsubishi

Die Preise werden bei rund 27.000 Euro starten | Foto: Mitsubishi

Dafür, dass man in einer Art Lastwagen sitzt, macht der L200 tatsächlich einen halbwegs komfortablen und kultivierten Eindruck. Natürlich lassen einen Leiterrahmen, Starrachsen und Blattfedern selten im Unklaren über die Fahrbahnverhältnisse, und auch mit dem kleinsten Wendekreis seiner Klasse braucht man viel Platz zum Ausholen, wenn man die Fuhre um die Kurve bugsieren will. Aber so kernig der Vierzylinder auch knurrt, so kräftig geht er dafür zu Werke. 430 Nm in der stärkeren Version sind schließlich eine solide Basis. Solange man die Nutzlast von knapp einer Tonne nicht völlig ausgereizt hat, kann man damit selbst auf einer halbwegs kurvigen Landstraße mal zum Überholen ansetzen und mit etwas Geduld läuft der L200 auf der Autobahn immerhin knapp 180 km/h.

Das Design gründlich überarbeitet, das Ambiente auf einem neuen Niveau und der Motor ausgetauscht, dazu noch ein neues Schaltgetriebe und eine verbesserte Automatik -  für die Japaner ist der neue L200 so neu, dass sie nicht nur von einer neuen Generation, sondern gleich von einer neuen Ära sprechen und die aufstrebende Konkurrenz betont gelassen abtun. Nur ein Detail bleibt beim neuen L200 ganz das alte: Die Preisliste. Selbst wenn Mitsubishi die exakten Tarife erst später im Sommer bekannt geben will, lassen die deutschen Vertriebsstrategen keinen Zweifel daran, dass es keine nennenswerten Preisaufschläge geben und der mit Club- oder Double ab lieferbare Pick-Up mit etwa 27.000 Euro ungefähr dort starten wird, wo es der alte in der entsprechenden Karosserievariante getan hat. Und weil sie womöglich doch ein bisschen Respekt vor den vielen neuen Konkurrenten haben, schieben sie lieber noch etwas hinterher: „Vielleicht wird das neue Auto sogar ein bisschen billiger als das alte.“

Benjamin Bessinger




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