Infiniti Q70 Hybrid - Elektrisierter Exot

Das Auto ist durchaus ein Statement – von außen, weil die Limousine mit ihren 4,98 Metern ein stattliches Format hat und nicht erst seit der serienmäßigen Einführung der LED-Scheinwerfer zur Modellpflege frischen Glanz ins Einerlei der gehobenen Mittelklas | Foto: Infiniti

Infiniti Q70 Hybrid | Foto: Infiniti

Er ist der große Unbekannte in der gehobenen Mittelklasse. Während einem der Name Lexus so langsam fehlerfrei über die Lippen geht, runzelt man bei Infiniti zumindest in Europa noch immer die Stirn. Dabei gibt es zum Beispiel die Luxuslimousine Q70 mit ihrem leistungsorientierten Hybridantrieb nun schon so lange, dass sie jetzt zum ersten Mal überarbeitet wurde.

Gegen den VW Golf anzutreten, ist in Deutschland schon schwer. Aber es gibt hierzulande kaum eine größere Herausforderung, als es ausgerechnet in ihrer Heimat mit den noblen Geschäftslimousinen aus dem Süden aufzunehmen. Mercedes E-Klasse, BMW 5er, Audi A6 – das ist eine Bastion, an der sich schon mächtigere Marken als Infiniti die Zähne ausgebissen haben. Doch die Japaner geben nicht klein bei und stellen sich dem aussichtslosen Wettbewerb. Wer also partout mal was anderes fahren will und schon einen Lexus GS für ein gewöhnliches Auto hält, dem sei der Infiniti Q70 empfohlen. Vor drei Jahren noch als M-Serie präsentiert, wurde er jetzt zum Jahreswechsel ein wenig überarbeitet und ist so ziemlich die exotischste und exklusivste Alternative, die man in der gehobenen Business-Klasse fahren kann – nicht umsonst wurden im letzten Jahr gerade einmal 44 Exemplare zugelassen.

Wer also partout mal was anderes fahren will und schon einen Lexus GS für ein gewöhnliches Auto hält, dem sei der Infiniti Q70 empfohlen | Foto: Infiniti

Wer also partout mal was anderes fahren will und schon einen Lexus GS für ein gewöhnliches Auto hält, dem sei der Infiniti Q70 empfohlen | Foto: Infiniti

Dabei ist das Auto durchaus ein Statement – von außen, weil die Limousine mit ihren 4,98 Metern ein stattliches Format hat und nicht erst seit der serienmäßigen Einführung der LED-Scheinwerfer zur Modellpflege frischen Glanz ins Einerlei der gehobenen Mittelklasse bringt. Von innen, weil alles zwar ein bisschen barock und schwülstig aussieht, aber dafür piekfein gestaltet und auf maximalen Verwöhnkomfort ausgelegt ist. Und unter der Haube, weil dort ein Hybrid-Antrieb steckt, der um Längen mehr Spaß macht als die Doppel-Herzen, die bislang bei Audi und bei Mercedes angeboten wurden. Ein V6-Motor mit 3,5 Litern Hubraum und 225 kW/306PS und eine E-Maschine von 50 kW/68 PS – dieses Paket kann sich sehen lassen.

Natürlich geht es auch Infiniti beim elektrischen Hilfstriebwerk ums Sparen – nicht umsonst erzählen die Japaner stolz von mageren 6,2 Litern Normverbrauch. Dafür haben sie sogar einen Eco-Modus programmiert, bei dem sich das Gaspedal so zäh und teigig anfühlt, dass man den Fuß gar nicht mehr darauf abstellen möchte. Und wer das Pedal sanft genug streichelt, der kann sogar ein, zwei Kilometer rein elektrisch durch die Stadt surren, wenn er sich nicht am genervten Blick der ungeduldigen Hintermänner stört.

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Von innen, weil alles zwar ein bisschen barock und schwülstig aussieht, aber dafür piekfein gestaltet und auf maximalen Verwöhnkomfort ausgelegt ist | Foto: Infiniti

Von innen, weil alles zwar ein bisschen barock und schwülstig aussieht, aber dafür piekfein gestaltet und auf maximalen Verwöhnkomfort ausgelegt ist | Foto: Infiniti

Doch schon wenn man in den Normalmodus wechselt, zeigt der Q70 sein wahres Gesicht und das Tandem spannt merklich die Muskeln an. Dreht man den Fahrregler noch eine Raste weiter, wird es tatsächlich richtig sportlich – dann spürt man die Systemleistung von 268 kW/364 PS und mehr noch das gemeinsame Drehmoment von 546 Nm und der Sparer wird zum Sportler.  Von 0 auf 100 in 5,3 Sekunden, spielend auf 250 km/h und Überholen mit einem Wimpernschlag – da soll noch einer sagen, Hybrid-Autos seinen Spaßbremsen. Nur mit dem Sparen ist das dann halt so eine Sache – einstellig jedenfalls fährt den Q70 auf diese Weise natürlich nicht.

Zwar macht der Hybrid zumindest diesseits des nervigen Öko-Modus einen rund herum gelungenen Eindruck. Doch das beste Argument gegen den Teilzeitstromer liefern die Japaner selbst – mit ihrem Diesel. Erst recht, seitdem sie mit dem Facelift den 238 PS starken V6-Motor hinaus geworfen und durch einen 2,2 Liter-Motor mit 170 PS ersetzt haben. Der ist zwar nicht ganz so stark und spritzig wie der Benzin-Elektrische Doppelpack, ist aber mit einem Normverbrauch von 4,9 Litern noch sparsamer und nach einer Preissenkung um rund 10.000 Euro obendrein deutlich billiger. Denn statt mindestens 57.300 Euro gibt es ihn schon ab 44.500 Euro.

Vor drei Jahren noch als M-Serie präsentiert, wurde er jetzt zum Jahreswechsel ein wenig überarbeitet und ist so ziemlich die exotischste und exklusivste Alternative, die man in der gehobenen Business-Klasse fahren kann | Foto: Infiniti

Vor drei Jahren noch als M-Serie präsentiert, wurde er jetzt zum Jahreswechsel ein wenig überarbeitet und ist so ziemlich die exotischste und exklusivste Alternative, die man in der gehobenen Business-Klasse fahren kann | Foto: Infiniti

Technische Daten – Infiniti Q70 Hybrid:

Limousine der gehobenen Mittelklasse, Länge: 4,98 Meter, Breite: 1,85 Meter, Höhe: 1,49 Meter, Radstand: 2,90 Meter, Kofferraumvolumen: 350 Liter

Hybridantrieb aus 3,5 Liter V6-Benziner und Elektromotor, Siebengangautomatik, Benziner: 225 kW/306PS, max. Drehmoment 350 Nm bei 5000 U/min, Elektromotor: 50 kW/68 PS, max. Drehmoment 270 Nm bei 1770 U/min, Systemleistung: 268 kW/364 PS;  Vmax 250 km/h, null bis 100 km/h in 5,3 Sekunden, Normverbrauch 6,2 Liter/100 km, CO2-Ausstoß 145 g/km, Preis ab 57 300 Euro

Kurzcharakteristik - Infiniti Q70 Hybrid

Alternative zu Lexus GS, Jaguar XF, Volvo S80 und natürlich zu den deutschen Platzhirschen

Passt zu: Besserverdienern, die sich nicht mit der Masse gemein machen möchten und eine freizügige Dienstwagenregelung haben.

Wann kommt er: Das Facelift wird ab sofort ausgeliefert

Sieht gut aus in einer geschäftigen Großstadt und im Bankenviertel.

Was kommt noch: Leider erst einmal weder ein stärkerer Diesel noch ein Plug-In-Hybrid.

Benjamin Bessinger/SP-X




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