40 Jahre Volvo 265 Kombi - Luxus Landhausstil

Volvo 265 GL 1980 | Foto: Volvo

Volvo 265 GL 1980 | Foto: Volvo

Mit dem 265 fuhr Volvo auf Neuland, nie zuvor hatte es ein repräsentativeres Spitzenmodell der Schweden in Kombiform gegeben. Vor 40 Jahren jedoch schien die Zeit reif für einen Kombi, der mehr konnte als nur Familien und Firmenvertreter zu transportieren. So schickte Volvo einen feinen Sechszylinder ins Rennen, der einen Trend setzte ohne selbst von diesem zu profitieren.

Einen wie ihn brauchte Volvo Mitte der 1970er Jahre. Einen, der die Nordamerikaner für schwedischen Lifestyle und Luxus begeisterte. Wollte doch Volvo auf seinem wichtigsten Exportmarkt mehr Marktanteil gewinnen und zugleich Zutritt in den Club der Premiummarken erringen. Für beide Ziele schien der 1975 präsentierte Volvo 265 geradezu prädestiniert. Ein nobel ausgestatteter und doch praktischer Lifestyle-Laster mit V6-Motor, der auf dem pragmatischen Vierzylinder-Bestseller Volvo 245 aufbaute. Das Beste aus zwei Welten wollte Volvo auf diese Weise vereinen. Seit dem legendären Duett galten die Göteborger als Kombi-Experten, seit dem Shooting Brake 1800 ES auch als Spezialisten für die Lust auf extravagant gestalteten Laderaum.

Warum also nicht den Volvo 264, der die Nachfolge des prestigeusen Flaggschiffs Volvo 164 antrat, auch in Kombiform einführen? Zumal es die Station Wagons amerikanischer Marken bereits seit geraumer Zeit in exklusiveren Varianten gab. Dennoch war die Vorstellung des Volvo 265 eine kleine Sensation – vor allem für die Fachmedien und Volvo-Fans. Wagte sich der skandinavische Sechszylinder doch auf neue Wege, die bis dahin von kaum einem europäischen Kombi befahren worden waren. Für Furore gesorgt hatte bis dahin allein Ford, denn die Flotte aus 20 M- und Granada-Turnier kombinierte erstmals V6-Komfort mit großer Frachtkapazität. Global aber fiel nun dem Volvo 265 die Aufgabe des luxuriösen V6-Trendsetters im angesagten Landhausstil zu. Eine Rolle, die der Schwede auf überraschende Weise ausfüllte. Glänzte er doch kaum mit eigenen Verkaufserfolgen, bereitete stattdessen den Boden für eine neue Kombi-Gattung.

Seien es die großen französischen Vierzylinder-Break- und Familiale-Kombis (wie Citroen DS/CX oder Peugeot 504), die schon im Design ihren Nutzwertcharakter betonten oder die bei Karossiers gefertigten, nicht immer stilsicheren Kombiumbauten wie Crayfords Austin 3Litre oder die bei IMA gebauten Mercedes-Universal, sie alle konnten den Kombi nicht gesellschaftsfähig machen. Das galt auch für frühe japanische Kombis, die ohnehin vor allem auf den nordamerikanischen Markt zielten. Dort galten die Detroiter Country Sqiure, Vista Cruiser oder Station Wagon bis Mitte der 1970er Jahre als ultimative Familien- und Freizeitautos.

Trotzdem fühlten sich die wenigsten Amerikaner mit einem Kombi angemessen gekleidet, wenn sie etwa bei der New Yorker Metropolitan Opera vorfuhren. Genau das wollte Volvo mit dem 265 ändern, dem ersten Sechszylinder-Kombi des Unternehmens. Der Volvo 265 kombinierte die praktischen, familienfreundlichen Talente des kantigen Kastens 245 mit dem Komfort und dem Prestige eines Sechszylinders. Auch äußerlich war die enge Verwandtschaft des Volvo 265 mit der Vierzylinder-Version 245 auf den ersten Blick erkennbar. Immerhin erhielt das Kombi-Spitzenmodell ebenso wie die 264 Limousine einen repräsentativen Kühlergrill.

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Als Prototypen hatte Volvo einen ersten Nobel-Kombi bereits einige Jahre zuvor auf Basis des 1968 eingeführten Flaggschiffs 164 realisiert, aber nicht in Serie gehen lassen. Nicht nur, weil damals noch der Mut zu einem Kombi als Spitzenmodell der Marke fehlte, sondern auch weil der Radstand des 164 zu sehr differierte vom Volvo 145 und die Kosten für einen eigenständigen 165 zu hoch gewesen wären. Als Volvo jedoch die Baureihen 140/160 zum 240/260 weiterentwickelte, wurden die kostspieligen konstruktiven Unterschiede zwischen den Vier- und Sechszylinderbaureihen eliminiert. So war es jetzt ein leichtes, die Volvo-Limousine 264 auch als Kombi 265 anzubieten. Dennoch war Volvo vorsichtig, deshalb gab es anfangs nur eine einzige Ausstattung, die Basisversion Volvo 265 GL. Die luxuriös ausgestattete GLE-Linie wurde erst später nachgereicht, als sich der 4,90 Meter lange Transporter im feinen Businesszwirn bereits einen Namen gemacht hatte als kraftvolle Zugmaschine für Motorjachten und Motorsport. 1.900 Kilogramm Anhängelast, so viel schaffte kein anderer europäischer Kombi.

Werktags in die Firma und am Wochenende mit dem Racer auf dem Trailer zur Rennstrecke, das war es, was vielen wohlhabenden Amerikanern und Briten – Volvos zweitgrößter Exportmarkt – Freude bereitete. Der 92 kW/125 PS starke 265 war dafür das ideale Zugfahrzeug, zumal es ihn von Beginn an mit sanft schaltender Drei-Gang-Automatik gab. Auch in Deutschland fand der mit 28.900 Mark damals teuerste Volvo als Zugfahrzeug Fans, auch weil der Reitsport und die entsprechenden Pferdeanhänger gerade immer mehr in Mode kamen.

Dennoch lagen die  weltweiten Verkaufszahlen des Volvo weit hinter den Erwartungen, gerade einmal 8.100 Einheiten konnte Göteborg im ersten Jahren ausliefern. Woran lag’s? Weniger am rauen Lauf des Sechszylinders, der aus einer Kooperation zwischen Peugeot, Renault und Volvo hervorgegangen war. Auch die vergleichsweise bescheidenen Fahrleistungen früher Volvo 265 – Vmax 165-170 km/h, 0-100 km/h in 12 bis 13 Sekunden – störten die meisten Kombikäufer nicht ernsthaft. Schließlich gab es in Europa einzig den Ford Granada als V6-Alternative und die amerikanische V8-Konkurrenz war kaum schneller. Verschärfte Emissionsgesetze hatten die einst muskulösen Hubraumgiganten entkräftet, was angesichts des neuen 55-Meilen-Tempolimits jedoch nur wenige Autokäufer störte.

Problematischer waren dagegen die Premium-Positionierung des Volvo, an die sich die Kunden beiderseits des Atlantiks ebenso gewöhnen mussten wie an die stolzen Verkaufspreise des Nobelfrachters: 1976 kostete ein 265 in Deutschland genau so viel wie eine Mercedes-Benz S-Klasse. Eine der Oberklasse angemessene Ausstattung lieferte Volvo aber erst zum Modelljahr 1978 mit dem 265 GLE nach. Von der Klimaanlage, über Lendenwirbelstützen und Sitzheizung, Schiebedach, elektrisch einstellbare Außenspiegel und Fensterheber bis zum Hifi-System, der GLE ließ es an nichts fehlen. Hinzu kam mehr Dampf unter der Motorhaube. Ab Ende 1977 leistete der 2,7-Liter-V6 mit Bosch K-Jetronic 109 kW/148 PS, genug für 180 km/h Vmax. Noch schneller wurde der Volvo vier Jahre später mit 2,85 Liter Hubraum und 114 kW/155 PS Leistung. Allerdings musste er sich jetzt ersten ernsthaften Konkurrenten stellen. So konterte Mercedes seit 1977 mit dem T-Modell, Ford im selben Jahr mit einem neuen Granada Turnier, Opel Commodore Voyage und Vauxhall Viceroy Estate folgten 1981 und der Audi 100 Avant in Kombiform 1983.

In jenen frühen 1980er Jahren wartete der Volvo 265 jedoch bereits auf seine Ablösung, die der 1982 vorgestellte Volvo 760 andeutete. 1985 war es dann soweit: Das neue Spitzenmodell der Schweden nannte sich 760 Kombi-Limousine und zählte zu den Megastars des Genfer Salons. Zeit für den altgedienten Volvo 265, sich still und leise aufs Altenteil zurückzuziehen. Von dort aus konnte der Pionier der Premiumkombis dann in Ruhe beobachten, wie weit er seiner Zeit wirklich vorausgeeilt war. Dauerte es doch noch bis Mitte der 1990er Jahre, bis die meisten Marken wirklich im Konzert exklusiver Kombis mitspielten.

Volvo 265 GLE 1979 | Foto: Volvo

Volvo 265 GLE 1979 | Foto: Volvo

Chronik:

1968: Einführung des Sechszylinder-Modells 164. Erste Überlegungen zu einer Kombiversion dieses Volvo-Flaggschiffs

1972: VESC (Volvo Experimental Safety Car) feiert auf dem Genfer Salon Weltpremiere und inspiriert die Entwicklung der Modellreihe 240/260. Der VESC wird auch als Kombi-Prototyp entwickelt 

1974: Premiere der neuen Modellreihen 240 und 260. Anfangs sind drei Karosserievarianten im Angebot: 242, 244 und 245. Hinzu kommen die Typen 264 und der 265 als erster luxuriöser Volvo-Sechszylinder-Kombi, wahlweise mit 3-Gang-Automatik oder manuellem 4-Gang-Getriebe mit Overdrive

1975: Im August Vorstellung und Markteinführung des Kombis Volvo 265. Einführung des geregelten Drei-Wege-Katalysators für den amerikanischen Markt

1976: Die amerikanische Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA wählt den 240 als Referenzfahrzeug für die Definition künftiger Sicherheitsnormen. Fortan gilt die gesamte Baureihe 240/260 als „Sicherstes Auto der Welt“

1977: Auf der Frankfurter IAA präsentiert Volvo den 265 GLE, u.a. mit Volllederausstattung. Als Sonderausstattung gibt es eine dritte Sitzbank, die mit Sicherheitsgurten, Kopfstützen und Armlehnen ausgestattet ist. Die Motorleistung des Volvo 265 wird auf 109 kW/148 PS erhöht. Ebenfalls auf dieser IAA debütiert das erste Mercedes-Benz T-Modell auf Basis der Baureihe W 123

1979: Modellpflege zum Modelljahr 1980 in optischen und technischen Details. Erweiterte Serienausstattung, so ist die Zentralverriegelung Standard

1980: Zum Modelljahr 1981 erhalten 264/265 einen auf 2,85 Liter vergrößerten Motor mit mehr Drehmoment 

1981: Der ein millionste Volvo für Nordamerika, ein silberner 245, läuft in Göteborg vom Band. Volvo wird in den USA der größte europäische Importeur

1982: Volvo 760 wird designierter Nachfolger der Typen 260/265, die aber vorläufig weiterproduziert werden. Die Limousine 260 wird kurze Zeit später zugunsten des 760 eingestellt, der Kombi 265 wird umbenannt in 260. Die „Swedish Radio Communications Ltd“ erhält zum mobilen Kommunikationszentrum umgerüstete Volvo 265 mit Hochdachkarosserie im Stil des früheren Volvo 145 Express

1983: Erst im zehnten Produktionsjahr erlebt die 240er Baureihe ihr Allzeithoch mit einem Jahresausstoß von 234.300 Einheiten. Damals werden in Deutschland die letzten 33 Volvo 260 zugelassen

1985: Produktionseinstellung des Volvo 260 Kombi nach der Vorstellung des Nachfolgers 760 Kombi auf dem Genfer Salon

Wichtige Motorisierungen:

Volvo 265/260 mit 2,7- bzw. 2,8-Liter-Sechszylinder-Benziner (92 kW/125 PS bzw. 109 kW/148 PS bzw. 114 kW/155 PS)

Produktionszahlen:

Volvo 240/260: insgesamt 2.862.573 Einheiten (1974-1993), davon 959.151 Volvo 245/240 und 35.061 Volvo 265/260. Produktionszahlen Volvo 265/260 (Bezeichnung 260 ab 1982) nach Modelljahren: 8.108 Einheiten 1975-1976, 2.805 Einheiten 1976-1977, 4.815 Einheiten 1977-1978, 6.040 Einheiten 1978-1979, 6.481 Einheiten 1979-1980, 2.315 Einheiten 1980-1981, 1.918 Einheiten 1981-1982, 1.018 Einheiten 1982-1983, 857 Einheiten 1983-1984, 704 Einheiten 1984-1985.

Wolfram Nickel/SP-X




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