Ferrari F458 Spider - Irgendwo ist Sommer

Ferrari F458 Spider

Foto: Ferrari

Ferrari F458 Spider - Irgendwo ist immer Sommer

Dem Glücklichen schlägt keine Stunde. Und wer genügend Geld hat, dem ist auch das Wetter egal. Deshalb kann man den Ferrari 458 Spider zur Not auch mal im Spätherbst genießen. Zumal das Auto selbst mit geschlossenem Dach mehr Spaß macht als das Coupé.  

Sechs Grad, die Fahrbahn nass und die Sicht arg eingeschränkt – das soll das richtige Wetter für eine Fahrt mit dem Ferrari 458 Spider sein? Natürlich dürfte jetzt draußen auch die Sonne scheinen, dem Asphalt würde ein wenig Wärme nicht schaden und ein laues Lüftchen am Scheitel wäre schöner als der eisige Herbststurm, der heute schon bei Schritttempo durchs Cockpit pfeift.  Doch nur weil man für das Open-Air-Modell einen Aufschlag von 20.000 Euro bezahlt, muss man ja nicht gleich bei jeder Gelegenheit das Dach öffnen. Denn selbst mit geschlossener Haube macht der neue Spider mehr Spaß als das Coupé. Doch der frostige Schauer währt nur einen Gasstoß. Zwar ist die Klimaautomatik des Spiders genauso lausig wie das Navigationssystem, das mit dem Tempo des Ferraris partout nicht mithalten kann. Und den Schalter für die Sitzheizung haben wir zumindest auf unserer Testfahrt nicht gefunden. Aber kaum setzt sich der 458 wieder in Bewegung, beginnt im Fahrer ein Feuer zu glühen, das einem selbst Sibirien wie die Sahara erscheinen ließe. Der Drehzahlmesser schnellt in die hohen Tausender, die Doppelkupplung wechselt die Gänge blitzschnell und der Spider schießt voran, als gäbe es kein Morgen. Mit 419 kW/570 PS und bis zu 540 Nm schafft er es in 3,4 Sekunden von 0 auf 100, schon auf dem Beschleunigungsstreifen der Autobahn hat man locker 200 Sachen auf dem Tacho, und wenn sich die anderen noch mühsam einfädeln, jagt man schon mit über 300 km/h dem Horizont entgegen. Und die Autobahn ist nur die Ouvertüre. Die große italienische Oper spielt auf einer Landstraße, die gar nicht genügend Kurven haben kann. Pfeilschnell und messerscharf schneidet er durch die Provinz, verbeißt sich eisern in die Ideallinie und lässt sich mit fast traumwandlerischer Sicherheit bis ans Limit führen. Wen jucken da schon die 50 Kilo Mehrgewicht, die den Spider vom Coupé trennen, wenn das Manettino auf „Race“ steht, sich das Fahrwerk ganz steif macht, die Elektronik jeden Schaltvorgang mit einer Salve Zwischengas quittiert und die Lenkung so direkt wird, dass man den Wagen eher mit den Gedanken als mit der Kraft seiner Arme bewegt. Wo andere mit 80 Sachen schon ins Schwitzen kommen, behält man in diesem Tiefflieger auch bei 120 noch ruhig Blut. Und während der Vordermann noch auf eine lange Gerade zum Überholen wartet, wischt man mit dem 458 zwischen zwei Kurven mal eben an einer ganzen Kolonne vorbei. Den verdutzten Gesichtsausdruck der Überholten sieht man dabei gar nicht mehr. Denn bis die Augen beim Blick in den Rückspiegel wieder scharf gestellt haben, sind dort nur noch winzige Punkte zu erkennen. Schnell viel zu schnell bewegt man sich mit diesem Auto jenseits der guten Sitten und leicht auch jenseits der Legalität. Man kann deshalb schon fast von Glück sagen, wenn man am Ende der Testfahrt nicht ein paar Punkte mehr auf sein Konto in Flensburg gebucht hat. Aber jeder Spaß hat seinen Preis – und bei einem Auto wie diesem zahlt man den nicht nur in Euro und in Litern. Erst recht, wenn einem der Sound die Sinne raubt. Nach dem vergleichsweise braven und plötzlich ziemlich langweiligen California ist der 458 Spider schon das zweite Open-Air-Modell aus Maranello. Und es sieht ganz danach aus, als sollte es nicht dabei bleiben. Denn es ist gut möglich, dass auch der F12 demnächst seine Hüllen fallen lässt. Zwar steht im nächsten Frühjahr auf dem Genfer Salon erst einmal der Nachfolger des legendären Enzo. Doch für die IAA in Frankfurt brauchen die Italiener ja auch noch eine Neuheit. Und irgendwo ist schließlich immer Sommer.

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