Jaguar F-Type - Zurück zu alten Tugenden

Jaguar F-Type

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Jaguar F-Type - Zurück zu alten Tugenden

Er war der ungekrönte Schönheitskönig der IAA 2011 in Frankfurt – und jetzt feiert der Jaguar CX-16 in Paris sein Comeback als Serienmodell. Denn viel zu lange nach Ende des legendären E-Type besinnen sich die Briten endlich auf ihre Tradition als Sportwagenhersteller und fahren in einem knackig-kurzen Roadster mit Vollgas in die Zukunft. „Auf dieses Auto mussten wir lange warten“, spricht Firmenchef Adrian Hallmark den Jaguar-Fans aus der Seele, wenn er das Tuch vom neuen Zweisitzer zieht, der als F-Type nicht nur im Alphabet die Nachfolge des E-Type antritt. Jetzt allerdings ist das Warten bald zu Ende. Denn schon im Frühjahr soll der heiße Brite zunächst als Roadster und vermutlich ein Jahr später auch als Coupé in den Handel kommen. Und das zu Preisen, die mit 73.400 Euro eine vergleichsweise bürgerliche Basis haben: „Mehr Spaß als mit einem Aston Martin V8 Vantage für deutlich weniger Geld“, umreißt Hallmark die Positionierung

Er wollte zwar ganz bestimmt kein Retro-Auto zeichnen, sagt Designchef Ian Callum, der deshalb nur in den Rückleuchten ein direktes Zitat aus dem alten E-Type übernommen hat. Aber genau wie der E-Type von 1961 sollte der F-Type ein reinrassiger Sportwagen werden, der schlank und ohne Schnörkel auf der Straße steht. „Das Blech so eng wie möglich um die Technik zerren“, war deshalb das Leitmotiv für Callum, der bei 4,47 Metern Länge nicht umsonst 30 Zentimeter zum großen Bruder XK gut gemacht hat.

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So steht der F-Type tatsächlich schlank auf der Bühne und lockt mit den immer gleichen Reizen eines Sportwagens: einer endlos lange Haube, der Wespentaille und dem kurzen, knackigen Heck – das ist es, womit die Kundschaft bei Jaguar endlich wieder auf die Überholspur einbiegen möchte. Dass einem der F-Type dabei aus manchen Perspektiven verdächtig bekannt vorkommt, von vorn an den Maserati Gran Turismo und von der Seite an den BMW Z8 erinnert, muss man dabei schon in Kauf nehmen – schließlich gelten für alle Sportwagen die gleichen Schönheitsideale.

Musste Designchef Callum bei den anderen Baureihen oft Kompromisse machen, konnte er bei einem derart prestigeträchtigen Projekt einen gewissen Eigensinn durchsetzen – selbst wenn die Entwickler darunter ordentlich gestöhnt haben: Wie bei der Konkurrenz stört der Heckspoiler das Bild deshalb nur, wenn er unbedingt gebraucht wird. Damit die schlichte Flanke nicht unterbrochen wird, hat der F-Type Türgriffe zum Ausklappen, und für die Hohlkehle unter der messerscharfen Tornado-Linie mussten die Engländer eigens ein neues Alu-Pressverfahren entwickeln, erzählt Projektleiter Ian Hoban voller Stolz.

Auch innen geht der F-Type seinen eigenen Weg. Er nimmt Abschied vom TFT-Bildschirm hinter dem Lenkrad und dem Getriebewählrad auf dem Mitteltunnel: „Ein echter Sportwagen braucht richtige Instrumente und einen Knüppel fürs Getriebe“, sagt Callum und verspricht, dass man den Wagen damit buchstäblich gut in der Hand habe. Viel anderes wird einem allerdings auch nicht übrig bleiben. Denn wo der große Bruder XK bei aller Potenz den gemütlichen Gran Turismo gibt, geht es im F-Type spürbar enger zu. Da ist er einem Porsche Cayman näher als einem 911, den Hallmark zusammen mit den potenten Varianten von Mercedes SLK und BMW Z4 zu den wichtigsten Konkurrenten zählt.

Jaguar F-Type Foto: Jaguar

Unter dem Blech nutzt der F-Type allerdings alles, was die Marke an Errungenschaften zu bieten hat. Vom XJ zum Beispiel übernimmt er die Aluminium-Bauweise, die das Gewicht des Roadsters auf unter 1,6 Tonnen drückt und für ein entsprechend handliches Fahrgefühl sorgen soll. Vom XK kommt das teilweise aufpreispflichtige Adaptivfahrwerk. Und auch die Motoren kennt man aus anderen Modellen. An der Basis steht der neue Dreiliter-Kompressor, der aus seinen sechs Zylindern wahlweise 340 oder 380 PS schöpft. Und wer es richtig krachen lassen möchte, der bestellt den vom XKR bekannten V8-Motor. Fünf Liter und ein großer Kompressor garantieren 495 PS und machen ihn mit 4,0 Sekunden von 0 auf 100 und maximal 300 km/h gar vollends zum Porsche-Killer.

Wer die Briten angesichts dieser Motorisierungen nach dem Hybridantrieb der Frankfurter Studie fragt, der erntet kaum mehr als ein verständnisloses Kopfschütteln. Denn der elektrische Hilfsmotor war natürlich nur für die Show. Und außerdem muss sich der F-Type mit einem Verbrauch von bestenfalls 8,8 Litern auch als reiner Verbrenner nicht verstecken.

Mogelpackung, Effekthascherei und Studie statt Serie – über solche Fragen kann Designchef Ian Callum nur lachen. Denn anders als bei der Technik ist das Design eines Produktionsmodells der Messestudie selten so treu geblieben wie beim F-Type. Aber dafür hat Callum eine ganz einfache Erklärung: „Als wir die Studie gemacht haben, war das Serienauto schon längst fertig.“




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