Chevrolet wird 100

Chevrolet wird 100 – Rückblick auf eine bewegte Geschichte

Von Dietmar Stanka

Die Schweiz hat doch eine Autohistorie. Gut, nicht wirklich dort angesiedelt, aber sie hat mit Louis Joseph Chevrolet, der am 25. Dezember 1878 in La Chaux-de-Fonds im Kanton Jura geboren wurde, zumindest einen der bemerkenswertesten Automobilkonstrukteure hervorgebracht. Apropos Automobilherstellung in der Schweiz. Chevrolet baute tatsächlich einmal Autos in der Schweiz. Von 1936 bis 1968 verließen 26.858 Chevrolets die Werkshallen.

La-Chaux-de-Fonds, der Geburtsort von Louis ist bekannt für seine Uhrenindustrie. So kam es nicht von ungefähr, dass sein Vater als Uhrmacher tätig war. Aber die Geschäfte liefen schlecht, sodass der 11-jährige Louis arbeiten musste, damit seine Familie leben konnte. Der kleine Fahrrad- und Kutschenmechaniker wurde eines Tages in ein Hotel geschickt, um ein dampfgetriebenes Dreirad zu reparieren. Dieses gehörte niemanden anderes als dem Multimillionär Vanderbilt, der von der Arbeit des jungen Mannes so begeistert war, dass er Chevrolet in die USA lockte.

Louis Chevrolet © GM Company    -   Louis Chevrolet mit seiner berühmten Zigarette im Mundwinkel

American Dream

Bevor sich Chevrolet auf den Weg ins gelobte Land machte, absolvierte er in Paris einige  Ausbildungsstätten des Automobilbaus. Chevrolet arbeitete unter anderem bei Darracq, Mors und Hotchkiss und leistete sich mit dem dort verdienten Geld die Passage nach Kanada. Von dort zog es ihn wenige Monate später nach New York, wo er bei der berühmten Automanufaktur De-Dion Bouton tätig war. Nachdem diese Firma insolvent war, schlug sich Louis mit verschiedenen Jobs durchs Leben und heiratete Suzanne. Seine Begeisterung für Autos schlug sich auch in einer Karriere als Rennfahrer nieder. Bei dem „3-Miles-Race“ in New York stellte er 1905 mit einer Höchstgeschwindigkeit von 109,7 km/h einen Weltrekord auf. Diesen toppte er im gleichen Jahr mit einem von ihm entworfenen und gebauten Rennwagen, der in der Spitze mit 191,5 km/h gemessen wurde.

In der US-Presse wurde Chevrolet als „Dare-Devil Frenchman“ gefeiert, ein Schicksalsschlag ließ in jedoch einige Jahre später keinen Fuß mehr in einen Rennwagen setzen. Sein Bruder Gaston starb bei einem Rennunfall. Doch der Motorsport brachte den jungen Schweizer auch große Vorteile. Bei einem Rennen traf er auf den Finanzier William Durant, der 1908 General Motors gegründet hatte. 1911 wurde daraufhin die Chevrolet Motor Car Company in Detroit gegründet. Interessanterweise war es aber nicht nur das Talent von Louis, das Durant bewogen hatte, den Schweizer zu unterstützen, sondern vor allem sein wohlklingender französischer Name.

Zu Deinem Neuwagen

Im November 1911 rollte der erste Chevrolet namens „Classic Six“ aus der Werkshalle. Gefolgt von dem Vierzylinder „Baby Grand“, dem Zweisitzer „Royal Mail“ und dem „L Light Six“. Das Glück währte allerdings nicht lange. Die beiden Männer zerstritten sich wegen einer Banalität. Durant gefiel es nicht, wie Chevrolet seine Zigarette im Mundwinkel hielt und dieser Angriff verletzte den Automobilkonstrukteur so schwer, dass er sich mit den Worten: “I sold you my automobile, I sold you my name, but I shall not sell my personality to you,“ verabschiedete und das Werk für immer verließ. So kam es, das nur die Fahrzeuge, die zwischen 1911 und 1914 produziert wurden, die Handschrift von Louis Chevrolet trugen.

Chevrolet Neuwagen © GM Company     -  Der erste Chevrolet „Classic Six“ aus dem Jahre 1911

Der Rückzug von Louis Chevrolet schadete der Marke nicht. Durant setzte die Marke Chevrolet bereits damals mit den Synonym gute Qualität zu einem leistbaren Preis gleich. Louis kehrte zu seinen Wurzeln zurück und designte in seinem 1914 gegründeten Unternehmen Frontenac Automobile. 1926 konstruierte er mit seinem Bruder Flugzeugmotoren und sein letzter Coup war ein 10-Zylinder-Sternmotor. 1941 starb er in seinem Haus in Lakewood östlich von Detroit.

Das Markenzeichen

Der „Bowtie“ fand 1914 erstmals Platz auf einem Chevrolet. Die Legende erzählt diverse Geschichten über dieses Markenzeichen, das zu den bekanntesten in den USA und auch weltweit zählt. Drei Versionen geistern durch die Historie. Die Eine erzählt von einer Inspiration, die Louis Chevrolet von einer Tapete eines Pariser Hotels bekommen hat. Eine Weitere von einer Anzeige einer Kohlenfirma, die Durant in einer Tageszeitung entdeckt hat. Die Wahrscheinlichste ist von Durants Tochter überliefert. Sie berichtet, dass ihr Vater eines Abends das Logo auf eine Serviette gezeichnet hat.

Chevrolet wird 100 © GM Company      -  Louis Chevrolet im Rennwagen

Automobile Glanzlichter

Chevrolet baute in den fast 100 Jahren seiner Geschichte eine Vielzahl verschiedener Automobile. Kleinwagen und Lastwagen, luxuriöse Limousinen und Sportwagen verschiedenster Couleur. Mit einer Vielzahl von Innovationen für die preislich günstig positionierten Fahrzeuge gewann Chevrolet das Vertrauen der Kunden. Die gefährlich ausschlagende Anlasserkurbel wurde gegen einen elektrischen Starter ausgetauscht und die Scheinwerfer wurden mit elektrischem Licht ausgestattet. Bis 1922 wurden 1 Million Chevrolet verkauft, 1927 wurde diese Zahl in einem Produktionsjahr erreicht.

Der SUV, aus dem heutigen Straßenbild nicht mehr wegzudenken, ist eine Erfindung von Chevrolet. 1936 wurde der erste Suburban eingeführt. Ein multifunktionales Fahrzeug, das Platz für die ganze Familie sowie das Equipment für eine beliebte Sportart der damaligen Zeit, das Angeln, bot. Die konstruktive Basis bestand aus einem Truck-Chassis, auf der anstatt einer Ladefläche wie bei einem Pickup, eine Karosse für acht Passagiere aufgebaut wurde. 1957 bekam der Suburban erstmals einen Allradantrieb spendiert und heutzutage wird er als Vollhybrid angeboten.

Die 50er Jahre waren die Geburtsstunde der Corvette, einer der bekanntesten Sportwagenmarken dieser Erde. Die Ur-Corvette, noch mit einem Sechszylinder versehen, wurde rasch mit einem V8 ausgestattet, um der sportlichen Konkurrenz von Ford Paroli bieten zu können. In der Zeit der Musclecars wurde der Camaro geboren, der im Moment in einer Retrokarosse eine fulminante Renaissance erlebt.

Ende der 70er Jahre und Anfang der 80er Jahre war Chevrolet im Zeichen der Energieprobleme mit einem Kleinwagen am Start. Die Chevette, laut Car and Driver das problemloseste Auto, das bis zu diesem Zeitpunkt als Testwagen am Start war, eroberte den US-Markt. Mit dem Einstieg bei Daewoo und den daraus resultierenden Modellen setzte Chevrolet seit 2002 die Strategie mit Klein- und Mittelklassefahrzeugen fort.

Zukunftsaussichten

Chevrolet kann sich im Jubiläumsjahr 2011 im Licht des Erfolgs sonnen. Mit der Einführung des Volt beginnt nicht nur für diese Marke eine neue Ära der automobilen Fortbewegung. Die kleine Limousine Cruze bezeichnete Barack Obama Anfang 2010 als das Auto der Zukunft und mit dem klugen Mix aus Kleinwagen, Minivans und Kompaktwagen bis hin zu Sportikonen namens Corvette und Camaro ist Chevrolet für die Zukunft gut gerüstet.

Chevrolet Camaro Neuwagen © GM Company   - Camaro Cabrio – ab Frühling 2012 auch in Deutschland zu fahren

Dietmar Stanka   Aribonenstraße 1 b   D-81669 München




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