Porsche 911 Turbo Cabrio – Feiner Unterschied

                            Porsche 911 Turbo Neuwagen.de Foto: © D. Stanka

Porsche 911 Turbo Cabriolet – Der feine UnterschiedEin Fahrbericht von unserem Autoredakteur Dietmar Stanka

Sportwagen mit mehr als 500 PS sind meist auf Krawall gebürstet. Sei es durch eine Stealthfighter-Optik á la Lamborghini oder das kreischende Achtzylindergeheule eines Ferraris.

Ein Porsche 911 Turbo Cabriolet überzeugt dagegen mit vornehmer Zurückhaltung. Nix mehr mit riesigem Heckspoiler mit Gummilippe. Nix mehr mit Heckkotflügeln deren Maße das Auto in der Breite fast verdoppelten.Porsche 911 Turbo Neuwagen.de Foto: © D. Stanka Heute fährt der Flügel je nach Speed automatisch aus und die Kotflügel sind gerade einmal 28 mm breiter als beim Carrera. So sieht Contenance im Sportwagenbau aus. Unter der Haube fegt aber weiterhin der Sturm, der den Italienern den Wind gehörig um die Nase bläst.  

Form und Funktion

Das Porsche 911 Turbo Cabriolet zeigt sich geschlossen genauso elegant wie offen. Das eng anliegende Dach verschmilzt mit der Karosserie. Die großen vorderen Lufteinlässe zeugen genau wie die in hinteren Kotflügeln befindlichen von dem hohen Sauerstoffbedarf des 3,8-Liter-Biturbos mit 383 kW (520 PS). Die Radhäuser sind vorne mit 245ern und hinten mit 305ern auf 20 Zoll großen Felgen ausgefüllt. Auf Wunsch auch mit Zentralverschluss für 3.510,50 Euro Aufpreis (Serie Turbo S).Porsche 911 Turbo Neuwagen.de Foto: © D. Stanka Der Innenraum eines 911er, egal welcher Motorisierung überzeugt mit hoher Qualität, bester Verarbeitung und optimaler Ergonomie. Auf der hinteren Sitzbank ist nach wie vor Platz für zwei Menschen, entsprechende Verrenkungsmöglichkeiten vorausgesetzt. Ansonsten ist dieser Platz auch für längere Reisen zu zweit gut nutzbar, sozusagen als Ergänzung für das Kofferraumabteil im Bug.  

Fahrverhalten

Schlüssel rein und umdrehen. Röchelnd erwacht der Boxer aus seinem Nachtschlaf und mit dem einlegen des D-Modus des Porsche Doppelkupplungsgetriebes (PDK) rollt das 911er Turbo leise aus seiner Parkbucht in Richtung Tiefgaragenausfahrt. Im normalen Fahrbetrieb ist dieses Prachtstück von Automobil unauffällig leise. Das Klangerlebnis wird mit der Aktivierung des Sport oder gar des Sport+ Modus fulminanter. Erst dann wird die schiere Kraft auch hörbar. Die nächste Ampel naht, beim Halt wirkt die Start-Stopp-Automatik und lässt den Turbo schweigen. Runter von der Bremse und der Boxer kommt wieder in Schwung. Die Kombination aus Kraft und Effizienz führte zu einem erstaunlichen Ergebnis, was den Durchschnittsverbrauch während unserer Testzeiten betraf. Mehr als 2.000 km, davon mehr als 70 Prozent zum Teil sehr schnell gefahrene Autobahnabschnitte, quittierte der Bordcomputer mit etwas mehr als 13 Liter im Durchschnitt. Bei lockeren Cruising-Phasen über die Schwäbische Alb hinein nach Bayern kamen wir sogar auf unter 10 Liter.Porsche 911 Turbo Neuwagen.de Foto: © D. Stanka Leicht macht einem das unter anderem die ausgewogene Balance, die durch eine Vielzahl von Hochleistungskomponenten erreicht wird. Ein Beispiel ist die adaptive Aerodynamik mit dem mehrstufig ausfahrbarem Bugspoiler sowie dem in Höhe sowie Neigung verstellbarem Spaltflügel. PAA (Porsche Active Aerodynamics) steuert Frontspoiler und Heckflügel in drei grundsätzlichen Modi. Beim Start grundsätzlich eingefahren, was den vorne den Böschungswinkel auf 10,3 Grad und die Bodenfreiheit auf 156 mm erhöht, ist dieser Modus bis 120 km/h Standard. Darüber wird der Speedmodus aktiviert, sofern man nicht selbst über die Sport Plus oder die Aerodynamik-Taste eingreift. Dieser lässt die beiden äußeren Segmente per Luftdruck nach unten und den Heckflügel um 25 mm nach oben fahren. Im Performance-Modus, der den Abtrieb auf 132 kg erhöht, wird auch der Mittelteil der Frontlippe ausgefahren und der Flügel stellt sich auf eine Höhe von 75 mm auf und wird gleichzeitig um 7 Grad nach vorne angewinkelt. So justiert, verringert sich die Rundenzeit auf der Nürburgring-Nordschleife zum Speedmodus um 2 Sekunden! Einen weiteren Akzent in Richtung weiter verbesserter Fahrdynamik setzt die neue Hinterachslenkung. Diese ermöglicht auf der einen Seite bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h einen Wendekreis von 10,60 m, auf der anderen wird die Performance bei hohen Geschwindigkeiten durch das Einschlagen der Vorder- und Hinterräder in die gleiche Richtung drastisch erhöht. Ein gefühlt kleinerer Radstand beim Rangieren, ein größerer bei schneller Kurvenhatz.Porsche 911 Turbo Neuwagen.de Foto: © D. Stanka Hohe Geschwindigkeiten auf kurvenreichen Autobahnen durch Hunsrück und Eifel  konterte das Porsche 911 Turbo Cabriolet mit der Porsche Dynamic Chassis Control (PDCC) eindrücklich. Das variable Stabilisator-Programm, in der Aufpreisliste für 3.213 Euro zu finden, verringert die Wankneigungen bei sportlicher Fahrweise und lässt eine höhere Querbeschleunigung zu. Perfekt für dauerhaft schnelle Fahrten auch auf Rennstrecken, da mit diesem System auch die Belastung der Reifen geschont wird. Die 383 kW (520 PS) des normalen Turbo reichen aus. Die 412 kW (560 PS) oder 40 PS Unterschied sind selbst nach Aussage von Walter Röhrl fast nicht spürbar. Der preisliche dagegen schon. Bei dieser Betrachtung stehen 177.882 Euro 209.747 Euro gegenüber. Aber halt. Ausstattungsbereinigt müssen dem Turbo im direkten Vergleich rund 20.000 Euro aufgeschlagen werden. Denn der Turbo S leuchtet den Weg serienmäßig beispielsweise mit LED-Hauptscheinwerfern aus, für die man beim Turbo 2.130,10 Euro locker machen muss.  

Zu Deinem Neuwagen

Ausstattung

Porsche weiß sehr genau, dass so gut wie keines ihrer Fahrzeuge in der Basisausstattung vom Hof läuft. Das veranlasst die Verantwortlichen in Zuffenhausen viele nette Gimmicks nur gegen Aufpreis zu verkaufen. So ein 911 Turbo Cabriolet bringt allein schon aufgrund des wesentlich höheren Einstiegspreis gegenüber einem normalen 11er viel mehr mit. Dennoch ist es locker und leicht möglich, den Preis auf über 200.000 Euro zu schrauben. Es empfiehlt sich in jedem Fall, ausreichend Zeit und Muße bei der Konfiguration mitzubringen. Und auch den Mut das ein oder andere Detail wegzulassen.Porsche 911 Turbo Neuwagen.de Foto: © D. Stanka  

Fazit

12.000 Euro trennen das Cabriolet vom Coupé. Rennsportpuristen würden diese Summe wahrscheinlich lieber in die Keramikbremsen mit der Bezeichnung Porsche Ceramic Composite Brake (PCCB) investieren und dafür 9.186,80 Euro locker machen. Wir dagegen finden offen extrem cool. Weil das Turbo Cabriolet mit geschlossenem Dach auf einem ähnlich niedrigen Geräuschniveau agiert wie das Coupé. Und es geht nichts über die gute Laune, die entsteht, wenn man bei mehr als 300 km/h seine Nase in den frischen Wind stecken kann.Porsche 911 Turbo Neuwagen.de Foto: © D. Stanka

Technische Daten: Porsche 911 Turbo

Motor: 6-Zylinder-Boxer
 Getriebe: Siebengang-PDK Hubraum: 3.800 ccm Leistung in kW/PS bei xy U/min: 383 kW (520 PS)/6.000 – 6.500
 Max. Drehmoment: 660 Nm bei 1.950 – 5.000 Umdrehungen pro Minute
 Länge/Breite/Höhe: 4.506/1.880/1.292 in mm
 Radstand: 2.450 in mm Leergewicht: 1.665 kg
 Zul. Gesamtgewicht: 2.045 kg Kofferrauminhalt: vorne 115 l, hinten 160 l
 Bereifung: 245/35 ZR 20 vorne, 305/30 ZR 20 hinten
 Felgen: 8,5 x 20″ vorne, 11 x 20″  hinten Alu-Schmiederäder Beschleunigung: 3,5 Sekunden
 Höchstgeschwindigkeit: 315 km/h
 Tankinhalt: 68 l
 Kraftstoffverbrauch kombiniert: 9,7 Liter auf 100 km Preis: 177.882 Euro inkl. MwSt. Dietmar Stanka   Aribonenstraße 1 b   D-81669 München 




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