Citroen C4 Cactus – Auf dem Entenweg?

Citroen C4 Cactus Neuwagen Foto: © D. Stanka

Citroen C4 Cactus – Auf dem Entenweg?

Ein Fahrbericht von unserem Autoredakteur Dietmar Stanka

Gut möglich, dass Citroen schon lange nach einem legitimen Nachfolger des 2CV gesucht hat.

Wir meinen die Ente, Kultmobil der 68er-Generation, ebenso schräg und sich so manchmal mal auf die oder mal auf die andere Seite neigend. Nun sind Jahrzehnte vergangen und eine Ente ist heute ein echter Hingucker. Das ist der neueste Spross aus Frankreich auch, nur eben ganz anders und deshalb auch nicht vergleichbar. Auch allein schon deshalb, weil der C4 Cactus viel mehr Auto ist, als es der 2cV jemals war.

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Form und Funktion

Die Verwandtschaft zum größten Bruder der C4-Familie, dem Picasso, ist unverkennbar. Zumindest was die Front anbelangt. Das bullig wirkende Gesicht wird durch schmale Tagfahrlichtschlitze unterhalb der Motorhaube und den mit Airbumps umrahmten Hauptscheinwerfern geprägt. Airbumps? Tja, die sind neu im Automobilbau und stammen von einem deutschen Zulieferer. Halten Stöße aus, deshalb sind sie großflächig vor allem an den Türen und zudem noch am Heck zu sehen.

Die warzenartigen Erhebungen sind Luftkissen, die vor Beulen und Kratzern schützen sollen. Die Airbumps sind in vier verschiedenen Farben zu haben, jeweils passend zur Lackierung des C4 Cactus. Sie sind, so der Direktor der Presseabteilung von Citroen Deutschland, Stephan Lützenkirchen, farbecht und bleichen nicht aus, sodass man daran lange Freude haben sollte. Waren sie aber zu oft in irgendwelche Rempler und Parkplatz-Gefechte verwickelt, sind diese Airbumps austauschbar.

Der 4,16 m lange C4 Cactus wirkt größer als er tatsächlich ist. Das mag an der an einen SUV erinnernden Form liegen. Oder auch an den großen, mit Kunststoff ummantelten Radhäusern. Oder auch an dem schwebend aufgesetztem Dach. Dessen Krönung wiederum die Kufen-ähnlichen Dachträgerstreben sind. Die kurzen Überhänge sind ein weiteres Merkmal dieses Fahrzeugs, das mit einem Radstand von knapp 2,60 m höchsten Fahrkomfort verspricht.

Citroen C4 Cactus Neuwagen

Foto: © D. Stanka

Öffnet man die Türen des Citroen C4 Cactus zeigen sich die Sitzmöbel im Sofa-Design. Vorne scheint eine durchgehende Sitzbank montiert, hinten ist die Rückenlehne leider nur komplett umklappbar. Der Armaturenträger ist fast klinisch rein, zentrales Element ist der7 Zoll große Touchscreen, der sämtliche Bedientasten für Klimaanlage, Multimedia, Navigation und Fahrassistenzsysteme in sich vereint.

Vor der Nase sitzt das leider nur in der Höhe, aber nicht in der Länge verstellbare Lenkrad. Vielleicht auch ein Spareffekt zugunsten des Gewichts des C4 Cactus. Dieser soll, je nach Ausstattung und Motorisierung, bis zu 200 kg weniger als ein klassischer C4 wiegen. Dem Sparzwang ist zudem die Versenkbarkeit der hinteren Fenster zum Opfer gefallen. Nun sind es Ausstellfenster geworden, die auch im C1 zu finden sind. Gegen jeden praktischen Nutzen verstößt jedoch die Tatsache, dass die Rückbank nur komplett umgeklappt werden kann. Sparen hin oder her.

Fahrverhalten

Was ein typischer Franzose ist, zeigt sich oft in der Weichheit des Fahrwerks. Nun ist ein Federbett durchaus eine Referenz, die dem C4 Cactus recht nahekommt. Doch ist das Fahrgefühl nicht unangenehm. Es passt ganz einfach zum Charakter dieses Automobils und zu den angebotenen Motoren.  

Drei unterschiedlich starke Benziner von 55 kW (75 PS) bis 81 kW (110 PS) sowie zwei Diesel mit 68 kW (92 PS) bzw. 73 kW (99 PS) stehen zur Wahl. Wir sind bei der Pressevorstellung Ende Juli in München den PureTech 82 mit 82 PS und den PureTech 110 mit Stop&Start-Automatik gefahren. Beide mit der manuellen Fünfgang-Schaltung, die bei den beiden stärkeren Benzinern sowie dem 92-PS-Diesel auch mit der stufenlosen Automatik ersetzt werden kann.

Βei den Benzinern handelt es sich durch die Bank um 1,2-Liter-Dreizylinder, die in ähnlicher Konfiguration auch in anderen Fahrzeugen des PSA-Konzerns verbaut sind. Dies gilt selbstverständlich auch für die 1,6-Liter-Diesel-Motoren, die ebenfalls mit dem Stop&Start-System ausgestattet sind. Einzig das Einstiegsmodell des C4 Cactus mit 75 PS, das mit 13.990 Euro in der Liste steht sowie der PureTech 82 müssen auf dieses sinnvolle Zubehör verzichten.

Unbändige Fahrfreude mit durchdrehenden Rädern sowie ein wilde Kurvenhatz sollte man von dem C4 Cactus nicht erwarten. Er ist ein klassischer Cruiser, der sich in Städten genauso wohlfühlt wie auf gemütlich befahrenen Landstraßen. Ist man mit den stärker motorisierten Varianten unterwegs, sind auch Autobahnen ein gutes Revier. Schließlich erreicht der 110 PS starke C4 Cactus 190 km/h.

Citroen C4 Cactus Neuwagen

Foto: © D. Stanka

Ausstattung

Es ist schon ein bisschen Augenwischerei, was uns Citroen mit dem Einstiegspreis des C4 Cactus vorgaukelt. Der ganze Chic des Wagens nutzt doch alles nix, wenn so ein Auto auf Stahlfelgen steht. Oder keine Klimaanlage an Bord ist. Oder die Berganfahrhilfe weder für den PureTech 75, der ja auch nur in der Basisversion Start verfügbar ist, noch für den PureTech 82 zu bekommen ist.

Ergo ist auch die zweite Stufe des C4 Cactus namens Live nur für echte Fans dieses Fahrzeugs eine Möglichkeit. Cooler, weil auch mit Klimaanlage, wird es erst mit dem Feel, der mit 82 PS aber mindestens 16.290 Euro kostet. Wirklich interessant, weil dann unter anderem mit Leichtmetallfelgen, sinnvoller City-Kamera und hinterer Einparkhilfe, Bluetooth sowie einem Navigationssystem wird es mit dem Shine. Dieses rundum beste Angebot kostet immerhin schlappe 18.540 Euro.

Aber wie so oft hat man auch hier die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Schließlich gibt es ja noch das ein oder andere Zuckerchen, was man sich gern gönnen mag. Vielleicht ja die Shine+ Edition für 19.040 Euro. Oder aber eben das ganze mit 110 PS und dann 20.990 Euro kostend. Mit dem einen oder anderen Zubehörteil klettert der Preis auch gerne mal über 22.000 Euro, beim 92-PS-Diesel mit ETG werden dann sogar die 23.000 Euro geknackt.

Fazit

Die Franzosen trauen sich wieder was. Ein freches Auto mit einem relativ hohen Nutzwert und einem witzig-schicken Auftritt. Mutig auch die Preisgestaltung, der mit der damals ach so günstigen Ente gar nichts zu tun hat. Wobei der 2CV keinen Vergleich mit dem C4 Cactus Stand hält. Der Neue hat aber durchaus das Zeug, einen ähnlichen Kultstatus zu erreichen wie die Ente und damit auch für die Marke einen hohen Wert zu schaffen.

Citroen C4 Cactus Neuwagen

Foto: © D. Stanka

Technische Daten: Citroen C4 Cactus PureTech 110 Shine

Motor: Dreizylinder-Benziner

Getriebe: Fünfgang-Schaltung


Hubraum: 1.199 ccm


Leistung in kW/PS bei xy U/min: 81 kW (110 PS)/5.500


Max. Drehmoment: 205 Nm bei 1.500 Umdrehungen pro Minute

Länge/Breite/Höhe: 4.157/1.729/1.540 in mm

Radstand: 2.595 in mm


Leergewicht: 1.095 kg


Zul. Gesamtgewicht: 1.555 kg

Kofferraumvolumen: 358 l

Bereifung: 205/55 R 16


Felgen: 7 x 16″ Leichtmetall


Beschleunigung: 9,3 Sekunden

Höchstgeschwindigkeit: 190 km/h 


Tankinhalt: 50 l


Kraftstoffverbrauch Kombinierter Verkehr: 4,7 l auf 100 km


Preis: 20.490 Euro inkl. MwSt.

Dietmar Stanka   Aribonenstraße 1 b   D-81669 München




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