Citroën Cactus – eine runde Sache

Citroen Cactus Neuwagen

Foto: © Hans-Georg Fischer

Citroën Cactus – eine runde Sache

Ein Fahrbericht von Hans-Georg Fischer Zu Deinem Neuwagen

Die Franzosen haben mit dem Cactus ein Auto gebaut, das das Thema Automobil

auf sehr französische Art interpretiert: Vive la différence – es darf ruhig etwas Besonderes sein

Die Frage war: Was ist im Auto wirklich wichtig? Mark Lloyd, britischer Chefdesigner von Citroen und verantwortlich für den Cactus, den neuen Charmebolzen der Marke, erinnert im Gespräch an den 2CV, an das simpelste Auto überhaupt. Die Idee des Engländers war, nicht eine neue Ente zu entwerfen sondern ein Auto zu bauen, das den heutigen Anforderungen gerecht wird. Ein Auto, das in die Zeit passt, wenig verbraucht, sicher ist, und - ganz wichtig - einfach zu bedienen ist.

„ Wir haben uns von Dingen getrennt,“  so Lloyd, „die heute in vielen Autos eine Selbstverständlichkeit sind, die man aber eigentlich gar nicht braucht.“  Als da wären: Der Elektromotor für die Sitzverstellung, der elektrische Fensterheber hinten – weg damit. Geteilte Rückbank – nicht notwendig. Viele Hebel und Knöpfe am Armaturenbrett – zu kompliziert und lenken nur vom Fahren ab. Das Ergebnis: Back to the roots! Die Vordersitze werden per Hand fixiert. Im Cactus gibt es für die Fondpassagiere nur Ausstellfenster.

Citroen Cactus Neuwagen

Foto: © Hans-Georg Fischer

Das große Panoramaglasdach ist nicht zu öffnen. Die Rücksitzlehne lässt sich nur komplett umlegen. Sie ragt dann wie eine Sprungschanze in den Innenraum und vergrößert den 358 Liter großen Kofferraum. Ebener Ladeboden? Fehlanzeige.

Das Ergebnis dieser radikalen Schlankheitskur ist ein französisches Auto in der Golfklasse, 200 kg leichter als der normale C4. Ein neuer Spross der Citroen Familie: der 4,16 Meter lange C4 Cactus!

Er ist frech, witzig und hat viel Platz. Ein bunter Vogel in der Stadt, ein neues Gesicht, ein Hingucker ohne Zweifel. Rund ist der Franzose. Es gibt kaum Ecken oder Kanten, der Cactus ist ein harmonisches Modell und mit seinen breiten, weichen Plastikteile an den Türen ein typischer Franzose. AirBumps nennt Citroen diese auffälligen Schutzleisten, die mit etlichen Luftkissen bestückt sind. Sie sollen Kratzer oder Lackschäden vermeiden, die schnell mal durch die Autotür des Nachbarn, den Einkaufswagen oder den Fußball der Kinder entstehen.

Vier Modellvarianten (Start,Live,Feel,Shine) gibt’s beim Cactus. Komfortabel und fast so gemütlich wie auf Omas Sofa ist die Bestuhlung für Passagiere. Besonders die Version mit Sitzbank und Automatikgetriebe (Halbautomatik) macht die Sache richtig kuschelig, wäre da nicht die klobige Handbremse, die in ihrer Massivität besser in einen Schwertransporter passt als in den leichten Cactus.

Citroen Cactus Neuwagen

Foto: © Hans-Georg Fischer

Wie fährt er sich

Ausgesprochen bequem. In den Clubsesseln des Cactus schwebt man ruhig und gelassen über den Asphalt. Die Hektik der Großstadt scheint an den AirBams abzuprallen. Die einfache Bedienung aller Funktionen über lediglich sieben Menüpunkte am Bildschirm bestätigt die Philosophie von Mark Lloyd: „Weniger macht glücklich.“ Ein überschaubares Armaturenbrett bedeutet weniger Stress und mehr Sicherheit im Straßenverkehr. Große Außenspiegel und Fenster sorgen für eine gute Rundumsicht. Befeuert wird der Cactus mit drei Motorvarianten: Einem drei Zylinder eTHP Benziner mit 110 PS, einem Blue HDi  Dieselaggregat mit 100 PS, der laut Citroën nur 3,1 Liter verbrauchen soll und als Einstiegsmodell einen 82 PS starken Benziner. Kosten: ab 13.990 Euro.

Die Fahrtstrecke rund um Amsterdam hat den 110 PS Motor im Testwagen (Modell Feel ab 18.240 Euro) kaum beansprucht. Höchstgeschwindigkeit während der Testfahrt war 100 km/h. Der Verbrauch lag bei 5,9 Liter (Werk: 4,7 Liter), das ist für diese Route ohne die geringste Steigung sicher kein Spitzenwert. Einen Feinschliff sollte Citroen noch mal dem 5-Gang Schaltgetriebe gönnen. Die Schaltung hat lange Wege und wirkt etwas schwammig.

Citroen Cactus Neuwagen

Foto: © Hans-Georg Fischer

Fazit

Der Cactus ist ein Hingucker. Die auffällige Karosse mit den großen Schutzleisten, der poppigen Lackierung und den großen Scheinwerfern mit LED-Tageslicht machen den fröhlichen Franzosen ausgesprochen interessant. Der 5-Sitzer ist durchaus familienfreundlich. Das abgespeckte Armaturenbrett erleichtert die Bedienung des kompakten Franzosen. Die Sitze erinnern mehr an Sessel und bieten trotzdem erstaunlich guten Seitenhalt. Die Halbautomatik hat die typische Schaltpause, was nervt. Weil der Cactus so anders ist als seine PS-Brüder wird er sicher viele Liebhaber finden, zumal die Preise für das umfassende Angebot völlig in Ordnung sind.

Citroen Cactus Neuwagen Foto: © Hans-Georg Fischer

Technische Daten

Citroen Cactus 1,2 Liter PureTech e-THP / Modellvariante Feel

Motor: 3-Zylinder Benziner

Getriebe: 5-Gang manuell

Hubraum: 1.199 ccm

Leistung: 81 kW / 110 PS

Max.Drehmoment: 205 Nm

Länge/Breite/Höhe: 4.157 / 1.729 / 1.490 mm

Radstand: 2.595 mm

Leergewicht: 1.206 kg max.

Zul. Gesamtgewicht: 1.555 kg

Kofferraum: 348 (358 ohne Ersatzrad) / 1.170 umgelegte Rückbank

Reifengröße: 205/55 R 16 80T

Höchstgeschw. 190 km/h

Tankinhalt: 50 Liter

Verbrauch Kombiniert 4,7 Liter (Werk) 5,9 Liter Testfahrt

Start-Stop System

Effizienzklasse: B

Preis: ab 18.240 Euro

Hans-Georg Fischer, München

 

Website: www.autopraxistest.de    



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