Der Alfa Romeo Mito

Von Jochen Knoblach

Hersteller: Alfa Romeo; Modell: Mito

Mit seinem kleinsten Modell will Alfa Romeo den nach Grenzbereichserfahrung gierenden Alfisti-Nachwuchs ködern. Tatsächlich dürfte der Mito aber vor allem den designorientierten Zweitwagenkäufer erreichen.

Die Tachoskala trägt fett auf. 260 steht am Ende des Zahlenkranzes im linken chromgeränderten Rundinstrument. 260! Das ist ein wenig zu fett, aber es passt zu dem Auto, der Marke, den Machern und deren Hang zu Superlativen. Schließlich soll dieser Alfa Romeo Mito das «allersportlichste» Gefährt seiner Klasse sein. Das Auto für eine neue Generation von Alfisti. Für den Nachwuchs jener Gemeinschaft also, deren Mitglieder sich seit Jahrzehnten leidenschaftlich Automobilen hingeben, die nie perfekt, bisweilen nicht einmal gut, aber immer schön, eigen und für den Alfisti eben liebenswert waren. «Streicheleinheiten für die Karosserie» Schön ist auch der Mito, mit dem die Mailänder Fiat-Tochter hinabsteigt in die Vier-Meter-Liga. Nachdem der Alfa 166 in der Oberklasse versagte und sich ein Van gewissermaßen wegen Marken-Unverträglichkeit verbietet, versucht es die Marke nun also im Kleinwagengeschäft, wo der Mini seit einiger Zeit beweist, dass ein kleines Auto auch mit dem Gegenteil von praktisch und billig viel Erfolg haben kann. Natürlich parkt der Alfa in der Sportabteilung. Dafür ist der in Mailand (Milano) entworfene und in Turin (Torino) gebaute Mito vorn vielleicht zu pausbäckig geraten. Die Silhouette indes folgt ganz dem modernen Kleinwagen-Stil für den ambitionierten Lenker, und schließlich endet dieser Alfa in einem knackigen Heck mit markanten Leuchten, den «Streicheleinheiten für die Karosserie», wie Designer Manuel Diaz sagt.

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Überfrachteter Armaturenträger

4,06 Meter liegen zwischen dem Scudetto genannten Kühlergrill und der Heckschürze. Damit hat der Zweitürer zwar das Format eines Seat Ibiza ist aber doch ein wenig zu groß für die Kleinwagenliga und zu kurz für die Golf-Klasse. Da aber unter dem Blech der Grande Punto von Fiat steckt, ist die Klassifizierung eindeutig geklärt. Die Platzverhältnisse im Innenraum sind entsprechend. Dort ist man als Fahrer und Beifahrer gut aufgehoben. Die Sitze sind gut, die Gestaltung ist allerdings enttäuschend. Es gibt nicht die Spur jener Eleganz und jugendlichen Frechheit, mit der die Mito-Karosse zu reizen vermag. Der Armaturenträger ist wie ein Hundertwasser-Haus mit Bögen und Hutzen überfrachtet, die zudem mit einem Material beplankt wurde, das zweifelsfrei eine gewisse Ähnlichkeit mit dem hochwertigen Hightech-Stoff Karbon aufweist, zugleich aber den benachbarten Druckguss-Kunststoff noch billiger und trister wirken lässt als dieser ohnehin erscheint. Möglicherweise Geschmacksache, aber wenigstens gibt es an der Funktionalität nichts auszusetzen, wenn man die spärlich vorhandenen Ablagemöglichkeiten verzeiht. Das Lenkrad ist zweidimensional verstellbar. Die Instrumente sind gut ablesbar.

Sportlicher Anspruch

In der zweiten Reihe ist das Platzangebot akzeptabel. Jedenfalls dann, wenn man dort zu zweit sitzt. Zu dritt geht es freilich auch, allerdings wird es dann so eng, dass die drei Passagiere spätestens nach fünf Kilometern keine Geheimnisse mehr voreinander haben. Es hat schon seinen Grund, dass der Mito grundsätzlich ein Viersitzer ist. Wer den Fünfsitzer will, muss 180 Euro extra zahlen. Auch, wer auf eine geteilt umklappbare Rücksitzbank wert legt, um den schmalen und hinter einer hohen Ladekante versteckten Kofferraum mit 270 Liter Ladevolumen variabel erweitern zu können. Praktisch ist das nicht. Aber praktisch will dieser Alfa Romeo so wenig sein wie alle Alfas zuvor. Dieser Alfa will sportlich sein.

Gefühlte 120 PS

Deshalb wird er mit weniger als 95 PS nicht zu bekommen sein, wobei Alfas Verkaufsstrategen selbst diese Version schon jetzt als Ladenhüter deklarieren. Denn nach ihren Prognosen werden sich drei von vier Mito-Käufern für die mit einem 1,4-Liter-Turbobenziner bestückte 155-PS-Version entscheiden. Schön und sportlich. Wennschon, dennschon. Allerdings ist es mit dieser Sportlichkeit nicht weit her. Der Vierzylinder reagiert müde statt unmittelbar auf die Gasbefehle. Die Leistung liegt irgendwo bei gefühlten 120 PS. Zudem ist die Lenkung vergleichsweise gefühllos und das Fahrwerk unausgewogen hart. Deshalb ist der Mito kein schlechtes Auto, aber eben nicht das «allersportlichste» seiner Klasse. Kein Rundkurs-Sportler, sondern ein schicker Kleinwagen, der seine größten Herausforderungen vermutlich in den Haarnadelkurven zwischen zwei Parkhausebenen bestehen wird.

Ladenhüter als Verkaufsschlager

So ist es leicht eine Empfehlung zur Wahl des Motors zu geben. Drei gibt es. Der 120 PS starke und 17.950 Euro teure Diesel ist zwar sparsam (4,8 Liter), passt aber schwer zum Kulturerbe der Marke. Das ebenso teure 155-PS-Aggregat verlangt 6,5 Liter Super hält aber nicht, was es verspricht. Bleibt also die 1,4-Liter-Einstiegsversion mit 95 PS, die sich mit 5,9 Litern Super begnügt und für 14.700 Euro zu bekommen ist. Dafür gibt es sieben Airbags, ESP, ein Radio und attraktives Design. Das sollte auch den Alfisti-Nachwuchs befriedigen.




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