Mercedes A-Klasse
Die Mercedes A-Klasse vor dem Berliner Reichstag Foto: Mercedes
Abschied von Standgas und Leerlauf
Von Jochen KnoblachHersteller: Mercedes-Benz; Modell: A-Klasse
Mercedes hat seine A- und B-Klasse überarbeitet und bei der Gelegenheit auch gleich mit einer Automatik bestückt, die den Motor abstellt, wenn er nicht gebraucht wird. Was das System taugt, klärt unser Fahrbericht.
Es ist Zeit, Abschied zu nehmen. Zwei Begriffe werden aus dem allgemeinen Sprachgebrauch des Autofahrers verschwinden. Das Standgas und der Leerlauf verabschieden sich dorthin, wo bereits die Audio-Kassette, die Videothek und die Bildröhre warten. Vermissen wird man sie sicher nicht, da sie die Nutzlosigkeit schon im Wortstamm führen. Denn ein Automobil, das steht, ist zwar Auto, aber eben nicht mobil.
Nachzügler Mercedes
Das führte bereits in den frühen Neunzigerjahren bei VW zu der Schlussfolgerung, dass ein Motor nicht laufen muss, wenn er nichts zu tun hat, beispielsweise beim Halt vor einer roten Ampel. Danach geriet dieser Gedanke jedoch in Vergessenheit. Erst ein Jahrzehnt später erinnerten steigende Spritpreise und drohende CO2-Strafzölle die Branche an den Nutzen solcher Technik. Citroen reagierte bereits vor drei Jahren. Bei BMW wurde die Start-Stopp-Automatik vor einem Jahr in den Stand der Serienausstattung vieler Modelle erhoben. Auch Smart hat ein entsprechendes Fahrzeug im Programm - und nun auch Mercedes.
Übersichtlich - das Cockpit in der neuen A-Klasse Foto: Mercedes
Die Schwaben bringen das System in den überarbeiteten Modellen der A- und B-Klasse zum Einsatz, die man im Straßenbild allerdings nur schwer erkennen wird. Denn zumindest optisch hat sich nicht sehr viel verändert. Vermutlich ist an Chers Körper mehr geschehen als an der Karosserie dieser Autos. Das Entwicklungsprojekt für die Start-Stopp-Automatik wurde vor eineinhalb Jahren gestartet. Das war die Zeit, als noch nicht viel über Erderwärmung diskutiert wurde, in den Chefetagen der Automobilindustrie aber bereits klar war, dass das selbst gesetzte Ziel zur Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes nicht zu erreichen ist. Bei Mercedes wurde eine Task Force gegründet, um in kurzer Zeit ein effektives Start-Stopp-System für die A- und B-Klasse zur Serienreife zu bringen.
Zehn Millionen Entwicklungskosten
Stopp vor einer roten Ampel in der Mercedes A-Klasse Foto: Knoblach
Rund zehn Millionen Euro hat sich Daimler die Entwicklung kosten lassen, die dazu führte, dass nun in diesem 95 PS starken A 150 ein sogenannter Starter-Generator den herkömmlichen Anlasser sowie die Lichtmaschine ersetzt. «Wir wollten vor allem, dass unser System den Motor öfter abschaltet als das von BMW», erzählt Jörg Prigl, Chefentwickler der Baureihe. In jedem Fall aber funktioniert es: Kuppeln, Gang raus, bremsen, Fuß auf dem Pedal lassen, und die Nadel des Drehzahlmessers fällt auf den Nullpunkt, noch bevor das Auto wirklich steht. Bereits bei acht km/h ist Ruhe im Bug. Das macht die Sache ziemlich komfortabel, weil es wie beiläufig geschieht und man es eigentlich gar nicht merkt. Aber hier sieht Prigl, der Ingenieur, noch Reserven, möchte, dass der Motor bereits bei 15 oder 20 km/h ausgeht und man lautlos zum Stillstand «segelt». Spätestens im nächsten Frühjahr will er am Ziel sein. Schaltet die Ampel dann auf Grün, wird gekuppelt. Das ist für die Zündung das Startsignal, weshalb der blitzschnell und bemerkenswert sanft gestartete Motor bereits läuft, ehe der erste Gang eingelegt ist. Perfekt!
Spürbare Serienreife
Ein Blick in den Fond der A-Klasse von Mercedes Foto: Mercedes
Das System funktioniert so, wie man es sich wünscht: Es behindert nicht und verlangt keine Umgewöhnung. Das ist Serienreife, die man spüren kann. Dafür waren 175 Fahrzeuge in der sogenannten kundennahen Erprobung unterwegs und wurden von Mitarbeitern gefahren. Insgesamt 1,2 Millionen Kilometer legten sie zurück. Ein Ergebnis dieser Praxiserprobung: Um beim Einparken nicht mit unwillkommenen Stopps genervt zu werden, schaltet sich das Start-Stopp-System selbst ab, sobald der Rückwärtsgang eingelegt wird, und aktiviert sich ebenso selbstständig, wenn die Tachonadel im Vorwärtsgang die 15-km/h-Marke passiert. Respekt. Vor allem aber bringt es was. Der Durchschnittsverbrauch des A 150 sinkt um 0,4 auf 5,8 Liter Super je 100 Kilometer, womit auf jedem einzelnen Kilometer auch zehn Gramm CO2 vermieden werden. Und erfreulicherweise gibt es hier weniger Ausschlusskriterien als bei dem Start-Stopp-System von BMW, das beispielsweise nur bei Temperaturen über drei Grad Celsius funktioniert, was in einem Land mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von etwa neun Grad Celsius wenig effektiv ist.
Betriebswarmer Motor nötig
Eine solche Klausel gibt es im Benz-System nicht. Allerdings ist auch dort ein betriebswarmer Motor die Voraussetzung. Zudem darf es nicht wärmer als 28 Grad sein, weil dann die Klimaanlage läuft. Soll das Start-Stopp-System dennoch arbeiten, muss man die Klimaanlage ausschalten. Da wird dann Opferbereitschaft verlangt.
Die Seitenlinie der neuen A-Klasse steigt leicht nach hinten an Foto: Mercedes
Zudem verlangt Mercedes für das System, das ab Herbst für die 150er und 170er Modelle der mindestens 19.070 oder 23.443 Euro teuren A- und B-Klasse geliefert werden kann, 300 Euro extra. Doch spätestens im nächsten Frühjahr soll es in allen Benzinmodellen mit Handschaltung zur Serienausstattung gehören. Und dabei wird es vorerst bleiben. Die Kopplung an Dieselmotoren und Automatikgetriebe sei sehr aufwändig und daher erst für die Nachfolger von A- und B-Klasse vorgesehen. Die kommen allerdings erst in drei Jahren. Es wird also ein langer Abschied von Standgas und Leerlauf.
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