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Preiswerter Kompakt-SUV

Neuwagen-Test: Dacia Duster

Recht und billig

Montag, 4. Jun. 2018

Schon dem ersten Dacia Duster war sein Niedrigpreis kaum anzusehen, Generation zwei wirkt nun sogar noch schicker und teurer als der erfolgreiche Vorgänger. Nur ein paar Details muten immer noch billig an.

Viel Auto fürs Geld

Das Wörtchen „billig“ hat in den vergangenen Jahrhunderten einen negativen Beiklang bekommen. Dass man es früher nicht nur abschätzig, sondern auch in der gut gemeinten Formulierung „recht und billig“ verwendet hat, fällt einem spätestens dann wieder ein, wenn man zum ersten Mal im Dacia Duster Platz nimmt. Denn das Kompakt-SUV von Renaults rumänischer Budget-Tochter ist ein durchwegs angemessenes Angebot, wie man heute wohl eher sagen würde. Zu Preisen ab 11.500 Euro gibt es nämlich ziemlich viel Auto.

Der Dacia Duster bleibt das günstigste Kompakt-SUV mit Allradantrieb
Der Dacia Duster bleibt das günstigste Kompakt-SUV mit AllradantriebFoto: Dacia

Unter der Design-Armut der ersten Dacia-Modelle der Neuzeit hat der Duster eh nie gelitten. Verglichen mit dem schmucklosen ersten Logan von 2004 war das sechs Jahre später erschienene Kompakt-SUV schon ein echtes Schaustück. Generation zwei hat nun ohne allzu offensichtliche Eingriffe die gestalterische Qualität noch einmal erhöht, etwa mit dem neu verchromten und vergrößerten Kühlergrill, breiteren Radkästen und den roten LED-Rückleuchten mit eingelassenen weißen Kreuzen. Äußerlich zählt der Rumäne sicher zu den stimmigsten Erscheinungen im mittlerweile überbevölkerten Segment der Allround-SUVs.

Das Design ist aus einem Guss
Das Design ist aus einem GussFoto: Dacia

Innenraum

Der Innenraum kann das Niveau nicht ganz halten, hat aber längst nichts mehr mit der Hartplastikwüste früherer Dacia-Modelle zu tun. Sogar hinterschäumter Kunststoff findet sich mittlerweile, gegen Aufpreis gibt es auch noch zusätzlichen Zier-Chrom. Möglicherweise bewusst schmucklos wurde die Grafik des optionalen Multimedia-Systems gehalten, das sich eng am System von Vollpreis-Anbieter Renault orientiert, funktional aber durchaus in Ordnung geht. Einziger echter Nerv-Punkt: Nach dem Rückwärtsausparken bleibt das Bild der Rückfahrkamera noch etliche Sekunden auf dem Bildschirm, so dass Navi oder Radio nicht bedient werden können. Wer aufgrund der ordentlichen Übersicht auf den Einparkhelfer verzichtet, hat dieses Problem aber gar nicht erst. Und freut sich stattdessen möglicherweise an dem vorne wie hinten guten Raumgefühl des mit 4,34 Metern im Konkurrenzvergleich kurzen Kompakt-SUVs. Auch der 376 Liter große Kofferraum lässt sich durchaus sehen.

Am Heck gibt es schicke LED-Leuchten
Am Heck gibt es schicke LED-LeuchtenFoto: Dacia

Dass Dacia bei seinem ein Billig-SUV auch sparen muss, fällt nur an wenigen Details auf. Das erste fühlt man allerdings leider schon beim Einstieg: die wackelig wirkenden Türgriffe in der längst überholten Klappen-Bauweise. Keine schöne Begrüßung. Lässt man sich danach in den Sitz fallen, hebt das nicht unbedingt die Stimmung. Im Kleinwagen Sandero wäre das Gestühl spitze, in einem Auto mit Langstrecken-Anspruch ist es wegen seines an Sitzfläche und Lehne zu knappen Zuschnitts allenfalls Mittelmaß. Punkt drei fällt nach dem Starten des Motors auf: Die Dämmung des Innenraums wurde zwar nicht komplett weggespart, ist aber hörbar dünner als bei anderen Kompakt-SUV.

Der Duster zählt zu den kürzeren Kompakt-SUV
Der Duster zählt zu den kürzeren Kompakt-SUVFoto: Dacia

Motorisierung

Der Motor des Testwagens ist ein altbewährter Bekannter aus zahlreichen Renault-, Nissan- und sogar Mercedes-Modellen, der 1,5-Liter-Diesel mit 80 kW/109 PS. Kein Durchzugs-Wunder, aber laufruhig und ausreichend sparsam. Knapp sechs Liter genehmigte sich der Duster im Schnitt, ein Liter mehr als versprochen. Das ist nicht besonders viel, der nur 50 Liter große Tank ist trotzdem ruckzuck leer. Auch in dieser Hinsicht ist der Duster also kein Langstreckenauto. Ohne den automatisch zuschaltenden Allradantrieb würde es vielleicht noch ein wenig sparsamer und ein Stück weiter gehen. Die Traktionsförder-Technik ist in diesem Fall aber nicht nur modische Beigabe, sondern wirklich nützlich. Der robuste Rumäne kommt mit seiner hohen und übersichtlichen Karosserie im Gelände weiter als die meisten City-SUV mit Allradantrieb.

Der Unterfahrschutz ist nur angedeutet
Der Unterfahrschutz ist nur angedeutetFoto: Dacia

Wer explizit ein Langstreckenauto sucht, findet angesichts von mäßiger Dämmung, kleinen Sitzen und unterdimensioniertem Tank sicher bessere Modelle. Wer einen günstigen Allrounder will, wird bei gleichem Investitionsvolumen allerhöchstens auf Gebrauchtwagenmarkt fündig. Die Variante mit Allradantrieb und Dieselmotor gibt es ab 17.600 Euro, und selbst der üppig ausgestattete Testwagen mit Ledersitzen, Navigationssystem und Klimaautomatik kostet nur gut 21.000 Euro. Das ist sowohl im heutigen als auch im althergebrachten Wortsinn: billig.

Das Cockpit wirkt nicht billig
Das Cockpit wirkt nicht billigFoto: Dacia

Dacia Duster – Technische Daten

  • Fünftüriges, fünfsitziges SUV,
  • Länge: 4,34 Meter,
  • Breite: 1,80 Meter (Breite mit Außenspiegeln: 2,05 Meter),
  • Höhe: 1,62 Meter (mit Dachreling 1,69 Meter),
  • Radstand: 2,67 Meter,
  • Kofferraumvolumen: 445 - 1.478 Liter (Allrad 376 - 1.501 Liter)

dCi 110 4x4: 1,5-Liter-Vierzylinder-Turbodiesel,

  • 80 kW/109 PS,
  • maximales Drehmoment: 260 Nm bei 1.750 U/min,
  • manuelles Sechsganggetriebe,
  • Allradantrieb,
  • Vmax: 169 km/h,
  • 0-100 km/h:12,4 s,
  • Durchschnittsverbrauch: 4,7 l/100 km,
  • CO2-Ausstoß: 123 g/km,
  • Abgasnorm: Euro 6,
  • Effizienzklasse B,
  • Preis: ab 17.600 Euro.

Holger Holzer/SP-X