Ford Fiesta ST200 – Voll im Jagdfieber

Ford Fiesta ST200 in den Alpen

Keine Graue Maus

Ein Fahrbericht von unserem Automobilredakteur Dietmar Stanka

Eines gleich mal vornweg. Eine graue Maus ist der Ford Fiesta ST200 ganz und gar nicht. Auch wenn er in dem vermeintlich tristen Asphalt-Grau lackiert ist. Eine Farbe, die im Moment bei sportlichen Fahrzeugen der Oberklasse in ist. Da sticht der kleine Ford Fiesta ST200 mehrfach heraus. Erst einmal mit einem echten Kampfpreis von 24.840 Euro und dann noch mit seinem unglaublich frechen Auftritt.

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Exterieur und Interieur

Der Fiesta ST200 ist ausschließlich als Dreitürer zu bekommen. Gut so. Denn neben dem Asphalt-Grau, rot lackierten Bremssätteln und dem ST200-Badge auf dem Kofferraumdeckel sieht ihm keiner die 16 PS mehr an. Ach ja, wem das Grau nicht schmeckt, kann Frost-Weiß für 150 Euro oder Iridium-Schwarz Mica für 565 Euro Aufpreis wählen.

Nach dem Öffnen der Türen fallen einem vor allem bei Dunkelheit die beleuchteten Einstiegsleisten mit dem ST-Logo auf. Viel wichtiger als dieser Schnickschnack sind jedoch die wunderbar geschnittenen Recaro-Sitze vorne. Seitlich ein bisschen beledert, sind die Teile genau das richtige Element im ST200 um den darin sitzenden Körpern bei der ordentlichen Querbeschleunigung Halt zu geben.

Ford Fiesta ST200 innenraum

Den Mantel des Schweigens lege ich über die mit Schaltern und Tasten überhäufte Mittelkonsole. Vielleicht wurde solch ein Überangebot irgendwann mal als cool angesehen. Der Ergonomie und damit der Bedienerfreundlichkeit ist es eher abträglich. Genau wie das Mäusekino-große Display, in dem vom Radio über das Navi bis hin zum Telefon alles an Infos bereitgehalten wird. Aber es kommt ja 2017 ein neuer Fiesta, in dem alles besser gemacht werden soll.

Fahrleistungen

Im Fokus meiner Betrachtungen liegen schließlich nicht die profanen Dinge einer – zumindest anfangs – umständlichen Bedienung, sondern die herausragenden Fahrleistungen dieses ultimativen und äußerst preiswerten Kompaktsportlers. 147 kW (200 PS) so auf die Vorderachse zu stemmen, dass bei heftiger Beschleunigung nicht nur meterlanger Gummiabrieb auf der Straße verbleibt, war schon immer eine Kunst bei Ford.

Ich denke allein an den Ford Focus RS500, der sogar mit 350 Pferdchen eine ordentliche Traktion auf der Vorderachse zuließ. Das Geheimnis der guten Traktion ist die aktive Fahrdynamikregelung Enhanced Torque Vectoring Control (ETVC). Eines der wesentlichen Ziele dieses Systems ist die Verbesserung der zügigen Herausbeschleunigung aus Kurven und zudem die Vermeidung des lästigen Untersteuerns.

Dies wird durch das Einbremsen des kurveninneren Rades erreicht, gleichzeitig gepaart mit der Weiterleitung der Antriebskraft auf das äußere Rad. Dadurch zieht sich der Ford Fiesta ST200 perfekt aus der Kurve und streckt dabei sogar seinen Hintern seitlich raus. Fast so, als würde man nicht in einem an der Vorderachse, sondern einem an der Hinterachse angetriebenen Automobil sitzen.

Die Beschleunigung des kleinen Rackers ist mit 6,7 Sekunden nicht von schlechten Eltern. Gegenüber dem Fiesta ST mit 182 PS, den ich 2013 testen durfte, wuchs das Drehmoment um satte 20 Prozent auf 290 Nm. Gewachsen ist zudem die Fahrfreude mit dem ST200. Jedes einzelne Pferdchen mehr ist spürbar und verströmt eine Agilität, wie es nur mit Fahrzeugen dieser Größe erlebbar ist.

Ford Fiesta ST200 Sitze

Auch wenn ich wegen der auf 210 km/h begrenzten Winterreifen nur ansatzweise in Richtung der angegebenen Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h gekommen bin, wurde deutlich, wieviel Kraft in dem 1,-6-Liter-Turbo steckt. Beeindruckend ist auch die für das Überholen auf Landstraßen wichtige Beschleunigung von nur 5,2 Sekunden von 50 auf 100 km/h und das sogar im vierten Gang. Mit dem Overboost, der für bis zu 20 Sekunden 215 PS und 320 Nm abrufen kann, sind solche Werte natürlich kein Wunder.

Bei allem Vorwärtsdrang ist auch das Bremsen wichtig. Deshalb montierte Ford dem Fiesta ST200 278 Millimeter große Bremsscheiben an der Vorder- und 253 Millimeter große Scheiben an der Hinterachse. Im Vergleich zum klassischen Fiesta verfügt der ST200 zudem über einen größeren Tandem-Hauptbremszylinder.

Wer mit solch einem Flitzer dieses Segments unterwegs ist, weiß um den Verzicht auf erhöhten Fahrkomfort. Der kurze Radstand von 2,49 Metern und das modifizierte Sportfahrwerk mit der um 27 Prozent verwindungssteifer ausgelegten Drehstabfederung der Hinterachse, ist keine Ausgeburt sanften Reisens. Bodenwellen schlagen vor allem auf schnell gefahrenen Autobahnten ungefiltert durch, eine stabile Bandscheibe und fest sitzende Plomben sind daher angebracht.

Im eigentlichen Revier des Ford Fiesta ST200, den Landstraßen sowie den Pässen und Bergstrecken in den Alpen, ist die Fahrwerksabstimmung dagegen aller erste Sahne. Mit technischen Leckerbissen wie eine präziser und direkte Rückmeldungen gebenden elektro-mechanischen Lenkung sowie gekürzten Lenkarmen, speziellen Achsschenkeln und einem Querstabilisator mit 21 mm Durchmesser.

Der Verbrauch orientiert sich wie immer an der Fahrweise. Lockeres Cruisen benötigt deutlich unter 7 Litern, Vollgasfahren auf der Autobahn schluckt 10 und mehr Liter. Wird gerade im Stadtverkehr oder auf Landstraßen auf die Schaltpunktanzeige geachtet, mutiert der Fiesta ST200 sogar zum Spritsparer und benötigt weniger vom teuren Saft als so manches Wägelchen mit geschrumpften Dreizylinder-Motörchen.

Die gut abgestimmten und effizient arbeitenden Dreizylinder von Ford nehme ich aus dieser Betrachtung heraus. Zumal mit der neuen Generation der Fiesta-Familie auch der ST mit einem Dreizylinder-Turbotriebwerk und 200 PS an den Start geht. Wer aber auch Vierzylinder steht, sollte schnell noch beim ST200 zugreifen.

Ford Fiesta ST200 Seitenansicht

Versionen und Ausstattung

Der Ford Fiesta ST200 kommt nahezu komplett ausgestattet auf die Straße. Die Recaros sind beheizbar, die Klimaautomatik kann aufgeheizte Gemüter besänftigen, gedreht wird an einem von Leder umhüllten Multifunktionslenkrad und gerollt wird auf 17 Zoll großen Leichtmetallrädern im 5-Loch-Design. Natürlich nicht im Winter, deshalb sind auf den Fotos andere Felgen zu sehen, die mit entsprechend grobstolligen Pneus versehen sind.

Serienmäßig ist der ST200 mit dem Leder-Sport-Paket ausgestattet, das unter anderem ein Audiosystem von Sony beinhaltet, das gegen einen Aufpreis von 430 Euro zum Navi mutiert. Legt man sinnvollerweise 195 Euro mehr auf den Tisch des Ford-Händlers wird zudem noch DAB/DAB+-Radio-Empfang geliefert. Schade ist nur, dass sich für den Fiesta ST kein Xenon-Licht in der erfreulich kurzen Aufpreisliste findet.

Kurz zurück Audiosystem von Sony, das automatisch über FordSYNC und AppLink verfügt. Damit ist man im Ford Fiesta ST200 über ausgewählte Smartphone-Apps bestens vernetzt und kann zudem per Sprachsteuerung das Telefon, Speichermedien, Musik sowie SMS mit Sprachbefehlen steuern.

Fazit

Mit diesem Fiesta hat sich Ford selbst übertroffen. Die Jagd ist eröffnet, um sich noch schnell ein Exemplar der Ford Fiesta ST200 zu sichern. Asphaltgrau natürlich und mit diesem Anstrich weit weg von Mausgrau. Ungetrübter Fahrspaß für relativ kleines Geld und noch dazu ein wendiger Geselle für die engen Innenstädte. Rasend schnell auf der Autobahn und perfekt in engen Kurven.

Ford Fiesta ST200 im Schnee

Technische Daten: Ford Fiesta ST200

Motor: 4-Zylinder-Benziner

Getriebe: Sechsgang-Schaltung

Hubraum: 1.597 ccm

Leistung in kW/PS bei xy U/min: 147 kW (200 PS)/6.000

Max. Drehmoment: 290 Nm bei 2.500 bis 4.000 Umdrehungen pro Minute

Länge/Breite/Höhe: 3.969/1.764/1.468  in mm

Radstand: 2.489 in mm

Leergewicht: 1.163 kg

Zul. Gesamtgewicht: 1.780 kg

Kofferrauminhalt: 295 – 979 l

Bereifung: 205/40 R 17

Felgen: 7 x 17″ Leichtmetall

Beschleunigung: 6,7 Sekunden

Höchstgeschwindigkeit: 230 km/h

Tankinhalt: 48 l

Kraftstoffverbrauch Kombinierter Verkehr: 6,1 l auf 100 km

Preis: 24.840 Euro inkl. MwSt.

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Alle Fotos: © D. Stanka

Dietmar Stanka Aribonenstraße 1 b D-81669 München




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