Kleinster Landy ganz groß

Dienstag, 14. Mär. 2017

Land Rover Discovery Sport Ein Fahrbericht von unserem Automobilredakteur Dietmar Stanka Sehe ich mir heute den Land Rover Discovery Sport an und vergleiche ihn mit seinem vermeintlichen Vorgänger Freelander, tun sich Welten auf. Der kleinste Vertreter in der Land Rover Familie ist dem luxuriösen Range Rover näher als je zuvor.

Land Rover Discovery Sport

Ein Fahrbericht von unserem Automobilredakteur Dietmar Stanka

Sehe ich mir heute den Land Rover Discovery Sport an und vergleiche ihn mit seinem vermeintlichen Vorgänger Freelander, tun sich Welten auf. Der kleinste Vertreter in der Land Rover Familie ist dem luxuriösen Range Rover näher als je zuvor. Vor allem in der von mir im Dezember 2016 gefahrenen Top-Ausstattung HSE Luxury.

Was dann aber auch für die Preisgestaltung gilt. Dieser von mir über zwei Wochen ausführlich getestete Discovery Sport kostet mit all seinen Annehmlichkeiten satte 68.664 Euro.

Exterieur und Interieur

Mögen sich so manche Hersteller im Design einer Art Beliebigkeit gefallen, so bleibt Land Rover trotz aller technischen Fortschritte seinem Äußeren treu. Die hohe Front leicht abgeflacht und mit großen Lettern der Typ genannt. Die gleiche Beschriftung gilt auch für das Heck des Discovery. Der vordere Teil dieses Land Rovers erinnert mich immer ein klein wenig an den Range Rover Evoque. Kein schlechtes Zeichen, ist der Evoque doch ein echt cooler Typ.

Der aber im Gegensatz zum Land Rover Discovery Sport deutlich weniger Platz bietet. Der eine ist halt ein Lifestyler, der andere eher der Naturbursche mit viel Raum und dem echten Habitus eines Geländewagens. Auf knapp 4,60 Meter Länge lassen sich übrigens bis zu sieben Personen transportieren.

„Konzept 5+2“ genannt, ist die 1.632 Euro (Pure) bzw. 1.326 Euro (SE, HSE, HSE Luxury) teure Option sind bei Nichtgebrauch die hinteren beiden Sitze so platzsparend im Wagenboden verstaut, dass kein Fitzelchen des Kofferraumvolumens von 541 Litern verloren geht.

Noch einmal kurz zurück zur Vorderansicht des neuen Land Rover Discovery Sport. In dieser ist ein Fußgänger-Airbag verbaut, der bei einem Aufprall eines erwachsenen Menschen über Drucksensoren ausgelöst wird. Sollte dieser Kontakt bei einer Geschwindigkeit zwischen 24 und 48 km/h passieren, entfaltet sich in 60 Millisekunden ein an der Basis der Windschutzscheibe montierter Airbag. Auch ein Grund, warum der Disco Sport fünf Sterne im Euro NCAP Test abgesahnt hat.

Im sauber verarbeiteten Innenraum ist Ergonomie angesagt. Neben analogen Rundinstrumenten ist das InControl Touch Infotainment-System mit acht Zoll großem Touchscreen der Dreh- und Angelpunkt im neuen Land Rover Discovery Sport. Intuitiv bedienbar zeigt es über vier Ebenen den Weg hinab in die einzelnen Menüs. Ergänzt mit den InControl Apps und einem WLAN-Hotspot, der bis zu acht Geräte verträgt, ist dieses System auf der Höhe unseres vernetzten Zeitalters.

Fahrerlebnis

132 kW (180 PS) scheinen ausreichend. Vor allem, wenn man sich die Einstiegsmotorisierung mit 110 kW (150 PS) betrachtet. Die Ingenium genannte Diesel-Motorenfamilie aus dem Hause Land Rover verfügt über 2 Liter Hubraum und über 380 respektive 430 Nm. Gute Werte für den mehr als 1,8 Tonnen schweren Land Rover Discovery Sport, die auch in der Praxis überzeugen.

In allen Allradversionen des Discovery Sport ist "Terrain Response" integriert. Die Steuerung sämtlicher Fahrzeugsysteme erfolgt über bis zu fünf Fahrprogramme. "Normal", "Gras/Schotter/Schnee", "Schlamm" und "Sand" sowie der optionale "Dynamic"-Modus, der für den regulären Straßenbetrieb seine Vorteile hat.

Mit der aus den größeren Geschwistern der Marke bereits bekannten “All-Terrain Progress Control“ (ATPC) wird das Fahren auf extrem rutschigen Untergrund noch sicherer. Bei einem voreingestellten Tempo zwischen 1,8 und 30 km/h kann sich der Fahrzeuglenker ganz und gar auf seine Manöver konzentrieren. Egal ob im Vorwärts- oder Rückwärtsgang und nur 281 Euro kostend.

Selbst für den HSE Luxury, wie auch für alle anderen Versionen, ist neben der in meinem Testwagen verbauten Neungang-Automatik von ZF in Friedrichshafen auch ein leichtgängiges manuell zu schaltendes Sechsgang-Getriebe bestellbar. Immerhin 2.400 Euro günstiger, aber bei weitem nicht so komfortabel.

Apropos Komfort. Das Fahrwerk des neuen Land Rover Discovery Sport vereint eine harmonische Symbiose zwischen dem wohl am häufigsten stattfindenden Fahren aus asphaltierten Straßen und dem Räubern im Gelände. Jahrzehntelange Erfahrung ist doch noch nicht zu ersetzen.

Wirklich zurückgeben wollte ich den Land Rover Discovery Sport nicht. Auch wenn er mächtig wirkt, ist er mit seinen durchaus noch kompakt zu nennenden Maßen ein wendiges und äußerst agiles Automobil. Zudem hielt er sich auch beim Verbrauch zurück. Zwischen 6 und 8 Litern konsumierte der Disco Sport. In Anbetracht eines Gewichts von um die 1,9 Tonnen und kalten Temperaturen durchaus akzeptabel.

Varianten und Modelle

Preislich betrachtet, bewegt sich der neue Land Rover Discovery Sport in luftigen Regionen. Es darf aber nicht verkannt werden, dass in dem teuersten Ausstattungspaket HSE Luxury nahezu die gleichen Gefühle aufkommen, wie in einem Range Rover. Gut nur, dass dieses Modell in weiteren Versionen angeboten wird, die wesentlich günstiger und dennoch nicht weniger gut sind.

Der neue Land Rover Discovery Sport startet mit Frontantrieb in der Basisausstattung Pure und 150 Diesel-PS bei 33.250 Euro. Für das gleiche Modell ist für 35.750 Euro auch Allradantrieb zu bekommen. Mit der Neungang-Automatik und Allrad sind 38.150 Euro zu investieren. Die günstigste Benziner-Version, der 2-Liter mit 177 kW (240 PS) kostet als SE inkl. Allrad 45.000 Euro.

Zurück zu meinem HSE Luxury, der sich neben der eh schon üppigen Ausstattungsvielfalt unter anderem mit dem Black Design Paket für 1.530 Euro, dem Panoramadach für 1.224 Euro sowie dem Anhängerkupplungspaket 2 für 1.785 Euro schmückte.

Die serienmäßigen Xenon-Scheinwerfer wurden zudem durch die adaptive Variante für 459 Euro ersetzt und in der ebenfalls serienmäßigen Zweizonen-Klimaautomatik hielt ein Luftqualitätssensor für 82 Euro Einzug. Warum solch ein Teilchen extra kostet, ist mir allerdings schleierhaft.

Fazit

Es geht nichts über einen reinrassigen Geländewagen mit hoher Alltagstauglichkeit und einer gehörigen Portion Luxus und Eleganz. Auch wenn es definitiv nicht der HSE Luxury sein muss. Denn der neue Land Rover Discovery Sport verströmt auch in den günstigeren Ausstattungsvarianten Gediegenheit und Komfort. So ist es wie so oft eine Sache des Geschmacks und auch des Geldbeutels, sich den individuell passenden Discovery Sport zu konfigurieren.

Technische Daten: Land Rover Discovery Sport HSE Luxury TD4

Motor: 4-Zylinder-Diesel

Getriebe: Neungang-Automatikgetriebe

Hubraum: 1.999 ccm

Leistung in kW/PS bei xy U/min: 132 kW (180 PS)/4.000

Max. Drehmoment: 430 Nm von 1.750 Umdrehungen pro Minute

Länge/Breite/Höhe: 4.589/1.894/1.724 in mm

Radstand: 2.741 in mm

Leergewicht: 1.874 kg

Zul. Gesamtgewicht: 2.640 kg

Kofferrauminhalt: 541 – 1.698 l

Bereifung: 235/55 R19

Felgen: 8 x 19″ Leichtmetall

Beschleunigung: 8,9 Sekunden

Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h

Tankinhalt: 54 l

Kraftstoffverbrauch kombiniert: 5,3 Liter auf 100 km

Preis: 68.664 Euro inkl. MwSt. (Testwagenpreis)

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Alle Fotos: © D.Stanka

Dietmar Stanka Aribonenstraße 1 b D-81669 München