Genfer Autosalon 2017 - Neues Futter

VW-Konzernchef Matthias Müller stellt in Genf die Studie Sedric vor | Foto: VW

VW-Konzernchef Matthias Müller stellt in Genf die Studie Sedric vor | Foto: VW

Schicker statt sparsamer

In Genf regiert wieder das Konventionelle: Der SUV-Boom hält an, Brot-und-Butter-Autos werden schicker statt sparsamer und der Verbrennungsmotor bleibt in naher Zukunft der dominierende Antrieb. Die E-Auto-Euphorie von Paris scheint erst einmal vorbei zu sein.

Porsche bringt mit dem Panamera Sport Turismo seinen ersten Kombi in den Markt | Foto: Porsche

Porsche bringt mit dem Panamera Sport Turismo seinen ersten Kombi in den Markt | Foto: Porsche

Zu Deinem Neuwagen

Viele SUV, ein paar Luxusautos und einige ambitionierter Alltagswagen - auf dem Genfer Autosalon konzentriert sich die Branche einmal mehr auf ihr Kerngeschäft im gesättigten Pkw-Markt Europa: Autos für Leute, die eigentlich schon ein Auto haben. Zum Neukauf verführen sollen modischer SUV-Stil, neue Karosserievarianten und eine allgemein schickere Anmutung. Echte Innovationen, die auch neue Kundengruppen locken könnten, fehlen auf der wichtigsten Frühjahrsmesse des Kontinents jedoch.

Sehenswert: Der Alfa Stelvio auf dem Genfer Autosalon 2017 | Foto: SP-X/Matthias Knödler

Sehenswert: Der Alfa Stelvio auf dem Genfer Autosalon 2017 | Foto: SP-X/Matthias Knödler

Feierten die Autohersteller ein halbes Jahr zuvor auf der Herbstmesse in Paris noch die  Elektroauto-Revolution, gibt es diesmal zwar einen Reihe von Studien und Prototypen zu diesem Thema, serienreife Modelle für einen breiten Markt fehlen allerdings. Die vor einigen Monaten an der Seine vorgestellten Fahrzeuge kommen zum Großteil erst 2018 oder 2020. Bis dahin wird Geld mit dem altbekannten Geschäftsmodell verdient.

Der frisch mit dem PSA-Konzern vermählte Hersteller Opel zeigt die Neuauflage des Insignia | Foto: SP-X/Matthias Knödler

Der frisch mit dem PSA-Konzern vermählte Hersteller Opel zeigt die Neuauflage des Insignia | Foto: SP-X/Matthias Knödler

In der ersten Reihe stehen dabei erneut die SUV, mit denen nun auch die letzten Hersteller ihre Portfolios auffüllen. So präsentiert der Sportwagenhersteller Alfa sein erstes derartiges Modell, einen feuerroten Dynamiker namens Stelvio mit heckbasiertem Allradantrieb und perspektivisch bis zu 375 kW/510 PS starken Motoren. VW hingegen baut beim Kompaktmodell Tiguan an und lanciert die vor allem für den US-Markt entwickelte Langversion Allspace in Europa.

Der XC60 ist nur einer von einer ganzen Reihe neuer SUV-Modelle, die sich in Genf präsentieren | Foto: Volvo

Der XC60 ist nur einer von einer ganzen Reihe neuer SUV-Modelle, die sich in Genf präsentieren | Foto: Volvo

Jeep bringt im Gegenzug mit dem Compass endlich ein klassisches Kompakt-SUV nach europäischem Geschmack auf den Markt. Eine Klasse höher überträgt Volvo das Erfolgsrezept des XC90 auf das Mittelklasse-SUV XC60, das mit hohem Sicherheitsniveau und edlem skandinavischen Design aufwartet.

Land Rover hat den Range Rover Velar im Genf-Gepäck | Foto: Land Rover

Land Rover hat den Range Rover Velar im Genf-Gepäck | Foto: Land Rover

Und Land Rover schließt mit dem Range Rover Velar die kleine, bisher kaum aufgefallene Lücke zwischen dem luxuriösen Sport und dem Boulevard-Geländewagen Evoque. All diese Modelle versprechen gutes Geld: In Europa ist das SUV eines der letzten Wachstumsversprechen. Bis 2020 werden laut einer IHS-Prognose 27 aller Neuzulassungen in dieses Segment fallen. 2005 waren es gerade einmal 5 Prozent.

VW zeigt den großen Tiguan mit dem Namenszusatz Allspace | Foto: SP-X/Matthias Knödler

VW zeigt den großen Tiguan mit dem Namenszusatz Allspace | Foto: SP-X/Matthias Knödler

Es gibt aber noch einen zweiten Trend, mit dem die Hersteller die kontinentale Pkw-Sättigung kontern.  Wenn die Europäer – verglichen etwa mit Wachstumsmärkten wie China - schon wenige Autos kaufen, so sollen sie dafür aber immerhin mehr ausgeben können. Kaum ein neues Modell steht in Genf, das nicht bei Preis und Anmutung eine halbe Stufe oberhalb seines Vorgängers positioniert würde. Bestes Beispiel ist der neue Opel Insignia, der so schnittig auftritt, als käme er von einem Premiumhersteller wie Audi, BMW oder Mercedes. Knapp fünf Meter lang, bis zu 184 kW/250 PS stark und bis zur Dachreling mit Technik vollgestopft hat er mit seinem biederen Vor-Vorgänger Vectra nichts mehr gemein bis auf die KBA-Einstufung in der Mittelklasse.

Mercedes-AMG stellt in Genf seine Expansionsgelüste in Form des GT Concept vor | Foto: SP-X/Matthias Knödler

Mercedes-AMG stellt in Genf seine Expansionsgelüste in Form des GT Concept vor | Foto: SP-X/Matthias Knödler

Genau diese will auch der VW Arteon vergessen machen, eine als eigenständige Baureihe konzipierte Highend-Version des Passat, die gleichzeitig Ersatz für die hierzulande wenig geliebte Oberklasselimousine Phaeton ist. Auch der Ford Fiesta will in der Neuauflage hoch hinaus und mehr sein als ein preiswerter Kleinwagen – so gibt es ihn etwa erstmals auch in der lederbespannten Edel-Ausführung „Vignale“.

Der neue Fiesta ist in Genf auch in der 200 PS starken ST-Version zu sehen | Foto: SP-X/Matthias Knödler

Der neue Fiesta ist in Genf auch in der 200 PS starken ST-Version zu sehen | Foto: SP-X/Matthias Knödler

Ein wirklich neues Phänomen ist das Hochstreben der Baureihen nicht, selten war es aber so konzentriert zu sehen wie in Genf. Dazu passt auch, dass der Citroen-Ableger DS hier seine endgültige Emanzipation als Premiummarke feiern will: Mit dem DS7 Crossback feiert das erste vollkommen eigen konzipierte Modell der Marke Premiere, nachdem man sich zunächst mit dem Upcycling existierender Citroen-Autos begnügt hatte. Auch die Strategie der Höherpositionierung scheint für die Hersteller sinnvoll. In Deutschland etwa steigen die Beträge, die Neuwagenkäufer in ihr Fahrzeug und dessen Ausstattung investieren seit Jahren stetig. Zuletzt zahlten sie im Schnitt durch alle Klassen knapp 30.000 Euro, Tendenz weiter steigend.

Die PSA-Marke DS hat den völlig neuen DS 7 Crossback in Genf dabei | Foto: SP-X/Matthias Knödler

Die PSA-Marke DS hat den völlig neuen DS 7 Crossback in Genf dabei | Foto: SP-X/Matthias Knödler

Die bereits etablierten Premiumhersteller haben es leichter, ambitionierte Preise beim Kunden durchzusetzen und widmen sich in Genf dem Auffüllen der letzten Lücken im Modellprogramm. Porsche bedient mit dem Oberklasse-Kombi Panamera Sport Turismo Kunden, denen denen das SUV Cayenne zu bullig ist, die aber trotzdem auch mal ihr Mountainbike auf den Wochenendausflug mitnehmen möchten. Mercedes-AMG zeigt mit der Studie GT Concept eine Mischung aus Reiselimousine und Sportwagen, während BMW mit dem 5er Touring seine Business-Baureihe mit dem traditionellen Kombi komplettiert.

BMW zeigt in Genf die fünfte Generation des 5er Touring | Foto: BMW

BMW zeigt in Genf die fünfte Generation des 5er Touring | Foto: BMW

Was in Genf weitgehend fehlt ist die Elektroauto-Euphorie, wie sie noch in Paris geherrscht hatte. Den dort gezeigten Entwürfen haben die Hersteller diesmal bis auf einzelne Plug-in-Hybride als Ergänzung der konventionellen Motorenpalette nichts hinzuzufügen. Alles, was in Kürze zu kaufen ist, wurde bereits vorgestellt, die nächste Welle rollt frühestens im kommenden Jahr an. So lange müssen SUVs und veredelte Alltagsautos als Geschäftsmodell also mindestens noch tragen. Und das dürfte allemal klappen.

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Holger Holzer/SP-X




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