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Mercedes-Benz GLC 350e 4MATIC

Alibi-Elektriker

Sonntag, 4. Sep. 2016

  Um die Flottenverbrauchswerte signifikant zu senken, sind bei nahezu allen großen Herstellern quer durch die Baureihen Hybride oder sogar Plug-in-Hybride zu finden. Mit dem GLC 350 e 4MATIC sind die Daimlers im Segment der kompakten SUV unterwegs. Zusammen mit einer Art Urgestein dieser Gattung, dem Mitsubishi Outlander PHEV. Der ist aber im direkten Vergleich gut 12.000 Euro günstiger und fährt laut Werksangabe anstatt nur 34 wie der Mercedes, 52 km rein elektrisch.

Ein Fahrbericht von unserem Autoredakteur Dietmar Stanka

Um die Flottenverbrauchswerte signifikant zu senken, sind bei nahezu allen großen Herstellern quer durch die Baureihen Hybride oder sogar Plug-in-Hybride zu finden. Mit dem GLC 350 e 4MATIC sind die Daimlers im Segment der kompakten SUV unterwegs. Zusammen mit einer Art Urgestein dieser Gattung, dem Mitsubishi Outlander PHEV. Der ist aber im direkten Vergleich gut 12.000 Euro günstiger und fährt laut Werksangabe anstatt nur 34 wie der Mercedes, 52 km rein elektrisch.

Mercedes-Benz GLC 350e
Mercedes-Benz GLC 350eFoto: D. Stanka

Form und Funktion

Alle Achtung. Aus dem kantigen GLK ist ein angenehm gerundeter und praktisch nutzbarer kompakter SUV geworden. Nun GLC genannt, ist der 350e 4MATIC ein feines Automobil geworden. Mit einer Länge von 4,65 m liegt er deutlich über den eines kompakten und für den urbanen Verkehr optimal geeigneten Automobils. Wobei er als Plug-in-Hybrid gerade dort sein ideales Revier finden würde.

Kräftig moduliert weist der Kühlergrill den Weg aller Daimlers neuer Bauart. Egal von welcher Seite der GLC betrachtet wird, er wirkt groß und ist seinem nächsten Verwandten, den GLE recht ähnlich geworden. Gleiches gilt für den Innenraum, der mit höchster Materialqualität und wertiger Verarbeitung eh schon Klassen höher angesiedelt sein könnte.

Reichlich Raum auf allen fünf Plätzen suggeriert zudem ein wesentlich größeres Automobil. Die kurzen Überhänge bescherten dem GLC einen üppigen Radstand von 2,87 m, der zudem den Fahrkomfort erhöht. Wegen des Batteriepaketes schrumpfte allerdings der Kofferraum um satte 155 Liter auf 395 Liter. Die ebene Ladefläche und der breite Zugang sowie die Durchlade und die umklappbaren Rücksitze entschädigen diesen Umstand ein wenig.

Cockpit des Mercedes-Benz GLC 350e
Cockpit des Mercedes-Benz GLC 350eFoto: D. Stanka

Fahrverhalten

Am Anfang war der Stecker. Wer nicht permanent und regelmäßig die Batterie über das Stromkabel laden kann oder möchte, dem sei von dem GLC 350e abgeraten. Denn nur mit den, zugegeben wenig elektrisch fahrbaren Kilometern, kann dieses Automobil sein wahres Ich ausleben und dementsprechend sparsam sein.

In unserer zweiwöchigen Testphase durchlebten wir interessante Verbrauchswerte. Von knapp über einem Liter bis hin zu fast 13 war alles dabei. Im Schnitt waren es schlussendlich 8,5 Liter und das, obwohl wir so oft wie möglich Strom von außen zapften. Die tägliche Fahrt von zuhause ins Büro, Stadtverkehr mit ein paar Ampeln aber nahezu ohne Stau, absolvierten so meist vollelektrisch.

In der eigenen Tiefgarage haben wir bewusst nicht Strom geladen, da der Aufwand zu groß gewesen wäre. Es bräuchte einen eigenen Anschluss, ähnlich wie ein Nachbar ihn hat, der dort seinen A3 e-tron laden kann. Strom wurde aber am Büroparkplatz in die Batterie geleitet, was den täglichen Arbeitsweg zu den sparsamsten Fahrten werden ließ.

Ladekontakt Mercedes-Benz GLC 350e
Ladekontakt Mercedes-Benz GLC 350eFoto: D. Stanka

Das lag aber vor allem an den nur insgesamt knapp 20 km, unterbrochen höchstens durch einen Halt an der Wegstrecke. Recht viel mehr mag der deutlich über 2 Tonnen schwere GLC 350e rein elektrisch auch nicht absolvieren. Auch wenn wir in der Stadt immer im Eco-Modus unterwegs waren.

Da tägliche Verkehrsleistungen aber nicht nur in der Stadt absolviert werden, düsten wir das ein oder andere Mal auch über die Autobahn. Nicht allzu weit, das eine oder andere Mal aber mit richtig Schmackes. Schließlich galt es ja neben dem Eco-Modus die anderen Fahreinstellungen des Dynamic-Select-Systems auszuprobieren.

Eco, Comfort, Sport, Sport+ und Individual genannt, lässt sich die Schaltcharakteristik von sparsam bis dynamisch vorwählen.

Tachodisplay Mercedes-Benz GLC 350e
Tachodisplay Mercedes-Benz GLC 350eFoto: D. Stanka

Spürbar durch einen echten Kick nach vorne, wenn Sport oder Sport+ gewählt wird. Deutlich eingebremster im Eco- und auch im Comfort-Modus.

Die Kombination aus dem 2-Liter-Benziner mit 155 kW (211 PS) und 350 Nm Drehmoment und dem Permanent-Elektromotor mit 85 kW (116 PS) und 340 Newtonmeter Drehmoment ergibt eine Systemleistung von 235 kW (320 PS) und ein maximales Drehmoment von 560 Nm.

Rein elektrisches Fahren ist bis zu einerHöchstgeschwindigkeit von 135 km/h möglich. Dazu ist aber ein äußerst sensibler Gasfuß von Nöten, um bei höherer Leistungsabforderung den Verbrenner nicht ungewollt zuzuschalten. Weitere 100 km/h an Geschwindigkeit erreicht der GLC 350e mit dem Benziner.

Motorraum Mercedes-Benz GLC 350e
Motorraum Mercedes-Benz GLC 350eFoto: D. Stanka

Die Wetterverhältnisse in unserer Testphase Anfang August ließen nicht zu, den serienmäßigen Allradantrieb 4MATIC tatsächlich herauszufordern. Bei schnellerer Kurvenfahrt hätten wir uns dagegen weniger Wankneigung gewünscht. Für die Erfüllung solch gearteter Wünsche hat Mercedes-Benz jedoch die Air Body Control Luftfederung für 2.261 Euro im Angebot.

Ausstattung

Der Einstieg beim GLC beginnt mit dem 170-PS-Diesel bei 45.279,50 Euro. 52.717 Euro müssen dagegen für unseren Testwagen hingeblättert werden. Da sämtliche GLC-Modelle serienmäßig nur mit Halogen-Scheinwerfern ausgerüstet sind, empfiehlt sich sofort ein Blick in die umfangreiche Options-Liste.

Dort sind die LED-Leuchten zu finden, die ohne zusätzliche Funktion für 1.029,35 Euro zu bekommen sind. Das LED Intelligent Light System, unter anderem mit variabler Lichtverteilung, dynamischer Leuchtweitenregulierung und Kurvenlicht, Landstraßen-, Autobahn- und Abbiegelicht kostet schlappe 1.725,50 Euro. Für die adaptiven Fernlichtassistenten müssen zudem weitere 214,20 Euro bzw. 119 Euro berappt werden.

Mercedes-Benz GLC 350e Heck
Mercedes-Benz GLC 350e HeckFoto: D. Stanka

Serienmäßig bringt der Mercedes-Benz GLC 350e unter anderem elektrisch einstellbare Vordersitze und eine Zweizonen-Klimaautomatik mit. Weiterhin sind selbstverständlich aller sicherheitsrelevanten Systeme wie ABS, ESP und, gar nicht so selbstverständlich, der Kollisionswarner mit adaptiven Bremsassistenten und autonomer Teilbremsung an Bord.

Fazit

Recht viel mehr als ein Alibi-Elektriker ist der Mercedes-Benz GLC 350e 4MATIC leider nicht. Es fehlt dem 2,1-Tonner an echter Reichweite. Wird nicht permanent Strom nachgeladen, braucht er bei entsprechender Leistungsabforderung beider Aggregate einfach zu viel Benzin.

Da fällt die Wahl doch schnell auf einen der beiden Selbstzünder, die in der Anschaffung 6.000 oder sogar 7.000 Euro günstiger sind. Richtig viel Dampf verspricht dagegen der AMG 43 mit 367 PS, der mit 61.761 Euro in der Preisliste steht.

Technische Daten: Mercedes-Benz GLC 350e 4MATIC

Motor 4-Zylinder-Benziner
Getriebe 7G-TRONIC PLUS
Hubraum 1.991 ccm
System-Leistung in kW/PS bei xy U/min 235 kW (320 PS)/5.000
Max. Drehmoment 560 Nm
Länge/Breite/Höhe 4.656/1.890/1.639 in mm
Radstand 2.873 in mm
Leergewicht 2.025 kg
Zul. Gesamtgewicht 2.605 kg
Kofferrauminhalt 395 – 1.445 l
Bereifung 235/60 R18
Felgen 8 x 18″ Leichtmetall
Beschleunigung 5,9 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 235 km/h
Tankinhalt 50 l
Kraftstoffverbrauch kombinierter Verkehr 2,7 l auf 100 km
Preis 52.717 Euro inkl. MwSt.

Dietmar Stanka Aribonenstraße 1 b D-81669 München