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Vier statt Sechs

Porsche 718 Boxster S

Freitag, 19. Aug. 2016

  Mit der Typbezeichnung 718 wird bei Porsche einmal mehr die Historie bemüht. Gestatten wir uns einen kleinen Ausflug zurück in das Jahr 1953. Der Typ 550 war damals der erste reinrassige Rennsportwagen aus Zuffenhausen.

Ein Fahrbericht von unserem Autoredakteur Dietmar Stanka

Mit der Typbezeichnung 718 wird bei Porsche einmal mehr die Historie bemüht. Gestatten wir uns einen kleinen Ausflug zurück in das Jahr 1953. Der Typ 550 war damals der erste reinrassige Rennsportwagen aus Zuffenhausen. Nach dem 550 A Spyder wurde 1957 der 718 RSK aus der Taufe gehoben. Allen gemein war bis 1961 der Vierzylinder-Motor. Mit solch einem Triebwerk müssen wir uns nun auch im neuen Porsche 718 Boxster S anfreunden. 2,5 Liter an Hubraum verfügend und 257 kW (350 PS) leistend.

Foto: D. Stanka

Form und Funktion

Alles neu, bis auf Kofferraumdeckel, Windschutzscheibe und Dach. Auffällig auf den ersten Blick sind gegenüber dem Vorgänger-Boxster die neu gestalteten Leuchten vorne wie hinten. Sie betonen die Linienführung des neuen 718 Boxster S ebenso wie die dem Turbo geschuldeten Kühllufteinlässe an der Front.

Satt, tief und bullig. Der neue Porsche 718 Boxster S hat allein schon optisch das Zeug zur ultimativen Fahrmaschine. Einmal im gut geschnittenen und nahezu unveränderten Cockpit Platz genommen, ist alles dort, wo es hingehört. Wir werden zudem nicht müde zu erzählen, dass auch in den 718ern-Modellen der Zündschlüssel links vom Lenkrad seinen Platz findet.

Das Dach lässt sich bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h in 9 Sekunden schließen oder auch öffnen. Vorne die Mulde, hinten etwas flacher. Die beiden Verstaumöglichkeiten sind wie eh und je bestens für relativ viel Gepäck geeignet.

Foto: D. Stanka

Die längst überfällige Neuerung ist nun auch der Baureihe Cayman/Boxster mit dem Porsche Communications Management (PCM) widerfahren. Inbegriffen eine gute Grafik auf einem sieben Zoll großen Touchscreen sowie Anbindung von Smartphones und regulären Mobiltelefonen via WLAN.

Die Navigierung kostet im Gegensatz zu den 911ern einen Aufpreis von 1.547 Euro. Genau wie auch der Baustein Connect, den Porsche mit heftigen 856,80 berechnet. Dieser ist aber wiederum nicht mit dem Navi-Modul bestellbar, sondern nur mit Connect Plus, das dann zudem Google Earth und Street View sowie ein LTE-Modul für eine optimierte Sprachqualität beim Telefonieren beinhaltet.

Fahrverhalten

Es ist reichlich gewöhnungsbedürftig. Nach dem Anlassen klingelt es von hinten zwar dumpf, dennoch unverkennbar wie ein typischer Boxermotor aus den seligen Käferzeiten. Einem Käfer auf Dope gleich, rasselt es ins offene Cockpit hinein. Gut, dass es die Klappensteuerung der Auspuffanlage gibt, die den Ton erträglicher gestaltet.

Foto: D. Stanka

Hat man sich einmal an diese für einen Porsche der Neuzeit seltsam anmutenden Geräusche gewohnt, gilt die Konzentration wieder den Kernthemen der Zuffenhausener Sportwagenschmiede. Dem einer herausragenden Performance, die 350 PS ohne Umwege auf die Hinterachse leiten.

Dank variabler Turbolader-Geometrie, eine Technik, die auch in den 3-Liter-Turbos der 911er Baureihe zu finden ist, kann man sich die Suche nach dem gefürchteten Turboloch sparen. Es empfiehlt sich unserer Ansicht nach, den Knopf so gut wie immer auf den Buchstaben S zu drehen.

Welchen Drehschalter? Nun, mit dem Facelift des 911er im vergangenen Herbst wanderten die Bedienelemente der Fahrmodi, die Bestandteil des optionalen Sport-Chrono-Pakets (1.654,10 Euro für Handschalter, mit PDK wegen Sport Response Button und Launch Control 2.082,50) ans Lenkrad. So auch bei der neuen 718er Baureihe, gleich ob Boxster oder Cayman.

Foto: D. Stanka

So ist es angesagt, diesen Drehschalter nach dem Start nach dem Druck auf den Knopf mit den Auspuffrohren, sofort auf „S“ zu drehen. Normal kann schließlich jeder. Eine Drehung weiter kommt man in den Sport Plus Modus. Wegen des hohen Ausdrehens des Motors in Verbindung mit dem PDK unserer Ansicht nach nur auf Rennstrecken empfehlenswert.

Brüllt der Boxster S einmal los, wirkt ein Gepard dagegen wie eine lahme Ente. Die Produktion von Glückshormonen überschlägt sich beim Durcheilen jeder einzelnen Kurve. Schwach befahrene und gut übersichtliche Landstraßen empfehlen sich daher zu jeglichem Frustabbau. Das Teilchen flitzt wie ein Shinkansen durch Japan. Das Konzept Mittelmotor ist für extrem hohe Kurvengeschwindigkeiten eben unschlagbar genial und Freude bereitend.

Ausstattung

Normalerweise ist in allen Boxster-Modellen ein manuelles Sechsgang-Getriebe verbaut. Ein fantastisch zu schaltendes Gangwerk und bestens auf die 718er abgestimmt. Unser Testwagen brachte aber das PDK mit. Das Porsche Doppelkupplungsgetriebe muss aber mit einem Aufpreis von 2.826,25 Euro teuer bezahlt werden.

Foto: D. Stanka

Für uns kann ein Porsche nicht pur genug sein. Unserer Ansicht sind die Basisausstattungen von Boxster und Cayman nur durch ein paar wenige Details zu ergänzen. Serienmäßig sind rollt der Boxster S – gleiches gilt auch für den Cayman S, auf 19-Zöllern mit Mischbereifung. Reicht dicke!

Zur Beruhigung des Umweltgewissens und auch um das rasselnde Käfer-Geräusch an der Ampel zu eliminieren, verfügt die gesamte Baureihe natürlich über eine Start-Stopp-Automatik. Geleuchtet wird aus Bi-Xenon-Scheinwerfern. Die optionalen LED-Scheinwerfer für 1.975,40 sind eine unserer wenigen Empfehlungen, den Boxster zu verteuern.

Gleiches gilt für PASM Sportfahrwerk (1.666 Euro), dass den Boxster S um 20 mm tiefer legt und mit den zwei manuell ansteuerbaren Kennfeldern Normal und Sport versieht. Eine weitere Überlegung ist das Porsche Torque Vectoring (PTV) inkl. mechanischer Hinterachs-Quersperre wert. Die eh schon herausragende Straßenlage wird mit der Investition von 1.309,90 Euro nochmals besser.

Fazit

Ein klares Ja zu Performance von extremen Fahrsituationen sportlicher Natur bis hin zu absoluter Alltagstauglichkeit. Ein großes Aber zum Vierzylinder. Nicht wegen seiner Leistung und auch nicht wegen seiner Verbrauchswerte, die sich beim Cruisen durchaus bei rund 8 Liter einpendeln können. Es ist der Sound, der so gar nicht zu solch einem Porsche passen mag. Aber auch das ist Geschmacksache, an der sich die Geister gemeinhin scheiden.

Technische Daten: Porsche 718 Boxster S

Motor 4-Zylinder-Benziner
Getriebe Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (PDK)
Hubraum 2.497 ccm
Leistung in kW/PS bei xy U/min 257 kW (350 PS)/6.500
Max. Drehmoment 420 Nm bei 1.900 – 4.500 Umdrehungen pro Minute
Länge/Breite/Höhe 4.379/1.801/1.280 in mm
Radstand 2.475 in mm
Leergewicht 1.385 kg
Zul. Gesamtgewicht 1.695 kg
Kofferrauminhalt 275 l (vorn 150 l, hinten 125 l)
Bereifung 235/40 ZR19 vorne, 265/40 ZR19 hinten
Felgen 8 x 19″ vorne,10 x 19″ hinten Leichtmetall
Beschleunigung 4,2 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 285 km/h
Tankinhalt 64 l
Kraftstoffverbrauch kombinierter Verkehr 7,3 l auf 100 km
Preis 66.141 Euro inkl. MwSt.

Dietmar Stanka Aribonenstraße 1 b D-81669 München