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Im Auto träumen

Volkswagen California Beach

Sonntag, 8. Mai. 2016

  Zwei Wochen Glückseligkeit. Mit einem 102 PS schwachen Fahrzeug, das ein Leergewicht von knapp 2,3 Tonnen bewegen muss. Gibt es das wirklich? Ja. Erlebt in und mit dem neuen Volkswagen California Beach. Dem Einstiegsmodell der Camper-Familie von Volkswagens Erfolgsmodell, dem Bulli, VW-Bus oder heutzutage T6 genannt. In der Knallerfarbe Grape Yellow lackiert, haben wir uns endgültig in die lange Reihe der großen Fans dieses Kultmobils eingefügt.

Ein Fahrbericht von unserem Autoredakteur Dietmar Stanka

Zwei Wochen Glückseligkeit. Mit einem 102 PS schwachen Fahrzeug, das ein Leergewicht von knapp 2,3 Tonnen bewegen muss. Gibt es das wirklich? Ja. Erlebt in und mit dem neuen Volkswagen California Beach.

VW-California-Beach
VW-California-BeachFoto: D. Stanka

Dem Einstiegsmodell der Camper-Familie von Volkswagens Erfolgsmodell, dem Bulli, VW-Bus oder heutzutage T6 genannt.

In der Knallerfarbe Grape Yellow lackiert, haben wir uns endgültig in die lange Reihe der großen Fans dieses Kultmobils eingefügt.

Form und Funktion

Auf den ersten Blick ist der Unterschied zwischen dem T5 und dem T6 nicht groß. Der zweite Blick entlarvt mehr Feinheiten und im Interieur gibt es tatsächlich viel Neues zu entdecken. Aber wir wollen nicht über die nahezu unveränderte Grundform des Volkswagen Busses plaudern. Im Fokus steht der California, das Schlafmobil der Hannoveraner.

Zwei oben, zwei unten. Na gut, da muss man sich schon hervorragend verstehen. Im Erdgeschoss klappt man die Sitzbänke um und legt die Matratze aus, im Dachgeschoss liegt man bequem auf einer Matratze und freut sich über eine 1,20 m x 2,00 m große Liegefläche mit Lattenrost.

VW-California-Beach innen
VW-California-Beach innenFoto: D. Stanka

Der Umkehrschluss daraus? Zu zweit reist es sich im California Beach am besten. Auch weil der Platz im Erdgeschoss für allerlei Krimskrams, Sportgerät oder weitere, essentiell wichtige, Camping-Utensilien nutzbar bleibt. So von uns ausprobiert, als wir um Ostern nicht nur noch Skifahren, sondern bereits auch mit dem Rennrad unterwegs waren.

Alles hatte seinen Platz im T6 California. Das Radl hinten auf den umgeklappten Rücksitzen, die Skier am Boden liegend zwischen den beiden Vorder- und Mittelsitzen. Dazwischen gruppiert, die Tasche mit den Skischuhen und der Rucksack mit den Radl-Sachen.

Das auch an dem Tag, als das Hochdach tatsächlich zum Bett für eine Nacht wurde. Nicht mit Schlafsack versteht sich, sondern wunderbar kuschelig im Federbett und Federkissen. Wurde es trotzdem zu kalt und durch die Lüftungsschlitze zu zugig, einfach mal schnell die Standheizung aktiviert. Solchermaßen bequem gebettet, können selbst eingefleischte Camping-Muffel dieser Art von Freizeitvergnügen etwas abgewinnen.

Fahrverhalten

Keine Ahnung, wer auf die Idee kommt, in seinem California nur 75 kW (102 PS) einbauen zu lassen. Allein oder zu zweit unterwegs, mit nur wenig Ballast an Bord, mag das ja noch gehen. Unsere ausgiebigen Testfahrten führten aus dem Badischen durch den Schwarzwald im ersten Schritt nach München. Die Schwarzwald-Höhenstraße war somit das erste Hindernis für unseren Bulli.

Schaltfaul darf man nicht sein. Die fünf Gänge mögen es gut gerührt und je nach Steigungsgrad muss auch mal der Zweite ran. Doch es geht schon vorwärts. Erstaunlich besser als gedacht. In Höhe Stuttgart fahren wir auf die Autobahn. Mühsam wird es das erste, aber auch einzige Mal auf dem Anstieg des Aichelberg. Gut, dass die Geschwindigkeitsbegrenzung dort 120 km/h beträgt.

VW California Beach
VW California BeachFoto: D. Stanka

Genau an diesem Limit knabbert der 102-PS-Diesel und rollte trotzdem immer noch an so manch anderem Verkehrsteilnehmer vorbei. Der wenige Kilometer später zu bewältigenden Alb-Aufstieg ist dagegen ein Kinderspiel, da um uns herum anscheinend nur lahme Enten unterwegs sind, die unseren California ganz und gar nicht herausfordern können.

Wer nun glaubt, dass wir mit unserem fahrenden Wohn- und Schlafzimmer fürchterlich viel Diesel verbrannten, wird herb enttäuscht oder ungemein positiv überrascht sein. Bei diesem „Ich drück das Gaspedal durchs Bodenblech-Fahren“ wies der Bordcomputer einen Verbrauch von knapp 9 Litern aus.

Anders die Situation an den weiteren Testtagen. Auf der Fahrt durch urbane und suburbane Gebiete fiel der Verbrauch auf deutlich unter 7 Liter und erreichte immer wieder locker den von Volkswagen ausgewiesenen Durchschnitt von 6,3 Litern auf 100 km. So passt dieser Bus auch perfekt ins Alltagsleben ohne ein weiteres Automobil zu benötigen.

Ausstattung

Unglaublich, dass die Farbe unseres Testwagens, Grape Yellow genannt, gerade einmal 261,80 Aufpreis kostet. Unserer Meinung ein Muss für dieses Auto. Praktische Details wie integrierte Rollos im Fondbereich zur angenehmen Verdunkelung des California sind ebenso Serie, wie die Möglichkeit die Vordersitze zu drehen, um eine Sitzgruppe um den herausnehmbaren Campingtisch in der Schiebetür zu erstellen.

Optional besteht die Möglichkeit für das eigene Kochstudio in Form einer schlanken Küchenzeile mit Kühlbox, Gaskocher und Spüle sowie Stauraum auf der linken Seite des Fahrzeugs. Voll cool sind die serienmäßigen beiden Klappstühle, die in der Heckklappe perfekt verstaut sind.

VW California Beach offen
VW California Beach offenFoto: D. Stanka

Neben dem Basismodell Beach wird der California zudem als Coast und Ocean angeboten. Nach Angaben von Volkswagen Nutzfahrzeuge nimmt sich der Coast deutlich stärker des Themas Reisemobil an. So ist in der Küchenzeile unter anderem der Interieur-Tisch integriert, der mit den gedrehten Vordersitzen eine Sitzrunde bildet. Der zweite Tisch für Mahlzeiten unter freiem Himmel wird wie im California Beach platzsparend in der Schiebetür verstaut.

Beim California Ocean funktioniert vieles elektrisch, was bei den anderen beiden Modellen manuell erledigt werden muss. Beispielsweise das elektrohydraulische Aufstelldach, das sich per Knopfdruck öffnet und schließt sowie die elektrischen Zuziehhilfen für Heckklappe und Schiebetür.

Hinzu kommt die serienmäßige Standheizung, die den Ocean in Kombination mit der ebenfalls serienmäßigen Doppelverglasung auch in kühlen Gefilden zu einem perfekten

Reisepartner macht. Für den Beach müssen für diesen Komfort, den wir niemals missen wollten, ohne Funkfernbedienung 1,671, 95 Euro locker gemacht werden.

Fazit

Geläutert und für immer und ewig eines Besseren belehrt. Der California ist ne coole Socke. Das Spaßmobil mit Platz für sämtlichen Krims und Krams, Kind und Kegel, Ski und Rad. Und im Hochdach lässt sich wunderbar schlummern. Allein mit viel Platz, zu zweit mit hohem Kuschelfaktor. Ein Auto zum Träumen also, aber nur wenn der Gang eingelegt, die Handbremse angezogen und der Motor abgeschaltet ist.

Technische Daten: Volkswagen California Beach

Motor 4-Zylinder-Diesel
Getriebe Fünfgang-Schaltung
Hubraum 1.968 ccm
Leistung in kW/PS bei xy U/min 75 kW (102 PS)/3.000 – 3.750
Max. Drehmoment 250 Nm bei 1.500 – 2.750 Umdrehungen pro Minute
Länge/Breite/Höhe 4.904/1.904/1.990 in mm
Radstand 3.000 in mm
Leergewicht 2.283 kg
Zul. Gesamtgewicht 3.000 kg
Fahrgast-/Gepäckraum bis 5.800 l
Bereifung 215/55 R16
Felgen 6,5 x 16″Stahl
Beschleunigung n.n.
Höchstgeschwindigkeit 157 km/h
Tankinhalt 70 l
Kraftstoffverbrauch kombinierter Verkehr 6,3 l auf 100 km
Preis 43.542,10 Euro inkl. MwSt.

Dietmar Stanka Aribonenstraße 1 b D-81669 München