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Porsche 911 Turbo – Mission erfüllt

Mittwoch, 3. Feb. 2016

Ein Fahrbericht von unserem Autoredakteur Dietmar Stanka

Manchmal scheint es, dass die Zyklen zwischen den Modellüberarbeitungen, auch Facelifts genannt, immer kürzer werden. Gefühlt waren wir doch bei der Neuvorstellung des Porsche Turbo erst vor wenigen Monaten. Tatsächlich liegen rund 2 ½ Jahre dazwischen. Aber mit dem Einzug der neuen Turbo-Motoren in die 911er-Serie und den gleichzeitig erfolgten kleinen optischen Retuschen, mussten auch die stärkeren Turbos unters Messer. Auch die Motoren kamen nicht ungeschoren davon. Sie leisten jetzt 397 kW (540 PS) und 427 kW (580 PS).

Foto: D. Stanka

Form und Funktion

Ähnliches, wie wir vor einigen Wochen bereits von den überarbeiteten 911ern vermeldet haben, erzählen wir nun auch vom Porsche Turbo, Turbo S und den beiden Cabrio-Varianten. Die alle bunt lackiert, wie aus Zuffenhausen gewohnt, im sommerlichen Johannesburg bei der Fahrzeugvorstellung für die internationale Presse zur Verfügung standen.

Die äußeren Retuschen sind schnell erzählt. Die neu gestylten Scheinwerfer werden vorne durch die seitlichen Airblades und der zusätzlichen Lamelle im mittleren Lufteinlass ergänzt. In der Seitenlinie fallen dem geübten Auge beim Turbo S Felgen mit zehn anstatt sieben Speichen auf. Hinten krönen die dreidimensionalen Heckleuchten sowie das dreiteilig und mit längs angeordneten Lamellen versehene Heckdeckelgitter mit separatem Deckel für die optimierte Luftansaugung die neue Turbo-Generation.

Die längst überfällige Neuerung mit dem Porsche Communications Management (PCM) ist nun auch den 911er Turbos widerfahren. Eine scharf konturierte Grafik auf dem sieben Zoll großen Touchscreen sowie die Anbindung von Smartphones und regulären Mobiltelefonen via WLAN.

Foto: Marcus Werner

Im Moment funktioniert allerdings nur die Nutzung von Apple Car Play mit dem iPhone. Android soll laut Aussagen von Porsche in absehbarer zur Verfügung stehen. Eine Bluetooth-Verbindung ist aber mit allen Geräten möglich. PCM sowie Connect Plus inkl. Telefonmodul, drahtlosem Internetzugang, Porsche Car Connect und ein Soundpackage mit acht Lautsprechern sind in der Serienausstattung inbegriffen.

Fahrverhalten

Der Kyalami Grand Prix Circuit dürfte nur noch den etwas älteren Motorsport-Fans als Austragungsort der Formel-1-Weltmeisterschaft bekannt sein. Von 1967 bis 1993 war die heute etwas über 4,5 km lange Rennstrecke im Fokus der internationalen Motorsport-Welt. Porsche darf mit Stolz auf das Jahr 1984 blicken, als Niki Lauda auf einem McLaren-TAG-Porsche den Lauf mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp 207 km/h gewann.

Ganz so schnell war unsere durchschnittliche Leistung nicht. Dennoch pusteten wir mit dem Turbo und dem Turbo S ambitioniert um nigelnagelneu renovierte Strecke. Sozusagen eine echte Entjungferung und das mit einer Meute von Porsche 911 Turbos. Doch aufgemerkt. Porsche brachte uns Journalisten auch noch den Carrera 4 mit zum Spielen. Das ist aber eine andere Geschichte.

Die erste Fahrt mit dem Porsche 911 Turbo Cabriolet in quietschgelb führte uns von Johannesburg im morgendlichen Berufsverkehr raus in den Norden zur Rennstrecke. Wie in allen Großstädten dieser Erde quälten wir uns mehr durch den Stau, als dass wir zügig vorankamen. Bewundernde Blicke und hochgereckte Daumen begleiteten uns bei diesem Stop-and-go-Verkehr permanent. Keinerlei Anzeichen von Neid, sondern ehrliche Freude und Neugier ob des reichlich exotischen Kennzeichens aus Stuttgart.

Foto: Marcus Werner

Nach einem kurzen Briefing zusammen mit den beiden Porsche Werksfahren Jörg Bergmeister und Michael Christensen ging es mit den Porsche 911 Carrera 4 zu den Einführungsrunden auf den frisch asphaltierten Track. In einer wunderbaren Topografie wurde eine rund und schnell zu fahrende Kurvenkomposition eingebettet, die die Neugier auf den Porsche 911 Turbo dramatisch erhöhte.

Nix wie rein in einen Turbo S und hinter Jörg aus der Boxengasse raus auf die 4,5 km von Kyalami. Logischerweise im Sport Plus Modus, dennoch brav mit eingeschalteter Traktionskontrolle. Mit der zweiten Generation der 991-Baureihe wanderte der Schalter für das serienmäßige Sport Chrono Paket ans Lenkrad. Normal, Sport, Sport Plus sowie Individual können beliebig gewählt werden.

Mittig im runden Schalter ist zudem der Sport Response Button angebracht. Wird er aktiviert, verwandelt sich der cruisende Turbo in ein brutales Biest. Motor und Getriebe erzeugen ihr maximales Ansprechverhalten, sodass für bis zu 20 Sekunden exorbitant mehr an Kraft vorhanden ist.

Sport Response ist aber nur eines der vielen, nahezu unzähligen, beziehungsweise den Rahmen sprengenden elektronischen Helferlein, um die herausragende Performance des Porsche 911 Turbo auf die Pisten dieser Welt zu bringen. Es mögen die Erwähnung der Hinterachslenkung, der adaptiven Aerodynamik mit dem mehrstufig ausfahrbarem Bugspoiler sowie dem in Höhe sowie Neigung verstellbarem Spaltflügel sowie das variable Stabilisator-Programm Porsche Dynamic Control (PDCC) genügen.

Foto: D. Stanka

All die wunderbaren technischen Höhepunkte ließen Runde für Runde flüssiger und schneller werden. Dabei waren weder wir noch jemals der 911 Turbo am Limit. Fragt sich jetzt nur, ob Turbo oder Turbo S? Knapp 30.000 Euro Preisunterschied können selbst in dieser Preiskategorie zum Grübeln führen. Zudem ja noch die Entscheidung zwischen Coupé und Cabrio ansteht.

Ausstattung

Mehr Leistung, weniger Verbrauch und ein höherer Verkaufspreis. Die Range der 911 Turbos beginnt beim 911 Turbo bei 174.669 Euro und führt über das Turbo Cabriolet (187.759 Euro) zum Turbo S für 202.872 Euro bis hin zum Turbo S Cabriolet für 215.962 Euro.

Ausstattungsbereinigt sind Turbo und Turbo S keine 10.000 Euro entfernt. Schließlich bremst der Turbo S mit den über 9.000 Euro teuren Keramikbremsen. Zudem rollt er auf 20-Zöllern, die auf den 3.510,50 Euro teuren Leichtmetallrädern mit Zentralverschluss montiert sind.

Als empfehlenswertes Ausstattungsdetail sei in erster Linie das Liftsystem für die Vorderachse erwähnt. 2.261 Euro teuer, hebt es die Karosse per Knopfdruck hydraulisch um etwa 40 mm. Perfekt für die steilen Auf- und Abfahrten in Parkhäusern.

Foto: Marcus Werner

Noch mehr an Ausstattung gefällig? Nun, wir meinen, dass Turbo und Turbo S so viel mitbringen, dass mehr Geldausgeben nicht zwingend notwendig ist. Vielleicht noch ein paar Sicherheitsfeatures wie der Spurwechselassistent inkl. Tote-Winkel-Warner für 690,20 Euro oder der Abstandsregeltempostat, der zur Not bis zum Stillstand abbremsen kann.

Fazit

Es sind jeweils 20 PS, die "alt" und "neu" trennen. Das ist nicht viel, zumindest auf dem Papier. Ein paar andere Werte sind dagegen deutlicher und in Zeiten eines gesteigerten Umweltbewusstseins der Rede wert. Beim Cruisen und Segeln durchaus erzielbare Verbrauchswerte von 9,1 Litern auf 100 km. Aber auf der anderen Seite auch die verbesserten Messwerte bei der Beschleunigung und der Höchstgeschwindigkeit. Immer besser, schneller und dabei sparsamer. Mission erfüllt. Zumindest für den Moment.

Technische Daten: Porsche 911 Turbo (Referenzmodell)

Motor 6-Zylinder-Boxer
Getriebe Siebengang-PDK
Hubraum 3.800 ccm
Leistung in kW/PS bei xy U/min 397 kW (540 PS)/6.400
Max. Drehmoment 660 Nm bei 1.950 –5.000 Umdrehungen pro Minute
Max. Drehmoment mit Overboost 710 Nm bei 2.250 –4.000 Umdrehungen pro Minute
Länge/Breite/Höhe 4.507/1.880/1.297 in mm
Radstand 2.450 in mm
Leergewicht 1.595 kg
Zul. Gesamtgewicht 2.010 kg
Kofferrauminhalt vorne 115 l, hinten 260 l
Bereifung 245/35 ZR 20 vorne, 305/30 ZR 20 hinten
Felgen 9 x 20″vorne, 11, x 20″hinten Alu-Schmiederäder
Beschleunigung 3,0 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 320 km/h
Tankinhalt 68 l
Kraftstoffverbrauch kombiniert 9,1 Liter auf 100 km
Preis 174.669 Euro inkl. MwSt.

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Fotos: © Marcus Werner (4) , © Dietmar Stanka (2)

Dietmar Stanka Aribonenstraße 1 b D-81669 München