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Audi R8 - Der Zweite

Freitag, 21. Aug. 2015

Ein Fahrbericht von unserem Autoredakteur Dietmar Stanka

Der motorsportliche Einstand der zweiten Audi R8 Generation hätte nicht besser sein können. Im Mai 2015 gewann die Fahrerbesetzung Christopher Mies, Edward Sandström, Nico Müller und Laurens Vanthoor mit ihrem WRT-Audi das legendäre 24-h-Rennen am Nürburgring mit dem neuen Audi R8 LMS. Mit einem nagelneu entwickelten Rennwagen ist das durchaus eine Sensation. Gut, dass wir diese Sensation Mitte Juli selbst erleben durften.

Foto: Alexander Herold / Audi

Auf der Rennstrecke von Portimao im Süden Portugals als Beifahrer von Mr. Le Mans Tom Kristensen im Rahmen der Vorstellung des Serien-R8. Dem zweiten aus der Manufaktur in den Audi Böllinger Höfen in Heilbronn. Näher am Motorsport als je zuvor und so stark wie noch nie. In der Spitze leistet der V10-Sauger 449 kW (610 PS) und katapultiert sich in 3,2 Sekunden von 0 auf 100 km/.

Form und Funktion

Er ist unverkennbar ein R8 geblieben. Das Audi Design-Team um Marc Lichte hat zwar ein in allen Fasern neues Automobil geschaffen, die Grundzüge dennoch beibehalten. Kurze 4,42 m Längenmaß, 1,94 m Breite und eine Höhe von nur 1,24 ducken den neuen Audi R8 auf die Straße. Die 40 mm mehr in der Breite lassen den bisher stärksten Serien Audi im Zusammenspiel mit dem neu gestalteten Spaceframe-Kühlergrill noch kraftvoller wirken.

Foto: D. Stanka

In der Seitenlinie fallen die Veränderungen der Blades nach den Türen ins Auge. Waren sie in der ersten Generation noch aus einem Guss, sind sie nun zweigeteilt. Weiterhin gewährt die große Glashaube die Einsicht in den Motorraum, die hinter der Fahrgastzelle in Richtung Spoiler strebt. Der beim V10 plus fest montiert ist und aus Kohlefasern gefertigt ist.

Komplett im Fokus des Fahrers ist das neu gestaltete Cockpit des Audi R8. Das Lenkrad mit Multifunktion plus ist in der Version Sport für den V10 und in der Version Performance für den V10 plus Serie und lauch als Option für den V10 zu bekommen. Zwei Tasten, Start und Stopp in Rot gehalten und Audi drive select sind bei beiden identisch. Zwei mehr, Performance-Modus und die Steuerung für die Abgasanlage, sind im Performance untergebracht.

Foto: D. Stanka

Dahinter bildet das Audi virtual cockpit in einem 12,3 Zoll großen Display sämtliche wesentlichen Informationen ab. Gesteuert per Knopfdruck oder Rädchen drehen am Lenkrad zeigen sich der Navigationsbildschirm in groß mit kleineren Darstellungen von Drehzahlmesser und Tacho. Oder in der Performanceansicht Drehmoment, Öl- und Reifentemperaturen, die g-Kräfte und die Rundenzeiten auf Rennstrecken.

Fahrverhalten

Der schwächere und der stärkere Audi R8 teilen sich den gleichen Motor. 5,2 Liter Hubraum, 10 Zylinder, einmal mit 397 kW (540 PS) für den regulären R8 V10 und einmal mit 449 kW (610 PS) für den R8 V10 plus. Das maximale Drehmoment beträgt 540 bzw. 560 Nm und steht jeweils bei 6.500 U/min zur Verfügung. Die Triebwerke drehen hoch bis auf 8.700 U/min und sind einem Rennwagen gleich, mit einer Trockensumpfschmierung ausgestattet, die eine permanente Ölversorgung sicherstellt.

Die ersten knapp 200 Kilometer mit dem neuen R8 konnten wir auf perfekt ausgebauten Straßen sowie kurvenreichen Landstraßen zwischen Faro und Portimao zurücklegen. Da heißt es in erster Linie mitschwimmen in dem um diese Jahreszeit mit Touristen prall gefülltem Landstrich und auf den Landstraßen aufpassen, dass kein Langholztransporter die komplette Straßenbreite benötigt. Wir waren mit dem V10 unterwegs, der mit seinen 540 PS keineswegs untermotorisiert ist.

Foto: D. Stanka

Über Audi drive select können klassisch comfort, auto, dynamic und individual eingestellt werden. Wir entschieden uns für einen Großteil der Strecke für comfort, das zudem den Vorteil hat, das bei Tempi über 55 km/h die serienmäßige Siebengang S tronic beim Gaswegnehmen in den Freilauf wechselt. Beide Kupplungen werden bei diesem Vorgang geöffnet und der R8 segelt sparsam dahin.

Für noch mehr Effizienz sorgt cylinder on demand (COD). Bei niedriger bis mittlerer Last werden in den oberen vier Gängen die Zylinder der linken oder rechten Bank stillgelegt, indem die Einspritzung und Zündung deaktiviert wird. Mit der Start-Stopp-Automatik mutiert der R8 dann gänzlich zum Öko-Sportwagen. Audi gibt den Durchschnittsverbrauch des V10 mit 11,4 Litern an. Wir erreichten auf unserer durchwegs zügig gefahrenen Testroute einen Wert von knapp unter 12 Litern.

Foto: D. Stanka

Für die ersten beiden Runden auf der Rennstrecke von Portimao wurde ein feuerfester Rennoverall benötigt. Mit Tom Kristensen, dem 9-fachen Sieger des 24-h-Rennens von Le Mans, am Steuer des GT-3 Rennwagen R8 LMS, gewannen wir im absoluten Renntempo mehr Streckenkenntnis. Der wie der Vorgänger nur heckgetriebene R8 LMS leistet je nach Reglement um die 585 PS und wiegt 1.225 kg.

Mit seinem Trockengewicht von 1.454 kg trägt der R8 zwar ein paar Pfunde mehr auf den Rippen, bringt aber deutlich mehr Komfort mit. Das gilt auch noch, wenn die Auspuffanlage im Sport-Modus die 10 Zylinder in eine Sound-Orgie verwandelt. Gleich nach den Runden mit Tom hieß es selbst am Steuer Platz nehmen und die Performance des V10 plus auf dem anspruchsvollen Rundkurs zu erfahren.

Raus aus der Boxengasse mit stehendem Start knallt der R8 im dynamic-Modus bis zum ersten Bremspunkt nach knapp 200 m auf über 100 km/h. 3,2 Sekunden dauert der Spurt laut Audi auf die magischen 100 km/h. Wir haben es zwar nicht gemessen, aber mit dem Popo-Meter eindeutig gespürt. Das ganze ohne Reifenabrieb aufgrund des Zusammenspiels der in das Vorderachsgetriebe integrierten elektrohydraulischen Lamellenkupplung und dem rein mechanischen Hinterachsdifferenzial.

Foto: Alexander Herold / Audi

Dank der Keramikbremsen des R8 V10 plus waren die Bremspunkte optimal gesetzt, sodass wir die gesamte Leistungsbreite auf der immerhin 30 Höhenmeter aufweisenden Berg- und Talbahn perfekt ausnutzen konnten. Aber da ja tagsüber sozusagen jeder auf einer Rennstrecke einigermaßen schnell sein kann, setzte Audi in den Abendstunden noch eines drauf. Schließlich musste uns ja die Kombination des serienmäßigen LED-Matrixlicht und dem für 3.500 optional erhältlichen Laser-Lichts im wahrsten Sinne des Wortes vor die Augen geführt werden.

Lichtschalter auf Auto, Fernlicht-Schalter aktiviert und los ging die wilde Fahrt in der Dunkelheit. Permanent mit Fernlicht unterwegs, das die Strecke gute 400 m weit ausleuchtet, schaltete sich in einigen besonders dunkel gelegenen Abschnitten das Laser-Licht einem Spot gleich dazu. Der dadurch gewonnene Sicherheitsaspekt ist unglaublich hoch, eine Tatsache, die uns auch Tom Kristensen bestätigte.

Foto: D. Stanka

Ausstattung

Für den R8 V10 wechseln 165.000 Euro den Besitzer, für das plus-Modell sind es 187.400 Euro. Bei beiden R8 sind LED-Scheinwerfer und dynamische Blinker hinten ebenso serienmäßig, wie die Zweizonen-Klimaautomatik, die Einparkhilfe plus sowie LED-Innenbeleuchtung und die Geschwindigkeitsregelanlage.

Die beiden Passagiere nehmen entweder auf beheizbaren und teilelektrisch einstellbaren Sportsitzen (Serie R8 V10, Option R8 V10 plus) oder auf Schalensitzen (Serie R8 V10 plus, Option R8 V10) Platz.

Sie sind mit einem Leder-/Alcantaramix bzw. Feinnappa-Leder überzogen. Beim V10 plus sind zudem Keramikbremsen sowie das Performance-Programm mit den Modi dry, wet und snow Serie.

Fazit

Die zweite Generation des Audi R8 kann alles besser. Noch vor wenigen Monaten waren wir mit dem R8 LMX unterwegs und damit glücklich und zufrieden. Jetzt trifft wieder mal der Spruch "Das Bessere ist des Guten Feind" voll ins Schwarze. Mehr denn je gilt für den R8 die unglaublich hohe Alltagstauglichkeit, die bei einem Supersportwagen dieser Couleur nicht selbstverständlich ist. Die Spreizung bis hin zur ultimativen Performance auf Rennstrecken ist in diesem Maße nur sehr selten zu finden und stellt den Audi R8 auf eine nahezu unerreichte Stufe in seinem Segment.

Technische Daten: Audi R8 V10

Motor V10-Zylinder-Benziner
Getriebe 7-Gang S tronic
Hubraum 5.204 ccm
Leistung in kW/PS bei xy U/min 397 kW (540 PS)/7.800
Max. Drehmoment 540 Nm bei 6.500 Umdrehungen pro Minute
Länge/Breite/Höhe 4.426/1.940/1.240 in mm
Radstand 2.650 in mm
Leergewicht 1.595 kg
Zul. Gesamtgewicht 1.895 kg
Kofferrauminhalt 90 l
Bereifung 245/35 R 19 vorne, 295/35 R 19 hinten
Felgen 8,5 x 19″ vorne, 11 x 19″ hinten Alu-Schmiederäder
Beschleunigung 3,4 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 320 km/h
Tankinhalt 83 l
Kraftstoffverbrauch kombiniert 11,4 Liter auf 100 km
Preis 165.000 Euro inkl. MwSt.

Fotos:

© Alexander Herold / Audi  (2) 
© D.Stanka (5)
Dietmar Stanka Aribonenstraße 1 b D-81669 München