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35 Jahre Suzuki Deutschland

Darauf einen Cappuccino

Dienstag, 14. Jul. 2015

Es ist möglicherweise das unbekannteste Automobil von Suzuki. Der Cappuccino. Der kleine Flitzer stammt aus der in Japan beliebten Kategorie der Kei-Cars. Jene maximal 3,39 m langen, steuerbegünstigten Kleinstwagen, die im Land der aufgehenden Sonne rund ein Drittel der Zulassungen ausmachen. In der Geschichte von Suzuki Deutschland, die in diesem Jahr das 35. Jubiläum feiert, ist der Kleine nur eine Fußnote. Wir haben ihn als den witzigsten Suzuki aller Zeiten auserkoren.

Ein Fahrbericht von unserem Autoredakteur Dietmar Stanka

Der Cappuccino heiß wie ein Espresso

Coupé oder Cabrio? Targa oder T-Roof? Egal, der Cappuccino kann sämtliche Varianten abbilden. Unter der langgestreckten Kühlerhaube verbirgt sich ein kleines Motörchen mit gerade einmal 657 ccm³. Aufgeladen mit einem Turbolader leistet der Dreizylinder 46 kW (64 PS), was einer immer noch beeindruckenden Literleistung von mehr als 100 PS entspricht.

Foto: D. Stanka

Wir sind den Cappuccino gefahren und haben uns unsterblich verliebt. Das Teilchen flitzt wie ein Go-Kart um die Kurven, untermalt von einem grummeligen Sound mit heißerem Turbo-Röcheln. Klein und fein auch das Cockpit. In das gilt es sich hinzugleiten und herauszuschälen. Ein leichtes Spiel fürwahr, wenn der Körper sportliche Fitness mitbringt.

Foto: D. Stanka

Leider mussten wir uns von dem Cappuccino nach insgesamt drei Ausfahrten trennen. Noch dramatischer ist allerdings die Tatsache, dass von diesem Wägelchen laut Auskunft von Suzuki Pressechef Jörg Machalitzki nur noch 70 Exemplare in Deutschland existieren. Und die erreichen in freier Wildbahn erlegt, mittlerweile Spitzenpreise von 35 - 40.000 Euro. Und das bei einem Einstandspreis von knapp 20.000 DM im Jahre 1994.

Aller Anfang ist LJ

Wenden wir uns dem Urahn aller Suzukis in Deutschland zu. Einem archaisch anmutenden Gefährt, dass mit seinen senkrecht stehenden Kühlerstreben nicht zu Unrecht mit einem Willys Jeep der US Army ähnelt. Und auch die Bezeichnung ist dementsprechend gewählt. LJ steht für Light Jeep. 1970 wurden die ersten Modelle in Japan verkauft. Als LJ 10 mit 18 kW (25 PS) und einem Leergewicht von 600 kg.

Foto: D. Stanka

Der bei uns feil gebotene LJ 80 maximierte seine Leistung auf immerhin 39 PS und wog schlappe 820 kg. 3,20 lang, unglaublich spartanisch aus reinstem Blech gedengelt, eroberte der bei uns dann Eljot genannte (nach dem Schmunzelmonster), die Herzen der Schickeria und war Stammgast vor angesagten Cafés und Diskotheken. Im Gegensatz zur landläufigen Meinung begründete der LJ allerdings nicht den SUV-Trend. Das war eher ein anderer Suzuki.

Foto: D. Stanka

Der Vitara in all seinen Spielarten

1988 betrat der Vitara die Welt des damals noch nicht wirklich vorhandenen Segments kompakter Geländewagen. Suzuki konnte zudem ein Jahr später verkünden, dass es der Vitara bei den allradgetriebenen Pkw in der Zulassungsstatistik mit 7.488 verkauften Exemplaren auf Platz 2 geschafft hat. In seinen ersten beiden Jahren war der nur 3,56 m lange Vitara nur als Zweitürer geschlossen oder als Cabrio zu bekommen.

1991 wurden es mit dem Vitara Long vier Türen, damit beispielsweise auch junge Familien diesen Suzuki einsetzen konnten. Drei Jahre später kam der erste Sechszylinder ins Programm, der mit heutzutage nahezu lächerlichen 100 kW (136 PS) an Leistung auskommen musste. Dafür überzeugte er mit einer hohen Laufruhe. 1996 komplettierte ein Diesel die Angebotspalette der ersten Vitara-Serie. Mit dem Vitara X-90 setzten die Japaner noch einen witzigen Höhepunkt. Der Zweisitzer mit dem herausnehmbaren zweigeteilten Dach aus Glas interpretierte die Ursprünge des 4x4-Funcars von Suzuki auf eine nahezu perfekte Art und Weise.

Foto: D. Stanka

Auf Generation 1 folgte 1998 konsequenter die Zweite namens Grand Vitara mit drei und fünf Türen sowie als Cabrio. Dieses fiel leider bei der dritten Modellpalette des Grand Vitara weg. Seit Anfang 2015 steht der nagelneue Vitara in den Startlöchern, den wir bald in einem eigenen Fahrbericht genauer vorstellen werden.

Foto: D. Stanka

Swift as Swift can

Das wohl wichtigste Auto für Suzuki in Deutschland heißt Swift. Der Kleinwagen kam 1984 auf den deutschen Markt und ist seit 2010 in der vierten Generation bei uns vertreten. Die ersten Monate wurde der Kleinwagen noch SA 310 genannt und durch die Beteiligung von GM an Suzuki wird dieses Modell in den USA auch als Chevrolet Sprint und Pontiac Firefly verkauft. In Japan erhält er den Namen Cultus und gilt mit dieser Verbreitung als eines der ersten Weltautos.

Wir haben uns für eine Ausfahrt den Swift GTi der ersten Generation geschnappt. Der 1,3-Liter-Vierventilmotor mit zwei obenliegenden Nockenwellen leistet 74 kW (101 PS) und ist auch heute noch als ein durchaus flotter Flitzer zu bezeichnen. Eine Verbundlenkerachse mit Schraubenfedern, Teleskopdämpfern und Panhardstab lud uns zum um die Kurven räubern ein, was der kleine GTi mit Bravour leistete.

Die Zukunft

Im kommenden Jahr sollen die im März 2015 noch als Studie vorgestellten neuen Modelle namens iK-2 und iM-4 auf die Straße rollen. Erstgenannter wird die Palette der Kompaktfahrzeuge ergänzen. Zweitgenannter soll die wachsenden Bedürfnisse nach kompakten SUV stillen. Solchermaßen aufgestellt kann Suzuki seinen 10. Platz der weltweit größten Automobilhersteller wohl locker verteidigen.

Dietmar Stanka Aribonenstraße 1 b D-81669 München