SsangYong Tivoli - Aufholjagd

Dienstag, 18. Aug. 2015

Ein Fahrbericht von unserem Autoredakteur Dietmar Stanka Die Menschheit wird älter. Die Autos höher. Auf diesem einfachen Nenner gebracht, lässt sich zumindest teilweise die Beliebtheit von SUV im Allgemeinen und deren kompakten Ablegern im Besonderen erklären. Daraus erschließt sich die Logik, dass jeder Automobilhersteller in diesem Wachstumsmarkt mitmischen will. So auch SsangYong, ein der Gesamtbevölkerung Deutschlands immer noch unbekanntes Unternehmen aus Südkorea. Der Tivoli soll die Popularität ab sofort drastisch erhöhen.

Ein Fahrbericht von unserem Autoredakteur Dietmar Stanka

Die Menschheit wird älter. Die Autos höher. Auf diesem einfachen Nenner gebracht, lässt sich zumindest teilweise die Beliebtheit von SUV im Allgemeinen und deren kompakten Ablegern im Besonderen erklären. Daraus erschließt sich die Logik, dass jeder Automobilhersteller in diesem Wachstumsmarkt mitmischen will. So auch SsangYong, ein der Gesamtbevölkerung Deutschlands immer noch unbekanntes Unternehmen aus Südkorea. Der Tivoli soll die Popularität ab sofort drastisch erhöhen.

Form und Funktion

Mit dem Namen Tivoli greift SsangYong nach den Sternen. Nach der gleichnamigen Stadt in Italien benannt und die dortige Villa d'Este als Vorbild nehmend, die in der automobilen Welt als Ort besonderer Begegnungen derselben bekannt ist. So gelungen, wie die dort einmal im Jahr zur Schau gestellten Pretiosen ist der Tivoli nicht. Hübsch anzusehen ist er trotzdem und mit einem Einstandspreis von 15.490 Euro (2WD Crystal) kostet er nur einen winzigen Bruchteil dieser extraordinären Welt von Sammlerfahrzeugen.

Mit seiner Länge von knapp 4,20 m passt sich der SsangYong Tivoli den Gegebenheiten urbanen Verkehrs gut an. Ein ordentlicher Radstand von 2,60 m schafft Raum im Inneren. Die Platzverhältnisse sind auch im Fond gut und der Kofferraum bietet mit 423 l reichlich Volumen. Allerdings ist die Ladekante zu mit gut 25 cm zu hoch. Ulrich Mehling, Geschäftsführer von SsangYong Deutschland, verspricht Abhilfe, die in Form eines Ladebodens die unangenehme Situation einebnen soll.

Die Gestaltung des Armaturenbretts sowie die gesamte Anmutung der verwendeten Materialien haben uns positiv überrascht. Übersichtlich die Anordnung im Kombiinstrument und klar strukturiert und damit ergonomisch die Bedienbarkeit. Ein USB- sowie ein HDMI-Anschluss sind im vorderen Bereich der Mittelkonsole perfekt zugänglich montiert. Die Sitze lassen sich einfach und der Fahrersitz auch in der Höhe justieren, das Lenkrad allerdings nur vertikal. Dafür ist dieses in Leder gekleidet und verfügt über eine Reihe von Funktionen, wie die Bedienung des Audiosystems sowie der Geschwindigkeitsregelung.

Fahrverhalten

Aus den 1,6 Litern Hubraum des Benziners werden 94 kW (128 PS) entweder nur auf die Vorderachse oder aber auch an alle vier Räder geschickt. Der Saugmotor, der selbstverständlich die EU-6-Norm erfüllt, geht dabei reichlich rau zu Werke. Da das maximale Drehmoment von 160 Nm erst bei 4.600 U/min-1 anliegt, muss man den kompakten Tivoli treten, um in die Puschen zu kommen. Zum in der Stadt mitschwimmen, oder auf der Landstraße mit 100 km/h locker cruisen, taugt das Triebwerk mit dem Namen e-XGi160 dennoch allemal.

Mehr Kraft verspricht der im Herbst 2015 nachzureichende Diesel. Ebenfalls mit 1,6 Litern Hubraum mobilisiert der 115-PS-Selbstzünder 300 Nm im Bereich von 1.500 bis 2.500 U/min-1. Dass sich beim Diesel die Höchstgeschwindigkeit von maximal 181 beim Benziner auf 175 km/h verringert, dürfte verschmerzbar sein. Mit einem Preisaufschlag von 2.500 Euro wird der Selbstzünder beim Tivoli im Marktanteil wohl nur eine untergeordnete Rolle spielen. Und das obwohl die Differenz der Verbrauchswerte Benziner zu Diesel im besten Falle 2,3 Liter auf 100 km beträgt (6,6 l vs. 4,3 l).

Will man eine vernünftige Rückmeldung der Lenkung spüren, raten wir an, der Sportmodus des "Smart Steer System" per Knopfdruck zu aktivieren. Im Normalmodus wirkt die Lenkung zu indirekt und der Modus Komfort kann bei Rangiermanövern hilfreich sein. Das Fahrwerk ist komfortabel abgestimmt, ein Kurvenheizer wird der SsangYong Tivoli daher nicht werden.

Wir sind bei der Pressevorstellung Ende Juni den Tivoli mit Frontantrieb (2WD) mit manuellem Sechsganggetriebe sowie mit der Sechsgang-Automatik gefahren. Während sich das handgeschaltete Getriebe gut anfühlt, sollte man beim Automaten für Beschleunigungsvorgänge in jedem Fall den Sport-Modus wählen. Die Automatik wie auch der optional erhältliche Allradantrieb kosten jeweils 2.000 Euro Aufpreis.

Ausstattung

Crystal, Quartz und Sapphire nennen sich die Versionen des SsangYong Tivoli. Wie bereits erwähnt, startet die Welt des Tivoli preislich bei 15.490 und steigert sich beim Benziner von 18.990 bis auf 22.490 Euro. Nimmt man sich den teuersten Diesel vor die Brust und stattet diesen mit Allrad, Automatik, Navigation (600 Euro), Schiebedach (1.000 Euro) und Metallic-Lackierung (500 Euro) aus, verdoppelt sich der Einstandspreis auf 31.090 Euro.

In diese Sphären muss man sich aber nicht zwingend bewegen. Für genügsame Zeitgenossen bietet der Crystal mit einer manuellen Klimaanlage, acht Airbags, ABS, ESP, beheizbaren und elektrisch bedienbaren Außenspiegeln, elektrischen Fensterhebern sowie Radio mit sechs Lautsprechern eine ordentliche Basis. Empfehlenswert ist das Winterpaket für 400 Euro, das ein beheizbares Lederlenkrad und Sitzheizung beinhaltet.

Mit dem Quartz werden Nebelscheinwerfer, 16 Zoll große Leichtmetallräder, Licht- und Regensensor, Bluetooth und ein 7 Zoll großer Touchscreen mit Audio-Funktion sowie Rückfahrkamera geliefert. Das sogenannte Fashion-Paket wertet den Quartz für 1.000 Euro weiter auf. Dann rollt der Tivoli auf 18 Zoll großen Rädern und zudem ist eine silberfarbene Dachreling montiert.

All das bringt der Sapphire bereits serienmäßig mit und darf sich zusätzlich mit einer Zweizonen-Klimaautomatik, belüftetem Fahrersitz, getönten Scheiben hinten, Ledersitzen (Fahrersitz elektrisch verstellbar) sowie schlüssellosem Zugang und Start-Stopp-Funktion schmücken. Das Navigationspaket stammt von TomTom und ist im Touchscreen integriert.

Fazit

Vor gut fünf Jahr startete SsangYong den dritten Anlauf in Deutschland. Es könnte sein, dass das Sprichwort "Alle guten Dinge sind Drei" für diese Aktion Gültigkeit besitzt. Nach 1.300 verkauften Einheiten im vergangenen Jahr strebt Ulrich Mehling für 2015 2.500 verkaufte Fahrzeuge an. Die Händlerschaft soll von 166 auf 190 steigen und neben diesem Zuwachs soll vor allem der Tivoli für steigende Absatzzahlen sorgen.

Treffen diese Prognosen zu, wird SsangYong beispielsweise Lexus und Infiniti hinter sich lassen. Und Marktteilnehmer wie Subaru aufs Korn nehmen.

Die Aufholjagd hat begonnen.

Technische Daten: SsangYong Tivoli e-XGi160 2WD Quartz

Motor: 4-Zylinder-Benziner Getriebe: Sechsgang-Schaltung Hubraum: 1.597 ccm Leistung in kW/PS bei xy U/min: 94 kW (128 PS)/6.000 Max. Drehmoment: 160 Nm bei 4.600 Umdrehungen pro Minute Länge/Breite/Höhe: 4.195/1.795/1.590 in mm Radstand: 2.600 in mm Leergewicht: 1.270 kg Zul. Gesamtgewicht: 1.810 kg Kofferrauminhalt: 423 – n.n. l Bereifung: 205/60 R 16 Felgen: 6,5 x 16″ Leichtmetall Beschleunigung: n.n. Höchstgeschwindigkeit: 181 km/h Tankinhalt: n.n. l Kraftstoffverbrauch Kombinierter Verkehr: 6,6 l auf 100 km Preis: 18.990 Euro inkl. MwSt.

Alle Fotos:  © D.Stanka
Dietmar Stanka Aribonenstraße 1 b D-81669 München