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Wahres Dickschiff

Audi Q7 - Leichtfüßige Agilität

Montag, 29. Jun. 2015

Mit dem ersten Q7 stellte Audi ein wahres Dickschiff auf die Straße. Die Plattform adaptiert von Volkswagen Nutzfahrzeuge, ergo nichts anderes als ein Truck. Dennoch erfreute sich dieser SUV großer Beliebtheit. Ebenso wie seine Brüder im Geiste, der Cayenne von Porsche und der Touareg von Volkswagen. Alle drei gebaut in Bratislava, der zauberhaften slowakischen Hauptstadt an der Donau. Nun ist eine wahrhaft neue Ära angebrochen. Bruder Leichtfuß ist geboren. Der neue Audi Q7 wiegt leer bis zu 325 kg weniger als der Vorgänger.

Ein Fahrbericht von unserem Autoredakteur Dietmar Stanka

Form und Funktion

Unverkennbar ist der Q7 ein typischer Audi. Designchef Marc Lichte und sein Team differenzieren die einzelnen Modellreihen aber stärker als bisher. Der Spaceframe-Kühlergrill ist dominant wie eh und je. Das darf, nein muss er aber an solch einem Fahrzeug auch sein. Kantiger ist der neue Q7, knackiger in seinen Proportionen. Ein wenig kürzer (5.05 m), ein bisschen schmaler (1,96 m) und dennoch mehr Platz bietend.

Foto: M. Hollenbach, RIGHT LIGHT MEDIA GmbH

Wirkt der neue Audi Q7 von außen schon fast ein wenig zierlich, zeigen sich nach dem Öffnen der Türen großzügige Raumverhältnisse. Das gilt insbesondere für das Platzangebot im Fond. Die Verarbeitung ist auf Luxusklassen-Niveau angekommen, auch wenn man nicht das 13.000 Euro teure Audi design selection murillobraun mit Volllederausstattung wählt.

Das bisschen mehr an noch mehr Komfort für die Fondpassagiere ermöglicht die Rücksitzbank plus für 390 Euro. Dann lassen sich die Sitze einzeln im Verhältnis 35:30:35 manuell in der Länge und der Lehnenneigung einstellen. Die dritte Sitzreihe ist ebenfalls optional und kostet 1.390 Euro. Die vorgenannte plus-Variante ist dann automatisch enthalten.

Allerdings sind diese Features nicht mit den serienmäßigen Stoffbezügen erhältlich. Ein bisschen Leder muss schon sein und das kostet in der günstigsten Variante im Mix mit Alcantara 1.550 Euro. Zudem muss die Sitzheizung bestellt werden, die 390 Euro kostet. In unseren Augen eine etwas kleinlich wirkende Aufpreispolitik, die besser gelöst werden könnte.

Foto: D. Stanka

Für 600 Euro liefert Audi das in ähnlicher Konfiguration aus dem TT bekannte virtual cockpit. Das volldigitalisierte Kombiinstrument ist ein echter Gewinn für umfassende Informationen auf einen Blick. Einfach auf die View-Taste am Multifunktionslenkrad drücken und schon wechseln die Ansichten unter anderem zwischen den klassischen Anzeigen wie Tacho, Drehzahlmesser, Tankinhalt und Wassertemperatur bis hin zu der Navigationskarte, Telefonbuch und Audioinhalten.

Fahrverhalten

Verbier im Schweizer Kanton Wallis ist nur über eine steil ansteigende Serpentinenstraße zu erreichen. Auf über 1.500 m gelegen ist der Ausblick einfach nur traumhaft. Traumhaft ebenso die Performance, als wir uns bei den ersten Testfahrten Mitte Mai mit dem neuen Q7 von Sion kommend, dorthin hochschraubten. Sitzen wir wirklich in einem SUV? Oder haben wir aus Versehen nicht doch einen A6 Avant aus dem Fuhrpark der Mechaniker genommen?

Nein, es ist der neue Q7, der mit einer Agilität überzeugt, die bis dato noch von keinem Mitbewerber erreicht wurde. Die hohe Präzision mit der sich der Q7 um enge Haarnadelkurven zirkeln lässt ist nahezu unglaublich. Die Allradlenkung, bei der die hinteren Räder bei Bedarf die Radien verringern, hat daran einen wesentlichen Anteil. Gleiches gilt selbstverständlich auch für Rangiermanöver mit dem Q7, die sich so einfach anfühlen, als sitze man in einem wesentlich kleineren Fahrzeug.

Foto: M. Hollenbach, RIGHT LIGHT MEDIA GmbH

Die ersten Kilometer, von Sion hoch Richtung Großer St. Bernhard absolvierten wir mit dem 3.0 TFSI, der 245 kW (333 PS) aus seinem kompakt gebauten 3-Liter-V6-Benziner holt. Haben wir auf dieser Fahrt Audi drive select (auto, comfort, dynamic, efficiency, allroad, offroad bzw. lift/offroad) den Modus „efficiency“ gewählt? Um möglichst sparsam unterwegs zu sein?

Natürlich nicht. „dynamic“ war angesagt oder auch hart aber herzlich. Spontan am Gas hängend zogen wir Höhenmeter um Höhenmeter hinauf zu den Bernhardinern. Mussten uns aber trotz quattro und den Modi „offroad“ bzw. „lift/offroad“ der Mitte Mai noch vorhandenen Passsperrung beugen.

Audi drive select ist übrigens serienmäßig im Q7 und wirkt auf die Lenkunterstützung, die Motorcharakteristik und Schaltkennlinien ein. Trotz einer dynamischen Fahrweise im Hochgebirge zeigt der Bordcomputer einen relativ geringen Verbrauch von etwas mehr als 12 Litern an.

Foto: M. Hollenbach, RIGHT LIGHT MEDIA GmbH

Deutlich weniger, nämlich gut 2 – 3 Literauf 100 km, genehmigte sich der 3-Liter-Diesel mit 200 kW (272 PS). Die geringere Motorleistung kompensiert der Selbstzünder mit seinem Drehmoment von 600 Nm. Der Benziner verfügt über 440 Nm.

In höchster Perfektion gedämmt ist der TDI die Ruhe selbst und verfügt damit über das höchste Potential bei der Kundennachfrage in Deutschland.

Ausstattung

Klimaautomatik Serie. Bi-Xenon Serie. Natürlich ist die Start-Stopp-Automatik an Bord. Außerdem noch Audi pre sense city. Das System erkennt Fahrzeuge und Fußgänger bis zu einer Geschwindigkeit von bis zu 85 km/h und warnt vor einer drohenden Kollision. Bei Bedarf wird eine Vollbremsung bis zum Stillstand eingeleitet.

Foto: D. Stanka

60.900 Euro werden dafür und noch mehr unerwähnt gebliebene Features für den Diesel fällig. 62.900 kostet der Benziner.

Dennoch ist bei diesem niedrig erscheinenden Einstiegspreis noch lange nicht Schluss. Schließlich soll der Audi Q7 ja noch aufgehübscht werden. Mit dem S line Sportpaket für 6.300 vielleicht. Das Sitzbezüge in Alcantara gelocht/Leder in Schwarz mit S-Prägung in den Lehnen der Vordersitze enthält und auch große 19-Zöller mit 285er Wuchtbrummen.

Oder aber auch mit der adaptive air suspension. Der Luftfederung mit stufenlos adaptivem Dämpfungssystem inklusive Niveauregulierung und Heckabsenkung zur Erleichterung der Beladung. Weitere 2.050 Euro werden dafür fällig.

Foto: D. Stanka

Nahezu ein Muss sind die Audi Matrix LED-Scheinwerfer (2.580 Euro) sowie das Navigationssystem MMI für 2.800 plus dem bereits erwähnten Audi virtual cockpit.

Ohne großartigen Verzicht ist ein individuell gestalteter Audi Q7 für deutlich unter 80.000 Euro zu bekommen. Viel Geld, aber auch verdammt viel Auto.

Fazit

Egal ob Bayer, Schwabe, Schwede oder Brite. Die Fraktion der SUV-Bauer muss sich verdammt warm anziehen. Mit dem neuen Q7 liefert Audi ein Meisterstück. Die herausragende Qualität der Ingolstädter muss nicht mehr zwingend erwähnt werden.

Die Vielzahl durchaus sinnvoller Helferlein an Bord dafür durchaus. Und ebenso die für einen solchen Fahrzeugtyp herausragende Agilität und die hohe Effizienz. Das Gesamtpaket stimmt und könnte so manchen Dickschiffhasser eines Besseren belehren.

Technische Daten: Audi Q7 3.0 TDI quattro

Motor V6-Zylinder-Diesel
Getriebe 8-stufige tiptronic
Hubraum 2.967 ccm
Leistung in kW/PS bei xy U/min 200 kW (272 PS)/3.250 – 4.250
Max. Drehmoment 600 Nm von 1.500 – 3.000 Umdrehungen pro Minute
Länge/Breite/Höhe 5.052/1.968/1.741 in mm
Radstand 2.994 in mm
Leergewicht 1.995 kg
Zul. Gesamtgewicht 2.765 kg
Kofferrauminhalt 890 – 2.075 l
Bereifung 255/60 R 18
Felgen 8 x 18″ Leichtmetall
Beschleunigung 6,3 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 234 km/h
Tankinhalt 75 l
Kraftstoffverbrauch kombiniert 5,7 Liter auf 100 km
Preis 60.900 Euro inkl. MwSt.

Fotos:

© M. Hollenbach, RIGHT LIGHT MEDIA GmbH  (4) 
© D.Stanka (3)
Dietmar Stanka Aribonenstraße 1 b D-81669 München