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Der Weg zum Rennfahrer

Audi race experience

Mittwoch, 8. Apr. 2015

Die Träume kleiner Jungs oder kleiner Mädchen sind vielfältig und bunt. Einer davon ist der, einmal Rennfahrer zu werden. Zumindest war es bei mir so. Ich verschlang Bücher über die Abenteuer aus den Zeiten, als die Piloten noch wahre Helden waren. Von Männern wie Hans Stuck und Bernd Rosemeyer, aber auch Juan Manuel Fangio und Graf Berge von Trips.

Ein Erfahrungsbericht von Dietmar Stanka

Der Norisring in Nürnberg war die erste Begegnungsstätte mit dem Rennsport, erste eigene Erfahrungen sammelte ich im Rallye- und Slalomrennsport.

Foto: D. Stanka

Die Audi race experience stellte im Sommer 2014 bei mir jedoch alle Träume in den Schatten. Selbst einmal hinter dem Steuer eines rund 600 PS starken GT3-Boliden sitzen und die Kuh fliegen lassen. Dem Audi R8 LMS ultra. Ein sehr wohl exklusives Vergnügen. Gar nicht einmal wegen des Startgelds in Höhe von 2.500 Euro, das im Übrigen jeden einzelnen Cent mehr als nur wert ist. Sondern auch wegen der limitierten Lehrgänge pro Jahr. Viermal geht es per anno auf die Piste in Brandenburg, schließlich werden die Rennwagen die meiste Zeit bei der Langstreckenmeisterschaft VLN gebraucht.

Groß Dölln. Eine kleine Ansiedlung mitten in einem riesigen Waldgebiet, das in zwei Diktaturen im letzten Jahrhundert das Jagdrevier der selbstherrlichen Herrscher war. Während des kalten Krieges waren es die Sowjetarmee, die ein Areal als Flugplatz nutzte. Heute sind dort großflächig Solarpanels installiert und das ehemalige Flugfeld wird sinnvoller Weise als Fahrsicherheitszentrum genutzt.

Foto: D. Stanka

Ist die Anreise in die Uckermark geschafft, erwartet einen herrliche Ruhe, Beschaulichkeit und ein Hotel in wildromantischer Lage. Ein feines Abendessen und ein Bier an der Bar, dann nix wie ab ins Bett. Schließlich verspricht er Trainingstag nicht nur viel Fahrspaß, er fordert vor allem höchste Konzentration.

Es ist 8 Uhr und die Augen sind gespannt auf die Trainingsfahrzeuge gerichtet. Vor dem Hangar der Audi race experience stehen 10 Audi R8 V10 und warten mit ihren 520 PS auf ihren Einsatz. Doch erst muss der Theorie gelauscht werden, die von Sepp Haider, ehemaliger Rallye-Champion aus Österreich, im Dialekt seines Heimatortes Saalfelden zelebriert wird. Als Mann der Praxis fällt dieser Teil zugleich informativ und witzig, aber auch sehr kurz aus.

Foto: D. Stanka

Es geht ja schließlich ums Autofahren, um das Erlernen neuer Kniffe bis hin zum echten Rennstreckentraining. Ziel unseres Engagement ist schließlich die Teilnahme an einem Rennen mit dem Audi R8 LMS ultra. Bevor solch ein Renneinsatz in trockenen Tüchern ist, muss geschuftet werden. Als erstes auf einem klassischen Slalomkurs, der teilweise befeuchtet ist.

Die beiden anderen Instruktoren neben Sepp Haider Wilfried Wiedner und Josef Venc, korrigieren und zeigen große Geduld, bevor es zum ersten Handlingabschnitt mit Rennstreckencharakter geht. Die große Piste des ehemaligen Flughafens weist die unterschiedlichsten Charakteristiken auf und kann je nach Gusto in Länge und Schwierigkeitsgrad verändert werden.

Foto: D. Stanka

Mit den Straßenversionen des Audi R8 fuhren wir hinter unseren jeweiligen Instruktoren her und steigerten das Tempo und die Präzision in jeder Runde. Kurz vor der Mittagspause war es dann so weit. Eh schon im Rennoverall eingekleidet, durften wir neben Chefinstruktor ins mit Überrollkäfig ausgestattete Cockpit des Audi R8 LMS ultra klettern.

Vor uns ein Lenkrad mit bunten Knöpfen und Schaltern, dahinter die Schaltpaddels, mit denen der mit einem sequenziellem Getriebe ausgestattete Rennwagen geschaltet wird. Festgezurrt in Hosenträgergurte, mittels Headset mit Sepp verbunden, mussten wir vor dem Start erst einmal auf die Kupplung treten.

Foto: D. Stanka

Ja, der Audi R8 LMS ultra ist ein rein über die Hinterachse angetriebenes Fahrzeug und muss wie mit einer manuellen Schaltung angefahren und auch wieder per Druck auf die Kupplung gestoppt werden. Langsam fuhren wir in Richtung eines Ovals, auf dem wir Beschleunigungs- und Bremsvorgänge genauso übten, wie die richtigen Einlenkpunkte zu treffen. Nach rund 20 Minuten mussten wir den R8 LMS ultra leider wieder abstellen und uns dem Mittagessen widmen.

Race as race can. Nach der Pause quetschten wir uns ein weiteres Mal in den R8 LMS ultra und durften einige echte Runden auf einer fingierten Rennstrecke drehen. Die Fahrt war natürlich gefühlt viel zu kurz, aber auf uns wartete ja noch das Renntraining mit den R8 V10. Also wieder rauswinden aus dem R8 LMS ultra, im Gepäck das große Lob von Sepp Haider mit den Worten: "Neben dir habe ich mich wohlgefühlt."

Foto: D. Stanka

Ein Instruktorfahrzeug, zwei Fahrzeuge mit Teilnehmern. So ging es raus auf einen anderen Rennstreckenteil der Audi race experience, um den Einsatz bei einem Rennen zu simulieren. Überholfvorgänge, ausbremsen, geschicktes taktieren und immer die Ideallinie treffen. Nach der Erfahrung im R8 LMS ultra kam uns die Fahrt mit dem Serien-R8 wie die reinste Erholung vor. Dennoch war wiederum volle Aufmerksamkeit gefordert, um die Boliden schnell und sicher zu bewegen.

Einen Reifensatz später war der Nachmittag vorbei und die Audi race experience neigte sich leider dem Ende zu. Der spannende und ereignisreiche Tag wurde im Hangar durch die Übergabe der Teilnahme-Urkunden durch Sepp Haider beendet und alle Teilnehmer waren sich einig, dieses fantastische Erlebnis baldmöglichst zu wiederholen.

Dietmar Stanka Aribonenstraße 1 b D-81669 München